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Da staunen sogar die Saurier

Wassermoleküle tanzen gern, und Herpetologie hat nichts mit Pickeln zu tun: Die Science-Slam-Nacht des Physikalischen Vereins war zu Gast im Senckenbergmuseum. Der Wissenschaftler als Spaßvogel: Manuel Pescher vergleicht im Sauriersaal Wasserstoffbrückenbindungen mit Flamencotänzern und winkt mit Täfelchen.	Fotos: Hamerski (2), Rüffer Der Wissenschaftler als Spaßvogel: Manuel Pescher vergleicht im Sauriersaal Wasserstoffbrückenbindungen mit Flamencotänzern und winkt mit Täfelchen. Fotos: Hamerski (2), Rüffer

Bockenheim. 

Zwei Paar starre Augen sind auf den Biologen Sebastian Lotzkat gerichtet: Schlangen. Sie schwimmen in Formaldehyd und sind der Hingucker bei der Science-Slam-Nacht im Senckenbergmuseum. Der schmale Mann, der zur Begrüßung einen höflichen Diener gemacht hat, hebt sie ab und zu hoch. Er spricht von seinen Forschungen in Panama und einer Echsenart, die er als erster beschrieben hat. Zwischendurch macht er Witze über sein Fachgebiet; "Herpetologie, nein, das hat nichts mit Pickeln zu tun." Nach zehn Minuten ist seine Zeit abgelaufen, die Zuhörer wissen nun mehr über die Faszination von Kriechtieren. Ihr donnernder Applaus lässt die mächtigen Dinokiefer im Senckenberg-Saal erzittern.

Die Science-Slam-Nacht hatte am Mittwoch im Museum Premiere gefeiert. Normalerweise veranstaltet der Physikalische Verein die Abende, an denen Studenten und Professoren in kurzen Vorträgen ein wissenschaftliches Thema möglichst unterhaltsam erläutern sollen, im Audimax der Goethe-Uni. Knapp 1200 Zuhörer kamen beim letzten Mal.

Klapphocker vergriffen

Im Senckenbergmuseum sind es weniger, allein wegen des Platzes. Die bereitgestellten Stühle sind schnell besetzt, die schnell herbeigeschafften Klapphocker vergriffen. Trotzdem strömt immer mehr Publikum in den Saal. Acht Euro Eintritt kostet der Spaß – dennoch müssen viele Slam-Liebhaber stehen oder auf den kühlen Steinstufen der Treppe Platz nehmen. Einige Schlachtenbummler, die sonst im Audimax dabei sind, haben sich eingefunden; junge Leute mit Pferdeschwänzen und T-Shirts.

Der Rest trägt Hemd, Krawatte und Kostüm: Zurzeit veranstaltet die Senckenberg-Gesellschaft den Kongress "Exhibit Nature, explain Science", in dem Architekten und Medien-Experten diskutieren, wie das Museum von morgen aussehen muss. Die Einrichtung plant bis 2017 einen Erweiterungsbau. "Im Kongress geht es auch um zeitgemäße Wissensvermittlung. Deswegen passen wir mit dem Science Slam gut ins Programm", erklärt Kathrin Göbel vom Physikalischen Verein, eine junge Frau mit dunklen Ponyfransen. "Und weil wir auf dem geplanten Kulturcampus bald Nachbarn sind, haben wir uns über die Kooperation sehr gefreut."

Dann piept ein Mikrofon. Moderator Roberto Cappellutti schreitet aufs Podium und erklärt die Regeln. Sechs Leute aus dem Publikum werden zur Jury ernannt und bekommen Tafeln mit Punkten von eins bis sechs. Das Ergebnis wird mit dem Geräuschpegel verrechnet, den die Zuhörer nach jedem Vortrag mit Rufen und Klatschen in die Höhe treiben können. Zum Schluss winkt der "Bembel der Weisheit". "Allerdings müssen wir der Brennerei noch sagen, dass man ,Senckenberg" mit ck schreibt. Nicht mit k", zwinkert Cappellutti.

Vorhang auf. Zwischen Triceratops-Schädel und T-Rex-Rippen buhlen die Slammer um die Gunst des Publikums. Manuel Pescher vergleicht Wasserstoffbrückenbindungen mit Flamencotänzern, spricht ein wenig zu schnell und erntet zum Schluss 17 Punkte und 96,2 Dezibel. Schlangenbeschwörer Lotzkat kann mehr überzeugen; vielleicht liegt es am Anschauungsmaterial oder dem Heimvorteil – er forscht am Senckenberg-Institut. Beim nächsten streikt die Technik. "Wie, das funktioniert nicht?", fragt Physiker Falko Brinkmann und starrt hilflos auf den Computer-Stift in seiner Hand, mit dem er eigentlich durch seinen Vortrag über Nano-Technologie navigieren wollte. "Ich muss 280-mal klicken!"

Die Stimmung steigt

Letztlich funktioniert es. Die Stimmung wird immer besser. Zum Schluss werden die lustigen Seiten von Biophysik und Wolken gezeigt, dann überreicht Cappellutti den "Bembel der Weisheit" mitsamt Rechtschreibfehler an Echsenforscher Sebastian Lotzkat. Noch ein Glas Wein, dann leert sich der Saal. Lotzkat sammelt seine Schlangen ein.jro

(jro)
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