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Spielgelände in der Wetteraustraße: Das Abenteuerland muss bleiben

Von Wird die Ernst-May-Siedlung und das Innovationsquartier zwischen Autobahn 661 und Friedberger Landstraße gebaut, müsste der Abenteuerspielplatz Günthersburg weichen.
Eine grüne Oase zum Spielen und Toben: 5000 Quadratmeter groß ist der Abenteuerspielplatz in der Wetteraustraße. Foto: Salome Roessler Eine grüne Oase zum Spielen und Toben: 5000 Quadratmeter groß ist der Abenteuerspielplatz in der Wetteraustraße.
Nordend. 

Die volle Montur hat Rainer Falk angelegt: Klettergurt, Seil, Karabinerhaken, schließlich soll ihn ein Kollege sichern, wenn er den Kletterturm hochkraxelt. Falk blickt kurz hoch und legt los. Oben angekommen, betrachtet er das Gelände des Abenteuerspielplatzes Günthersburg in der Wetteraustraße. Was er rundherum auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal sieht, gefällt ihm. Kinder sitzen unter schattenspendenden Bäumen, Mädchen und Jungen spielen in der selbst gebauten Holzburg oder gehen über den Barfußpfad. Und wenn einmal plötzlich Regen herunterprasselt, bietet eine „Fischerhütte“ Unterschlupf.

Einen steinigen Weg hat Rainer Falk vor sich: Der Leiter des Abenteuerspielplatzes Günthersburg versucht sich am dortigen Kletterturm. Mit Sorge sieht er auch die Diskussion zur Bebauung des Geländes. Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Einen steinigen Weg hat Rainer Falk vor sich: Der Leiter des Abenteuerspielplatzes Günthersburg versucht sich am dortigen Kletterturm. Mit Sorge sieht er auch die Diskussion zur Bebauung des Geländes.

In den vergangenen 23 Jahren ist auf dem einst brachliegenden Stückchen Land eine Oase zum Spielen und Toben für Kinder entstanden. 1992 wurde der Spielplatz eröffnet. „Damals war hier absolut nichts. Es ist ein richtig toller Platz geworden“, freut sich der 56-Jährige. Der Gedanke, dass diese Idylle jetzt gefährdet ist, ärgert ihn. „Mein Herzblut hängt am Abenteuerspielplatz. Ich habe hier jeden Baum gepflanzt. Die sollen ihre Häuser doch einfach 300 Meter weiter weg hinstellen“, sagt er.

Die Stadt plant zwischen Autobahn 661 und der Friedberger Landstraße das Ernst-May-Viertel sowie unterhalb des Wasserparks das Innovationsquartier mit großflächiger Wohnbebauung (wir berichteten). Das Geld aus der Vermarktung der Grundstücke soll für den Bau der geplanten Einhausung der A 661 zwischen Preungesheim und Bornheim verwendet werden. Freizeitgärten und Abenteuerspielplatz müssten nach jetzigem Stand für das Bauvorhaben weichen.

 

Ein Rückschritt

 

Grundsätzlich könne der Abenteuerspielplatz zwar umgesiedelt werden. „Das wäre aber ein echter Rückschritt. Wir müssten wieder ganz von vorne anfangen“, sagt Falk und denkt zurück an die schwierigen Anfangsjahre in der Wetteraustraße, als fünf Jahre lang nur provisorische Dixie-Klos zur Verfügung gestanden hätten.

Ein Argument für den Erhalt des Spielgeländes ist nach Ansicht von Falk, dass für die Kinder der künftigen Bewohner in der Ernst-May-Siedlung und im Innovationsquartier wieder Spielplätze eingerichtet werden müssten. „Mit uns gibt es aber doch schon einen sehr gut ausgestatteten Spielplatz.“ Und dieser sei zudem noch pädagogisch besonders wertvoll. „Bei uns bekommen die Kinder nichts vorgesetzt. Sie können sich ausprobieren, völlig frei spielen und Freundschaften schließen. Für die Entwicklung, vor allem das Sozialverhalten, ist das enorm wichtig“, sagt Falk.

Rund 10 000 Kinder besuchen laut Falk das Spielgelände jährlich – Tendenz steigend. Denn der dort geleisteten Arbeit werde in den nächsten Jahren ein immer höherer gesellschaftlicher Stellenwert beigemessen. Der Grund: Im Zuge des Ausbaus des Pakts am Nachmittag – der Betreuung von Schulkindern nach dem Unterricht – rechnet Falk damit, dass umliegende Schulen das Angebot stärker nutzen werden. „Die Merianschüler werden uns künftig sicher auch öfter beehren“, glaubt Falk. Das Schulgebäude in der Burgstraße wird bald saniert, die Schüler in ein Containerdorf auf den ehemaligen Betriebshof im oberen Teil des Günthersburgparks ausgelagert.

Den Betrieb auf dem Spielgelände in der Wetteraustraße organisiert der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald. Dessen Vorsitzender Michael Paris verfolgt die aktuelle Diskussion über die Baupläne ganz entspannt. Denn was davon schließlich umgesetzt werde, stehe noch nicht fest. „Da haben irgendwelche Planer grob auf dem Reißbrett ihre Ideen skizziert. Die Feinplanung steht noch aus“, betont er.

 

Gute Position

 

Paris sieht den Verein in einer guten Verhandlungsposition. Denn im Zuge der Entwicklungsmaßnahmen müssten Kirchen, Jugend- und Kinderhäuser und natürlich auch Spielplätze gebaut und angelegt werden. Ein toller Spielplatz sei schließlich schon vorhanden, meint Paris, der einer Umsiedlung nicht grundlegend abgeneigt gegenüber- steht. Denn offenbar sieht er die Trümpfe auf seiner Seite, wenn er sagt: „Vielleicht wird die Alternative noch schöner und größer. Vielleicht springt dabei ein festes Haus für die Winterzeit heraus, damit das Gelände ganzjährig bespielbar ist.“ Hätte er die Wahl, würde er aber am jetzigen Gelände festhalten.

Auf den Rückhalt des zuständigen Ortsbeirats 3 (Nordend) kann Paris dabei jedenfalls bauen. Wie berichtet, verabschiedete das Gremium einen Antrag, in dem Bestandschutz für den Abenteuerspielplatz Günthersburg gefordert wird. Das damals zweite Spielgelände des Abenteuerspielplatzes Riederwald wurde 1992 übrigens im Auftrag der Stadt eröffnet. Parallel zur Erweiterung des Günthersburgparks sollte damals in unmittelbarer Nähe zum Park ein weiterer Platz für Mädchen und Jungen entstehen.

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