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Kunstaktion vor der Katharinenkirche: Das Geld liegt auf der Straße

Von Vor der Katharinenkirche liegt das Geld auf der Straße, in der Kirche baumelt es von Mobiles. Ein ungewohnter Anblick, mit dem der Künstler Ralf Kopp „Vertrauen“ stiftet und Spenden für die Obdachlosenarbeit der Katharinenkirche sammelt.
Ralf Kopp hat mit 54 000 Cent-Münzen das Wort „Vertrauen“ gelegt. Ob die Botschaft ankommt?	Foto: Salome Roessler Ralf Kopp hat mit 54 000 Cent-Münzen das Wort „Vertrauen“ gelegt. Ob die Botschaft ankommt? Foto: Salome Roessler
Innenstadt. 

Das Bild, das sich aus 50 Metern Höhe bildet, mutet lange Zeit rätselhaft an: Nur eine mit Planen abgedeckte Palette ist zu erkennen, unter der die Füße eines Mannes herausschauen. Dem müsste es angesichts der Temperaturen und der vielen Geldstücke ganz schön heiß werden. Dann kurz vor Mittag endlich die Enthüllung: Kupferrot glänzt das Wort „Vertrauen“ vor der Nordseite der Kirche, die ersten Passanten schlendern daran vorbei. Wie werden sie reagieren?

Die Kamera auf dem Kirchturm zeichnet die Vorgänge von oben auf – auch den Aktionskünstler Ralf Kopp, der nach stundenlanger Feinarbeit mit 54 000 Centstücken etwas durchgeschwitzt zum Vorschein kommt. Immer wieder sieht man Köpfe, die kurz und scheinbar zögernd vor dem Kunstwerk verweilen, um dann ratlos weiterzuziehen. „Keine Angst, da ist kein Gesicht zu erkennen“, beruhigt Stadtkirchenpfarrer Werner-Schneider-Quindeau bei der Eröffnung zum gemeinsamen Mittagessen „Lunch and Lecture“ des mehrteiligen Programms „Macht-Menschen-Märkte“ der Evangelischen Stadtakademie, das sich bereits mit Macht, Finanzmärkten und dem Geschlecht beschäftigte.

 

Geld abgeschrieben

 

Passend dazu heißt Ralf Kopps Kunstwerk „Gier frisst: Vertrauen“. „Das Geld habe ich schon abgeschrieben“, erklärt Kopp augenzwinkernd, „aber ich habe auch einen anderen Bezug dazu.“ Er arbeitet im Hauptberuf als Druckgrafiker, sieht seine Kunst als Experiment, das Gebende und Nehmende ansprechen kann.

Alleine 540 Euro hat Kopp für sein Wort aus Ein-Cent-Münzen vor der Kirche investiert, hinzu kommt ein Mobile mit mehreren Zehn-Euro-Scheinen und einem 200-Euro-Schein im Innern. Im Hintergrund prangen auf Collagen die stilisierten Brücken der Geldscheine als Heimat der Obdachlosen. Oder sie zeigen, Zigarettenpackungen ähnlich, Mahnungen und Warnungen, dass der Gebrauch von Geld der Umgebung schaden oder Wunder bewirken kann.

„In der Antike trugen die Münzen Herrscherporträts und stellten den Herrschaftsanspruch dar“, erklärt Ursula Schoen, bisherige Dekanin Mitte-Ost. Auch heute ist das meist versteckte Geld ein Sinnbild der Macht, Gier und Versuchung, doch der Künstler setzt das Vertrauen dagegen. Hofft er auf das Gute im Menschen? „Es haben auch schon Leute was dazugelegt“, berichtet Kopp von Experimenten mit dem Wort „Faith“ in zwei Galerien. Doch das war im geschützten Raum, in Frankfurt liegt das Geld offen, wird zur Vernissage nur von ein paar Marktständen abgeschirmt.

 

Respekt vor der Kunst

 

Dann bestätigt sich das Vertrauen: „Meine Frau und ich haben fünf Centmünzen auf das E und vier Centmünzen auf das V gelegt“, erklärt Dietmar Warnecke. „Diese Aktion muss man unterstützen. Ich glaube, die Leute werden Respekt vor dem Kunstwerk vor der Kirche zeigen und es liegen lassen.“ Schnell verbreitet sich die Nachricht nach drinnen, Pfarrer Schneider-Quindeau lässt abstimmen, wie viele Gäste diesen Glauben teilen. Doch einige bleiben pessimistisch: „In der Dunkelheit, wenn sich die Leute unbeobachtet fühlen, könnten einige doch zugreifen“, meint Axel Kaufmann, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 2.

Auch im „Gebet für Frankfurt“, zu dem Schneider-Quindeau jeden dritten Freitag um 18 Uhr in die Katharinenkirche einlädt, geht es heute Abend um „Glaube und Geld“. Zudem verkauft Ralf Kopp bedruckte echte Fünf-Euro-Scheine zum Preis von 50 Euro zugunsten der Obdachlosenarbeit, zu der der Brunch am Sonntag, 20. Juli, ab 11.15 Uhr und die Winterspeisung gehören (Kontakt über das Gemeindebüro, Telefon 7 70 67 77 0).

Kopp betont, die Scheine würden nachts nicht überwacht. Zur Finissage am 31. Juli um 18 Uhr wird er möglicherweise Teile der Videodokumentation zeigen. Ob er fehlende Stellen seines Kunstwerks ergänzen will, weiß er noch nicht. Doch man rät ihm durchaus zu, da das „Vertrauen“ geebnet, gestärkt und ab und an auch geradegerückt werden müsse.

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