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Das Fenster zum Keller

Die Baustelle der neuen Feuerwache 21 ist um eine neue Sensation reicher: Nahe der römischen Töpferöfen wurde ein monolithisches Kellerfenster aus dem 3. Jahrhundert gefunden. Die Stadt will diesen einmaligen Fund im Neubau sichtbar machen. Doch der Zeitplan verschiebt sich, und die neue Wache soll trotzdem noch im kommenden Jahr bezogen werden.
Packen Geschichte an: Markus Frank, Olaf Cunitz, Andrea Hampel und Reinhard Ries am antiken Fenster. 	Foto: Christian Christes Packen Geschichte an: Markus Frank, Olaf Cunitz, Andrea Hampel und Reinhard Ries am antiken Fenster. Foto: Christian Christes
Nordweststadt. 

Schon zu Römerzeiten verlief im Nordwesten Frankfurts eine wichtige Straße bis an die Nordgrenze des antiken Nida. Heute ist das historische Areal beim nördlichen Stadttor durchgängig von modernen Umgehungsstraßen wie der Rosa-Luxemburg-Straße und dem Erich-Ollenhauer-Ring umgeben. Und auch der Blick in die neue archäologische Fundstätte offenbart frühere Sünden: Nur wenige Meter rechts des antiken Kellerfensters bahnen sich alte Telefonleitungen zwischen den Mauern schonungslos ihren Weg.

„Beim Bau und der Erschließung der Nordweststadt in den 60er Jahren ist die Stadt nicht gerade sehr rücksichtsvoll vorgegangen“, gab Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) zu, als er sich zusammen mit Feuerwehr- und Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) den neuen „Schatzfund“ von der Leiterin des Denkmalamts Andrea Hampel erklären ließ: Ein 1,25 Meter langes und 78 Zentimeter breites Kellerfenster, das aus einem einzigen monolithischen Basaltblock geschlagen wurde und mit seiner Öffnung für Licht und die Durchlüftung des Kellers sorgte.

Der Keller selbst hatte etwa eine Grundfläche von 16 Quadratmetern, doch alleine die Größe und die Ausarbeitung des Fensters seien einmalig, so Hampel: „Ein vom Typ vergleichbares, jedoch wesentlich kleineres Fenster hatten wir zuletzt 1928 gefunden.“ Besonders bemerkenswert sei die Form der Öffnung, die an eine Konkavlinse oder Sanduhr erinnere und in ihrer Funktion noch wenig erforscht sei. „Alleine die Ausmaße des Kellers und die Art der Bearbeitung des Fensters lassen aber darauf schließen, dass hier ein repräsentativer Bau stand, für den das Fenster auch eine dekorative Wirkung hatte“, erklärt Hampel.

Nicht der erste Fund

Bereits vor drei Monaten hatte die Entdeckung eines antiken Tores für einiges Aufsehen gesorgt. Das Tor ähnelt in seiner Form und seinen Abmessungen einem rekonstruierten Tor von Xanten und hatte somit viereckige Türme und eine Mauerstärke von zwei Metern. Hampel zieht durchaus auch einen Vergleich zur „Porta Nigra“ in Trier. „Bis vor kurzem hatte die Bodendenkmalpflege nur sehr begrenzte Erkenntnisse über die tatsächliche Ausdehnung und Bebauungsdichte der römischen Stadt Nida“, stellt sie fest.

Überraschend zeige sich nun eine dichte Bebauung vor dem Nordtor, die zudem hervorragend erhalten ist. Nach derzeitigem Stand der Forschung bestand die römische Stadt Nida als Verwaltungssitz der „Civitas Taunensium“ zwischen Taunus und Main etwa von 110 bis 260 n. Chr. als Fortsetzung mehrerer Kastelle zur Besetzung und Erschließung der Wetterau. Bereits in den 1920er Jahren wurde der Südteil durch die Römerstadt überbaut. Das Gleiche geschah ab 1961 beim Bau der Nordweststadt für Hochhäuser, Tiefgaragen, U-Bahntrassen und Schnellstraße. Hierdurch erlitten die archäologischen Fundstellen gravierende Verluste.

„Daher wollen wir jetzt die Chance nutzen, wissenschaftliche Denkmäler angemessen zu dokumentieren, wissenschaftlich zu untersuchen und im Idealfall für die Nachwelt zu erhalten“, verspricht Cunitz. Etwa zwei bis drei Monate lang sollen die Grabungen noch dauern. Dadurch verzögert sich jedoch auf dem 4167 Quadratmeter umfassenden Grundstück der Baubeginn für den dreistöckigen Neubau der Feuerwache, für den bislang 7,5 Millionen Euro veranschlagt wurden.

Mietvertrag läuft aus

„Wir können den Neubau auch noch bis zum Ende des Jahres fertigstellen“, erklärt Dezernent Frank. Der Zeitplan müsse im Auge behalten werden, die Branddirektion könne den Mietvertrag für die Feuerwache im Nordwestzentrum jedoch übergangsweise verlängern. Das Kellerfenster soll im Neubau auf jeden Fall sichtbar gemacht werden – aus Witterungsgründen eher im Treppenhaus des Eingangs als an der Außenwand, wie das Architekturbüro Kölling erklärt. got

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