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Stadtteil-Serie (Teil 7): Das Frankfurter Gutleutviertel, ein Stadtteil im Wandel

In unserer Stadtteil-Serie haben wir in dieser Woche das Gutleutviertel unter die Lupe genommen. Altes und Neues nebeneinander prägt den Stadtteil. Eine Foto-Reportage.
Foto: Michael Faust
Frankfurt. 

Das Viertel südlich und westlich des Hauptbahnhofs verdankt seinen ungewöhnlichen Namen dem Gutleuthof, der von Zeitgenossen den Namen „Hof zu den guten Leuten“ bekam. In der Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten Aussätzigen-Unterkunft wurden Menschen behandelt, die an der damals weit verbreiteten Infektionskrankheit Lepra erkrankt waren.

Nach einer langen und bewegten Geschichte endete das Kapitel Gutleuthof in den 1970er Jahren: Die Kommission für Denkmalpflege stellte den Hof nicht unter Schutz und die Stadt als neue Eigentümerin des Grundstücks errichtete ein Berufsschulzentrum auf dem Gelände.

Heute erinnert westlich der Main-Neckar-Brücke nur noch wenig an die zeitgenössische Schilderung von Goethe: „Auf den Gemeindeweiden umher versammelte man zu einem gewissen Tage des Jahres die Rindviehherden aus der Nachbarschaft, und die Hirten samt ihren Mädchen feierten ein ländliches Fest, mit Tanz und Gesang, mit mancherlei Lust und Ungezogenheit.“ Die Schwerindustrie ist in diesem Teil des Viertels beheimatet und kann sich auch in Zeiten des Strukturwandels noch immer behaupten.

Im Gegensatz dazu steht der Westhafen für das moderne Frankfurt: Schick, viel Glas, aber für einen Großteil der Bevölkerung unerschwinglich. Selbst vor dem nordwestlich gelegenen Areal zwischen dem Bahnhofsvorfeld und der Gutleutstraße macht diese Entwicklung nicht halt. Zwar ist die Bausubstanz nicht ansatzweise so hochwertig wie die im Westhafen, Entmietungstendenzen sind trotzdem bereits zu beobachten.
Viele Häuser werden renoviert und optisch ansprechender gestaltet. Die erhöhte Attraktivität hat ihren Preis: In den modernisierten Wohnungen steigen die Mieten teils deutlich und sind von vielen Alteingesessenen nicht mehr zu stemmen.
Unser Reporter Michael Faust hat den Stadtteil mit seiner Kamera erkundet.

Freie Bahn für Busse

Viele Jahrzehnte wurde das Gelände südlich des Hauptbahnhofs als Parkplatz genutzt. Um den von Fernbussen ausgelösten Verkehrskollaps rund um Stuttgarter und Pforzheimer Straße in den Griff zu bekommen, soll ein moderner Busbahnhof für Entlastung und mehr Reisekomfort sorgen.

Rund 200 Busse fahren derzeit täglich von Frankfurt ab. In einen von ihnen Richtung Heilbronn steigen Marcus und Livia. Selbst der chaotisch wirkenden Situation rund um die Baustelle können die beiden noch etwas positives abgewinnen: „Vorher war es noch schlimmer und unübersichtlicher.“

Kohle fürs Kraftwerk

Neben Wohngebäuden und Gewerbebetrieben ist sogar noch für die Binnenschifffahrt ein kleines Anlegeplätzchen. Wie eine Enklave wirkt das kleine, praktisch nur aus einem Kran bestehende Hafengebiet.

Das Heizkraftwerk West verfeuert fein gemahlene Steinkohle, die mittels eines Rüssels auf ein angeschlossenes Förderband verfrachtet wird. Das Besondere: Die Bänder laufen mitten durch das Parkhaus des Bürokomplexes zum Kraftwerk.

Süße Köstlichkeiten

Seit 2010 gibt es die Patisserie de l’Arabie. Der Familienbetrieb um den aus Syrien stammenden Ousama Qaterjy und seine drei Söhne Hamsa, Hassan und Abbas stellt unter anderem Baklava her, das im Gegensatz zur türkischen Variante nicht zu süß ist.

„Die Lage hier ist nicht optimal, aber wir haben eine bezahlbare Gewerbefläche mit Backstube für unsere Süßspeisen gesucht – und sind in der Hardenbergstraße 15 fündig geworden“, erzählt der Verkaufsleiter Abbas Qaterjy. Das Geschäft floriert und so eröffnen demnächst Dependancen in Kelsterbach und in der Innenstadt.

Wohnen im Westhafen

Im Westhafen wird der Strukturwandel des Viertels besonders deutlich. Neben den zwölf frei stehenden Wohnhäusern auf der Mole sind hier auch einige Bürogebäude.

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Mit 109 Metern Höhe entwickelte sich der Westhafen Tower schnell zum Wahrzeichen des Quartiers. Wegen seiner rautenförmigen Fassade ist er in Frankfurt auch unter seinem Spitznamen „Geripptes“ bekannt. 

Landwirtschaftliche Namen in der Siedlung

Vom großstädtischen Flair Frankfurts ist in der Wurzelsiedlung nichts zu spüren.

Isoliert, mitten im Industriegebiet zählt das Quartier mit seinen 116 Wohnungen, einem Fitnesscenter und einer Kneipe gerade einmal sechs kurze Straßen, deren Namen auf Landwirtschaft Bezug nehmen: Wurzel-, Halm-, Ähren-, Garbenstraße und Hirtenstraße gehen in die Erntestraße über.

Hier ist noch Platz für die Industrie

Schwerindustrie findet man nach wie im Gutleut. Asphalt- und Betonmischwerke sowie Stahl- und Schrotthändler profitieren von der günstigen Verkehrsanbindung an die A5.

Außerdem sind die nächstgelegenen Wohnviertel nicht in unmittelbarer Nähe, so dass sich Lärm und Geruchsbelästigungen für Anwohner in Grenzen halten.

Spielen am Schönplatz

Grünflächen sind im Gutleut rar. Selbst der zentral gelegene Spielplatz an der Schönstraße besticht eher durch Braun- und Ockertöne als durch saftiges Grün.

Die Spielgeräte sind in gutem Zustand und werden von Kindern dankend angenommen. Der Platz ist zudem Treffpunkt für Kunden des benachbarten Wasserhäuschens.

Dieser Park ist ein unentdecktes Paradies

Der Sommerhoffpark ist zu Unrecht unbekannt. Der knapp 2,5 Hektar große einstige Englische Landschaftsgarten existiert seit dem 19. Jahrhundert. Nur über einen Zugang in der Gutleutstraße ist er zu erreichen.

Bäume, Freiflächen, ein Spielplatz und ein toller Blick auf den Main entschädigen für die schlechte Anbindung.

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