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Das Energiespar-Hochhaus

Es war ein ehrgeiziges Ziel: Ein Green Building zu erbauen, das nicht nur in den landläufigen Kriterien wie effiziente Wassernutzung, optimierter Energiebedarf, Einsatz regionaler Baustoffe Primus ist, sondern darüber hinaus die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen, die darin arbeiten, im Fokus hat. Mit dem Tower 185 ist es offenbar gelungen.
In der Abenddämmerung wirkt der Tower 185 im Westend wie ein Objekt von einem anderen Stern. Fotos: Christes In der Abenddämmerung wirkt der Tower 185 im Westend wie ein Objekt von einem anderen Stern. Fotos: Christes
Frankfurt. 

Um 8.30 Uhr morgens springt Alexander Hartberg unter die Dusche. Zehn Minuten reichen ihm in der Regel. Er nimmt sein Handtuch und geht in den Nebenraum zu den Spints, holt seinen Anzug heraus, zieht ihn an und bindet sich den Schlips. Dann greift er sich sein Faltrad und geht zu den Aufzügen. Er arbeitet in der Marketingabteilung von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Sockelgebäude. Im Aufzug hält er seine Chipkarte vor das Lesegerät und fährt mit den Kollegen in den vierten Stock.

Eine Besonderheit des Turms sind die zehn computergesteuerten Aufzüge mit Chipkartennutzung. Rund 5000 Menschen befinden sich in dem Gebäude und bringen dementsprechend auch Bewegung in den Tower. Um Engpässe und nervende Wartezeiten an den Aufzügen zu vermeiden, besteht ein Chipkartensystem. Dazu wurden die 50 Stockwerke des 200 Meter hohen Gebäudes in eine mittlere Gruppe und eine Hochhausgruppe unterteilt. Vier Aufzüge bedienen sämtliche Etagen bis zum 26. Stockwerk, die restlichen sechs Aufzüge halten erst im 26. Stockwerk und fahren die restlichen Etagen nach oben an. Im Grunde ist es vergleichbar mit einem Regionalzug und einem ICE: Der Regionalzug bedient alle unteren Etagen. Wer bis ins 40. Stockwerk fährt, will sich natürlich nicht so lange in jedem einzelnen unteren Stockwerk aufhalten und nimmt einen schnelleren Aufzug. Die Aufzüge werden über einen Computer gesteuert und beschleunigen auf 7 Meter pro Sekunde.

Faltrad kommt mit ins Büro

Noch eine kurze Identifikation mit seiner Chipkarte am Zugang zu seiner Abteilung im vierten Stock, und dann ist er schon in seinem Büro. Sein Faltrad ist gerade mal so groß wie eineinhalb Aktenkoffer und findet bequem Platz neben seinem Schreibtisch. Unten im Tiefgeschoss gibt es auch überdachte Fahrradstellplätze. "Hier oben ist es als Faltrad sicherer" meint er. Es hat ihn immerhin schon von Zuhause in Heidelberg bis zum Bahnhof gebracht. Dort fährt es mit im ICE und trägt ihn vom Frankfurter Bahnhof ins nahegelegene Europaviertel. "Manchmal jogge ich morgens auch eine Stunde am Main, das ist nah und praktisch", meint der 37-Jährige.

Natursteinfassade

Der spezielle Grundriss des Gebäudes mit der repräsentativen Zufahrt empfängt nicht nur die Besucher des Towers 185, sondern präsentiert sich auch als Zugang zum Europaviertel. Die braun-beige Farbe des Jura-Travertins aus Treuchtlingen findet sich sowohl auf dem Platz des Sockelgebäudes als auch immer wieder im Inneren des Turms. Durch die Natursteinoptik fügt sich das Hochhaus wie selbstverständlich in die Umgebung des Stadtviertels ein. Beim Frankfurter Wolkenkratzer Tower 185 begann der Nachweis der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit bereits vor der Planungsphase und umfasst den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Das war einer von vielen Punkten wofür der Tower 185 die international anerkannte LEED-Zertifizierung – Leadership in Energy and Environmental Design, eine sehr begehrte Auszeichnung – sogar in Gold erhielt.

"Die Dauerhaftigkeit der Steinfassade ist ein wichtiges Kriterium bei der Nachhaltigkeit von Gebäuden", erklärt Professor Christoph Mäckler, Architekt des Wolkenkratzers. Steinfassaden können, richtig konstruiert, ohne Probleme zwei bis drei Generationen überdauern. "Glasfassaden haben sich technisch meist nach 30 Jahren überlebt und werden erneuert", so Mäckler.

Lochfassade wichtig

Für die Energieeinsparung eines Bauwerks ist es wichtig, dass sich unter der Fassadenverkleidung, sei sie aus Stein, Aluminium oder Glas, eine Beton-Lochfassade befindet. Das bedeutet, die Unterkonstruktion der Außenfassade besteht aus Beton, in dem Löcher für die Fenster ausgespart sind. Mit dieser Konstruktionsart dringt sehr viel weniger Energie in das Haus ein, so dass der Energieaufwand für die Klimatisierung auch ohne Technik erheblich reduziert werden kann.

"Bei Bürogebäuden ist weniger das Heizen eine technische Herausforderung, sondern tatsächlich das Kühlen", meint Markus Diekow, Sprecher von CA Immo Deutschland. Trotz des hohen Lichteinfalls ist die Fassade zu 50 Prozent geschlossen. Die Architekten richteten den Bereich des Gebäudes mit der Glasfassade nach Norden aus, um den üblicherweise hohen Wärmeeinfall durch die Sonne an der Glasfassade zu reduzieren.

Fenster kann man öffnen

Zudem ermöglicht eine Heizkühldecke ein angenehmes Raumklima. Die Heizkühldecke funktioniert im Prinzip wie eine Fußbodenheizung. In der Decke sind wasserführende Leitungen verlegt, durch die im Winter warmes und im Sommer kühles Wasser fließt. Dieses Wasser fließt durch die Kühlaggregate in einen Kreislauf zurück. Dort findet der Wärmeaustausch statt und das Wasser wird wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Der Vorteil einer Heizkühldecke liegt in der verbesserten Luftzirkulation im Raum. Jedes Gebäude wird mit einem sogenannten Luftaustausch versehen.

Bei herkömmlichen Gebäuden findet sechs- bis achtmal pro Stunde der Luftaustausch statt – echte Energieschleudern! Heute reichen ein- bis zweifache Luftwechsel aus, was natürlich die Energiebilanz deutlich verbessert. Eine eigens für den Tower entwickelte Technologie am Fenster saugt die Warmluft dort ab, wo sie entsteht: Zwischen der Scheibe und dem Sonnenschutz am Fenster. Die Warmluftabsaugung lässt die verbrauchte Luft gar nicht erst in das Gebäude, sondern führt sie direkt wieder hinaus.

"Ich kann sogar das Fenster öffnen und habe das Gefühl, am urbanen Leben teilnehmen zu können und nicht vollkommen losgelöst davon zu sein", meint Alexander Hartberg von PwC. Es sei besser, als er vor dem Umzug ins Europaviertel erwartet habe. "Ich bin Hausstauballergiker und bin überrascht, wie natürlich und angenehm das Raumklima und das Klima im Gebäude ist", lächelt er zufrieden. Sein Büro ist durch schalldichte Glaswände von dem Großraumbüro nebenan getrennt, und er kann sein Raumklima entsprechend seinen Bedürfnissen täglich anpassen.

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