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„Museum of Modern Electronic Music“: DJs schenken Frankfurt ein Museum

Von Nun ist es offiziell: Frankfurt bekommt ein weiteres Museum. Das „Museum of Modern Electronic Music“, kurz Momen, soll 2017 an der Hauptwache eröffnen – und der Stadt neuen Ruhm bringen. Ganz ohne Nebenkosten.
Dem Ausspruch des Musikers Brian Eno (»Musik ist der Schlüssel zur Technologie«) haben Andreas Tomalla (li.) und Alexander Azary zum Leitsatz für ihr Museumskonzept erkoren. Bilder > Foto: Bernd Kammerer Dem Ausspruch des Musikers Brian Eno (»Musik ist der Schlüssel zur Technologie«) haben Andreas Tomalla (li.) und Alexander Azary zum Leitsatz für ihr Museumskonzept erkoren.
Frankfurt. 

Gerade wird auf der Musikmesse die Wiederentdeckung des Vinyls und die Neuauflage legendärer DJ-Plattenspieler gefeiert. Da passt es, dass wenige Meter weiter einige Frankfurter verkünden, dass ein Stück Musikgeschichte in Frankfurt demnächst ein eigenes Museum haben soll. Andreas Tomalla und Alexander Azary – beide Frankfurter DJ-Legenden und Mitbegründer der Techno-Kultur – stellten gestern gemeinsam mit Stefan Weil, Kreativdirektor der Agentur Atelier Markgraf, ihr Konzept für das Momen, das „Museum of Modern Electronic Music“ vor.

Mit dabei waren auch Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Beide lobten das Vorhaben, für das sie die Schirmherrschaft übernommen haben und das sie „ideell mit allen Kräften“ zu unterstützen versprachen. Finanziell soll es keinen städtischen Beitrag geben. Die Macher, die sich zum Verein „Friends of Momen“ zusammengeschlossen haben, wollen das Museum mit Hilfe von privaten Geldgebern, Firmen als Sponsoren und einer Crowd-Funding-Aktion finanzieren. Das heißt, jeder der das Projekt unterstützenswert findet, kann sich mit großen oder kleinen Geldbeträgen daran beteiligen.

Im Jahr 2017 soll das Momen an der Hauptwache eröffnen. Genauer gesagt, in der Hauptwache. In den Räumen residiert noch für etwa ein Jahr das Kindermuseum, bis es in den Neubau des Historischen Museums auf dem Römerberg zieht. Dann kann Wirklichkeit werden, was bislang vor allem in den Köpfen und Computern der Initiatoren Gestalt angenommen hat.

Im fernen Usbekistan, so erzählte gestern Andreas Tomalla, den Nachtschwärmer unter seinem DJ-Namen „Talla 2XLC“, kennen, sei ihm die Idee das erste Mal gekommen. „Ich hielt dort 2011 an der Uni Vorlesungen über die Geschichte des Techno.“ Das Interesse der Studenten sei derart groß gewesen, „da habe ich erkannt, dass wir daraus etwas machen müssen.“

 

Mit Party-Programm

 

Aus dem „Etwas“ erwuchs die Idee eines Museums, das sich nicht als Ort der Rückschau versteht, sondern mit viel multimedialer Technik die Musik und die dazugehörige Clubkultur – von den Anfängen bis heute – erlebbar machen will. Die Größen der Szene sollen zu Workshops und Partys anreisen. Das neue Leben im „Mezzanin“ der Hauptwache soll auch den Abgang zur B-Ebene und den Platz aufwerten. Die Fassade des Museums soll mit schwarzen Paneelen modern verkleidet werden, Lichteffekte sollen es abends beleuchten. Im Innern wird es auch um die Anfänge der Musik gehen, die in Frankfurt ihre Geburtsstätte hatte.

Von der Mainmetropole aus ging eine Musikwelle durch die Welt, die zu einer neuen Jugendkultur wurde und in Berlin mit der „Loveparade“ einen massentauglichen Höhepunkt fand. Auf der 800 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche wird es deshalb neben einem Raum für „FRM, DJs, Clubs, Media“ auch Stationen geben, an denen es um Design, technische Ausrüstung oder um die Einflüsse des Techno auf die Mode gehen wird. „Es gibt eine Menge Dinge, die im Club probiert und dann straßentauglich wurden“, sagt Weil. Schrilles, wie der auf den Rücken geschnallte Staubsauger, konnte nicht überzeugen. Grell leuchtende Neon-Kleidung hingegen erlebt derzeit schon den zweiten Boom.

Es war bei der gestrigen Präsentation vor allem Stefan Weil, der mit seinem Team das Museumskonzept entwickelt hat und Vorsitzender des Momen-Vereins ist. Er erinnerte mit Anekdoten daran, warum Frankfurt der richtige Ort für das Projekt ist. Er erinnert sich gut an die frühen Techno-Jahre, war selbst Kunde in Tomallas Platten-Laden am Hauptbahnhof. Dieser soll elektronische Musik angeblich als Erster weltweit unter dem Label „Techno“ versammelt haben. Mit der Eröffnung des „Technoclubs“, der als Partyreihe seit 34 Jahren besteht, wurde der Namen public.

 

Vieles wird hörbar

 

Weil weiß noch gut, wie das in den 1980ern war, wenn morgens gegen 5 Uhr im „Dorian Gray“ am Flughafen die Champagner trinkende Schickeria den Club verließ und die Jünger der elektronischen Musik die Regie übernahmen. Dann dröhnten die Drum-Beats, stundenlang konnten die nimmermüden Raver auf Remixe tanzen. Manches Stück war damals noch zusammengeklebt aus Tonbandschnipseln.

Dieses Damals soll seinen Platz im Museum haben: Tonband-Geräte, Plattenspieler, DJ-Helme von Sven Väth und auch ein Roboter der Elektro-Pioniere von „Kraftwerk“ sind als Ausstellungsstücke vorgesehen. Hinein geführt wird der Besucher durch einen Klangtunnel, in dem Versatzstücke wichtiger Remixes zu hören und Zitate wichtiger Protagonisten zu lesen sein werden.

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