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Freie Theaterszene: Das Theater auf die Straße bringen

Das Theater ist für viele Menschen eine fremde Welt. Aus Sicht des Tanz- und Theaterwissenschaftlers Frank Händeler liegt die Zukunft der Bühnenkunst daher im öffentlichen Raum. Der Haus-Choreograf des Antagon-Theaters spürt in seiner Dissertation der Nähe der freien Theaterszene zu den Menschen nach.
Frank Händeler ist Haus-Choreograf des Antagon-Theaters.	Foto: bki Frank Händeler ist Haus-Choreograf des Antagon-Theaters. Foto: bki
Fechenheim. 

Die Bilder erinnern an die späten 1960er Jahre: Menschen, die ihre Körper bemalt haben und sich teils gar nicht kennen, sitzen auf einer Wiese beisammen, malen sich weiter an und tanzen, als gäbe es kein Morgen. Alles wirkt spontan, fast anarchisch und keiner hat dafür gezahlt. Die Initiatoren wollen es jedoch genau so.

Die Bilder stammen vom alljährlichen Sommerwerft Theaterfestival am Fluss. Dort ließen Besucher im vergangenen Sommer ihrer Kreativität und manchmal auch ihren Gefühlen freien Lauf. Frank Händeler zaubern die Eindrücke immer noch ein Lächeln aufs Gesicht.

Seit letztem Jahr ist der gebürtige Wuppertaler Haus-Choreograf des Antagon-Theaters, das die Sommerwerft veranstaltet. Schwestern und Brüder im Geiste hat Händeler dort getroffen und ist geblieben. Er ist so etwas wie die leibhaftige Suche nach dem Theater für jedermann.

Händeler steht dem institutionalisierten Theater kritisch gegenüber. Der Zugang zum Theater ist seiner Meinung nach noch immer in den Händen des Bürgertums. Hohe Kartenpreise und die Distanz zwischen dem Publikum und unberührbaren Schauspielern sind aus Sicht Händelers die Gründe dafür. Derzeit schreibt der Choreograf an seiner Dissertation, in der es um Theater im öffentlichen Raum geht. Darin sieht Händler die Zukunft des Theaters. Er plädiert für einen offeneren Zugang zur Bühnenkunst. Diese ist für ihn auch ein Mittel gegen die soziale Isolation.

 

Fallende Schranken

 

Eindrücke wie jene von der Sommerwerft zeigen, dass Antagon das Publikum selbst zum Teil der Choreografien werden und so Schranken fallen lässt. „An der Art, wie die Menschen darauf eingehen, erkennt man, dass das Publikum raus möchte aus der passiven Konsumkultur. Die Scheuklappen fallen.“

Früher einmal begnügte sich der Zuschauer mit dem Beobachten. „Doch die Zeiten sind vorbei, weil das Zuschauen alleine nicht reicht. Der Mensch lernt am besten durch das Miterleben“, sagt Händeler, „und ihn darin zu unterstützen, gehört mit zu unserer Arbeit.“

 

Fast 25 Jahre

 

Antagon verfolgt jenen Ansatz seit seinem Bestehen. 2015 wird die Theater-Gruppe 25 Jahre alt. Sie erreichte immer wieder Menschen, die das Theater zwar nicht suchten, sich darin aber wiederfanden.

Seit Anfang 2014 bietet das neu gegründete „Antagon Bodylab“ Interessierten die Möglichkeit, theatralischen Ideen mit professionellen Mitteln zu verwirklichen. Menschen, die über 50 Jahre alt sind, können bei Antagon eigene Ideen umsetzen. Das Straßen-Theater-Ensemble arbeitet auch mit Jugendlichen aus benachteiligten Schichten, etwa mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen.

Frank Händeler machte seinen ersten Bühnenschritte unter der Tanztheater-Legende Pina Bausch. Seine Arbeit und die von Gleichgesinnten sieht er jedoch gefährdet, wenn es an öffentlicher Wertschätzung weiter mangelt. „Ich gönnen große Theatern ihre Gelder. Doch die freie Theaterszene sollte mehr unterstützt werden.“

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