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Reiten in Frankfurt: Das Reiterdorf im Niddatal

In Frankfurts kleinstem Stadtteil mit 3800 Einwohnern leben etwa 50 Pferde. Wegen Umbauarbeiten der Bahn muss der Stadtteil vielleicht schon bald seinen Status als „Frankfurts Reiterdorf“ einbüßen.
Romy Ewald kann ihr Shetland-Pony Olaf noch nicht reiten. Früher wurde er vor Kutschen gespannt, jetzt muss er sich erst noch an den Sattel gewöhnen. Bilder > Foto: Salome Roessler Romy Ewald kann ihr Shetland-Pony Olaf noch nicht reiten. Früher wurde er vor Kutschen gespannt, jetzt muss er sich erst noch an den Sattel gewöhnen.
Berkersheim. 

Schon früh am Morgen tönt das gemächliche Klappern der Pferdehufe auf dem Asphalt durch die Straßen Berkersheims. Gertrude Lemp wird später noch Reitunterricht geben, deswegen dürfen die Tiere vor der Arbeit entspannt auf der Koppel grasen. Der Weg auf die Weide führt quer durch den Ort, an Autos vorbei, eine flache Treppe hinauf. „Das ist für die Pferde kein Problem“, erklärt Lemp. An der Weide angekommen, begrüßt sie Lisa Kleber. Schnell sprechen die Frauen ab, welches Pferd zurück in den Stall soll und welches weiter grasen darf. Blomquist und Cavalliero hatten für heute genug Auslauf. Geduldig lassen sie sich die Halfter anlegen und zurück in ihre Boxen führen.

Reiten kann man an vielen Stellen in Frankfurt, etwa auf Reiterhöfen auf dem Riedberg, in Oberrad, Bergen-Enkheim oder Sindlingen. Doch nirgendwo ist die Reiterei so mit dem Stadtteil verwoben wie in Berkersheim. In der Obergasse, auf Höhe der Gaststätte „Zum Lemp“, riecht es nach Pferden, in der Gasse Am Honigberg liegen Pferdeäpfel. Von hier geht es den steilen Hang hinunter, zur alten Reithalle an der Nidda. Oder aber hinauf, an der früheren Straßenbahnendhaltestelle vorbei auf die Weiden oberhalb von Berkersheim.

Viele Pensionstiere

Die meisten der 50 Pferde im Stadtteil sind Pensionspferde: Die Besitzer der Tiere haben hier eine Box gemietet. Willi Lemp hingegen wuchs in Berkersheim auf, seine Eltern waren Landwirte. In den 1960er Jahren gab es nur wenige Pensionspferde im Ort, erzählt er. Er und seine Freunde ritten beim Reit- und Fahrverein Niddatal, der in Bad Vilbel-Gronau und Umgebung in verschiedenen Hallen seine Turniere ausrichtete, ohne festen Stammsitz.

Reiten in Frankfurt

Mehr als ein Dutzend Reitangebote gibt es in Frankfurt. Etwa auf dem Charlottenhof an der Landesstraße L 3209 von Bergen nach Maintal.

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Die Zahl der Reiter, die in Berkersheim ihre Pferde unterstellten, stieg langsam an. Und die Einheimischen wollten im Winter nicht mehr ihre Pferde auf Anhänger laden, um sie bewegen zu können. Lemp und seine Freunde legten zusammen, um eine eigene Reithalle zu bauen. „Die Zahl von 40 Pferden, ab der sich der Hallenbau lohnte, war fast erreicht“, sagt Lemp. Bald zog auch der Reit- und Fahrverein nach Berkersheim. Er nutzt seitdem die Halle mit und veranstaltet seit Mitte der 1970er-Jahre hier seine Turniere, etwa den Tag der offenen Tür am 1. Mai.

Ihre ersten Pferdeboxen bauten Gertrude und Willi Lemp 1970. Tägliche Arbeiten wie Ställe ausmisten und Pferde füttern sind anstrengend und zeitraubend – trotzdem hat die Familie keine Angestellten. „Wir haben Platz für 16 Pferde. Das ist nicht zu viel Arbeit, wenn alle mit anpacken.“ Betritt ein Neuankömmling die Stallgasse, strecken die Pferde neugierig ihre Köpfe aus den Boxen. Vier der Tiere gehören der Familie Lemp, darunter zwei Haflinger. „Sie eignen sich bestens als Schulpferde. Wer mit einem Haflinger zurechtkommt, kann auch ein großes Pferd reiten“, erklärt Willi Lemp. Den einen, Max, zog die Familie selbst groß, sagt seine Frau stolz. Reitunterricht gibt sie Kindern ab zehn Jahren. „Denn ein 500-Kilo-Pferd birgt immer auch Risiken“, erklärt ihr Mann.

Bedrohtes Idyll

Ortslandwirt Volker Illig, in dessen Ställen zehn Pferde stehen, schätzt an Berkersheim am meisten den dörflichen Charakter. Durch die kleinen Höfe im Ort „ist es hier sehr idyllisch“. Doch die Idylle ist bedroht: Die Bahn erweitert ihre durch Berkersheim führende Strecke von zwei auf vier Gleise, die Reithalle muss weichen. Zwar gibt es eine zweite, jene der Familie Engelhard – doch der Reit- und Fahrverein wäre „heimatlos“. Zwar soll unweit der alten eine neue Reithalle entstehen, die Genehmigung der Stadt steht aber immer noch aus. Und ohne Hallo, sagt Illig, brächten die meisten Pferdebesitzer ihre Tieren anderswo unter.

Für Familie Ewald wäre das ein Problem. Vor einem Jahr kaufte Bettina Ewald mit ihrem beiden Töchtern Romy und Maja zwei Shetland-Ponys, Olaf und Sven. Die beiden Tiere zogen früher Kutschen, werden zurzeit zu Reitpferden umgeschult. Noch gewöhnen sie sich erst daran, Menschen auf ihrem Rücken zu tragen. Bis sie das verlässlich können, ist die Familie auf den Schutz der Halle angewiesen, sagt Ewald. „Draußen wäre es für die Kinder zu gefährlich.“

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