Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 25°C

Das Leiden einer Göttin

Das Antagon-Theater in Fechenheim präsentiert in seinem Bodylab aktuelle, künstlerische Höhepunkte, die ihren Ursprung in der Abgeschiedenheit Andalusiens haben. Das Aktionstheater reagiert damit auch auf die steigende gesellschaftliche Isolation.
Anna Orkolainen hat sich in eine mystische Göttin verwandelt. Foto: Stefan Chytrek Foto: Stefan Chytrek Anna Orkolainen hat sich in eine mystische Göttin verwandelt. Foto: Stefan Chytrek
Fechenheim. 

Sie schreit, sie kreischt und tanzt eine Mischung aus Zuckungen und ästhetischen Gebärden des Wehklagens, dann artet ihre Tortur in animalische Laute aus. Oxum, die Göttin des Wassers und Repräsentantin von Schönheit und Wohlstand, trocknet aus, zerzaust und stirbt. Der Fluss, den sie vorgefunden hat, ist versiegt. Oxum geht daran zugrunde.

 

Das Leid der Göttin

 

Die finnische Tänzerin und Choreografin Anna Orkolainen hat das Leid der Göttin in eine mystische Tanz-Performance gepackt, die an Darbietungen anderer skandinavischer Künstler wie Björk und Fever Ray erinnert. „Letztere ist eines meiner großen Vorbilder“, erzählt Orkolainen.

Ihre Performance „Die Verzweiflung von Oxum“ ist der Höhepunkt einer einjährigen Entwicklung. In einem abgelegenen Teil Andalusiens hat sich Orkolainen dazu inspirieren lassen. Im Antagon-Theater in Fechenheim führt sie den Tanz nun erstmals vor einem größeren Publikum auf.

Die Herausforderung liegt für Orkolainen in der Improvisation. „Jeder Auftritt ist ein wenig anders, die Musik, die Abfolge der Bewegungen. Die Kunst liegt darin, mich jedes Mal mental in diesen Zustand der Verzweiflung zu versetzen“, erklärt sie.

Anna Orkolainen ist eines von 26 festen Mitgliedern des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Aktions-Theaters. Dieses lässt sein drittes „Antagon Bodylab“ in seinen Räumen in der Orber Straße steigen. Besucher sollen dabei einen Einblick in die Arbeit des Theaters erhalten. Auch bekommen sie die Möglichkeit, Kommentare und Beobachtungen einzubringen und sich so am Fortschritt der Bodylab-Projekte zu beteiligen.

Alle der heutigen Darbietungen bei Antagon – unter anderem Video-Performances, Flamenco-Improvisationen – haben ihren Ursprung in der Abgelegenheit Andalusiens. Zum Anfang jeden Jahres treffen sich die Tänzer, Choreografen und Musiker des Aktionstheater in Spanien. „Die dabei entstandenen Ideen sollen nicht vergessen und durch das Bodylab wieder aufleben und weiter entwickelt werden“, erklärt Bernhard Bub, der künstlerische Direktor.

Für Bub ist das Bodylab auch eine Rückbesinnung auf die Theaterbewegung der 60er Jahre. Künstler zeigten sich damals vermehrt im öffentlichen Raum, bauten Barrieren zwischen ihnen und dem Publikum ab. „Man wehrte sich gegen die Institutionalisierung des Theaters, in der Schauspieler und Publikum isoliert waren“, so Bub.

 

Publikum will mitwirken

 

„Wir brechen seit unseren Anfängen bewusst mit der Institutionalisierung, weil wir wissen, dass das Publikum nicht passiv sitzen möchte, sondern mitwirken“, so Bub.

Anna Orkolainen hat den Schritt zu Antagon vor vier Jahren gewagt. Sie führte selbst einstudierte Tänze auf der Straße auf, studierte Tanz an der Northern School for Contemporary Dance, bevor sie über einen russischen Clown Bernhard Bubs Sohn Joscha kennenlernte, der ebenfalls Teil von Antagon ist.

25 Jahre alt wird Antagon im kommenden Jahr. Das Theater trat in dieser Zeit in ganz Europa, in Asien, Lateinamerika und Afrika zurück. Bernard Bub veranstaltet jeden Sommer zudem das Sommerwerft-Festival am Mainufer, bei dem Künstler aus dem In- und Ausland zwei Wochen lang auf einer Freilichtbühne auftreten. Mehr Informationen über das Antagon-Theater finden sich auch im Internet unter www.antagon.de.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse