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Das allgegenwärtige Kreuz

Einst war das Kreuz Richtstätte, dann wurde es zum Symbol der Christenheit. Auf dem Glockenturm hat es zwischen den Hochhäusern auch für die Matthäuskirche eine besondere Bedeutung. Doch auch im Alltag ist das Kreuz allgegenwärtig, wie Ralf Kopps Ausstellung beweist.
Künstler Ralf Kopp zeigt in der Matthäuskirche das Kreuz in vielen Formen.	Foto: Weis Künstler Ralf Kopp zeigt in der Matthäuskirche das Kreuz in vielen Formen. Foto: Weis
Gallus. 

Meditativ sitzt Ralf Kopp vor den Bildern seines Andachtswegs, die kreuzförmige Linien in Pflastersteinen, Schienenplänen und sogar im menschlichen Gesäß nachzeichnen. Im Hintergrund ist vor der Leinwand des Altars der Rücken einer Sängerin zu erahnen, die passend zur Passionszeit vollmundig den Choral "Oh Haupt voll Blut und Wunden" anstimmt. In diesem Moment passiert es: Auf der Leinwand formt sich einer Lavalampe gleich eine farbliche senkrechte Gerade, der sich bald darauf der charakteristische Querbalken anschließt: Wieder ist ein Kreuz geboren.

"Eigentlich ein ganz einfacher Trick", erklärt Künstler Kopp das faszinierende Schauspiel, den Blickfang seiner Ausstellung "Das Kreuz mit dem Kreuz". "Ein Mikrofon verstärkt die entstehenden Schallwellen, die ein computergesteuertes Programm aufzeichnet, umwandelt und in den Farben des Lichtspektrums projiziert." Neben dem Andachtsweg mit 15 Kreuzmotiven und der Installation, die der Künstler "Ursprung 1" nennt, hat er in der Matthäuskirche zwei weitere Videoprojektionen mit gekreuzigten Schauspielern, eine Fotoserie mit blutroten Handzeichen sowie zwei Reihen von Kuschelkreuzen aus Stoff an den Seitenwänden aufgebaut. Die Kreuze kosten 95 Euro, ein Drittel des Erlöses geht an das Deutsche Kinderhilfswerk.

"Hier in unserer Kirche, die mit dem goldenen Kreuz ein Symbol zwischen den Hochhäusern geworden ist, passt die Ausstellung besonders gut", erklärt Pfarrer Lars Kessner. "Das Kreuz war ursprünglich ein Folterwerkzeug, mit dem man Menschen getötet hat", sagt Kopp. "Nun steht es für das Opfer Jesu, die Kirche und ist somit ein positives Symbol."

Um den Umgang mit dem biblischen Geschehen und dem christlich-jüdischen Dialog dreht sich auch der Workshop "Das Kreuz mit dem Opfer" am morgigen Sonntag ab 17 Uhr im evangelischen Frauenbegegnungszentrum, Saalgasse, und der anschließenden Podiumsdiskussion ab 19 Uhr mit der evangelischen, feministischen Theologin Ina Prätorius und Björn Beck von der jüdischen Gemeinde. Am Karfreitag, den 6. April predigt Pröpstin Gabriele Scherle, am Sonntag, 15. April, Wolfgang Nethöfel ab 10 Uhr zum Thema "Das Kreuz mit dem Geld."

Die Idee, sich mit Kreuzen auseinanderzusetzen, kam Kopp schon in der Kindheit. "In meiner Kirche südlich von Darmstadt hing ein Kruzifix mit Schmerzensmann, das mir immer das Gefühl vermittelte, als trage ich Schuld am Tod Jesu." Zwei Jahre lang fand der Künstler die Kreuzmotive an den unscheinbarsten Stellen, in den Umrissen von Telefonzellen ebenso wie in den Mustern von Kacheln und Maschendrahtzäunen. Was zugleich eine neue Sichtweise eröffnet: Das Kreuz ist auch sehr alltäglich und in seiner Form zweckdienlich. got

Die Ausstellung "Das Kreuz mit dem Kreuz" ist bis zum 20. April täglich von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet (während der Luminale täglich von 18 bis 22 Uhr).

(Gernot Gottwals)
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