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Personaler packt aus: Das erwarte ich von einer guten Bewerbung

Von Jeder von uns muss es irgendwann mal tun: Sich um einen Job bewerben, aber worauf muss man achten? Was sollte man auf keinen Fall tun? Wir haben mit einem gesprochen, der es wissen muss: Marvin Lehr, Personalreferent der Fraport.
Jeder muss sich mal bewerben, aber was gehört alles in eine Bewerbung und was nicht? Jeder muss sich mal bewerben, aber was gehört alles in eine Bewerbung und was nicht?

Herr Lehr, was macht für Sie denn eine gute Bewerbung aus?
Marvin Lehr: Vollständigkeit. Das heißt Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Zertifikate zu allen relevanten sonstigen Qualifikationen sind vorhanden. Es gibt Grundanforderungen, die einfach stimmen müssen. Wenn man bereits da Fehler macht, ist das für den ersten Eindruck nicht gut.

Welche Fehler meinen Sie außer unvollständige Bewerbungsunterlagen? Rechtschreibfehler?
Lehr: Ja, zum Beispiel. Allerdings kommt es auch darauf an, auf welche Stelle man sich bewirbt. Möchte man in der Presseabteilung arbeiten, dann ist Rechtschreibung sehr wichtig. Doch wenn einer Maschinen reparieren will, ist es zwar gut, wenn er eine gute Rechtschreibung hat, aber es muss jetzt nicht auf 1000 Wörter fehlerfrei sein.

Foto, ja oder nein?
Lehr: Aufgrund des 2006 in Kraft getretenen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) darf man ein Bild gar nicht fordern, da wir jeden gleich behandeln müssen. Und daher spielt das bei der Bewerbung keine Rolle. Die Praxis zeigt aber, dass viele Leute freiwillig ein Bild mitschicken. Wahrscheinlich, weil viele der Bewerber wissen, dass das Bild, das sich der Personaler von der Person macht, mit einem Foto vervollständigt wird.

Worauf sollte man achten, wenn man freiwillig ein Foto mitschickt?
Lehr: Es ist wichtig, dass die Fotos professionell wirken. Bilder, die vom Fotografen sind, machen häufig einen professionelleren Eindruck als selbstgemachte Bilder. Wobei dies natürlich vom Können des Fotografen abhängt.

 

Fraport-Personalreferent Marvin Lehr Bild-Zoom Foto: Fraport
Fraport-Personalreferent Marvin Lehr


Zum Lebenslauf: Was gehört da nicht rein?
Lehr: Beispielsweise der Beruf der Eltern ist überhaupt nicht mehr relevant. Bei der jüngeren Generation schreibt das auch niemand mehr dazu. Es geht ja in erster Linie um den Kandidaten, der sich auf die Stelle bewirbt. Bei der Angabe von Hobbies ist es von Vorteil, wenn diese dem Bewerber ein Profil geben. Die typischen Angaben wie „Reisen, Lesen, Familie, Freunde, Kino, Sport“ hebt den einzelnen Bewerber wenig von der Masse ab, weil das fast jeder macht. Gut ist es, wenn man hier ein Hobby hat, das in Erinnerung bleibt.

Und Hobbys wie „Feiern gehen“ oder „Extremsport“?
Lehr: Das ist schwer zu generalisieren. Aber „Feiern gehen“ sollte man nicht unbedingt schreiben. Oder es zumindest anders formulieren, wie zum Beispiel „Treffen mit Familie und Freunden“. Was den Extremsport betrifft: eine solche Angabe kann von Vorteil sein, denn der Personaler erinnert sich dann womöglich gut an den Bewerber, der jedes Jahr in den Alpen ist. Eine negative Auslegung von Extremsport als Hobby, z.B. aufgrund erhöhter Unfallgefahr, wäre ohne weitere Anhaltspunkte unbegründet und daher an dieser Stelle nicht gerechtfertigt.
 

 

Kurz zusammengefasst:
- Bewerbungen bestehen aus: Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Zertifikate zu allen relevanten sonstigen Qualifikationen
- Foto ist kein Muss, aber ein Nice-to-have
- Es gibt kein Patentrezept für ein Anschreiben: Es muss zum Bewerber und zum Job passen. Es soll Sympathie und Glaubwürdigkeit vermitteln und dem Bewerber ein Profil geben, denn spätestens im Bewerbungsgespräch wird klar, ob der Bewerber der Mensch ist, für den er sich ausgibt.
- Initiativbewerbungen: Ja, definitiv, allerdings hat man höhere Chancen, wenn man sich direkt auf eine Stelle bewirbt.
- Nachfrage beim Unternehmen: Erst nach zwei Wochen nach Beendigung der Bewerbungsfrist.




Und was ist mit dem Anschreiben?
Lehr: Es sollte nicht zu lang sein. Ideal wäre eine Seite, wenn es etwas mehr ist, ist das auch okay. Aber zwei, drei, vier Seiten Anschreiben sind zu viel. Typischer Fehler ist, dass manche Bewerber hingehen und ihren Lebenslauf im Anschreiben wiederholen. Das ist aber nicht wirklich zielführend, denn den fügt man schließlich sowieso tabellarisch chronologisch sortiert bei.

Also keinen verschriftlichten Lebenslauf ins Anschreiben, aber was dann?
Lehr: Das Anschreiben sollte Lust machen, den Bewerber kennenzulernen. Man sollte im ersten Satz oder Absatz schon großes Interesse wecken, kurz und prägnant. So, dass der Personaler sich sagt: „Ich lese das Anschreiben gespannt bis zum Ende durch und schaue mir auch den Lebenslauf nochmal genauer an.“ Wie das der Bewerber schafft, dafür gibt es keine Faustregel. Aber auf jeden Fall sollte er auch deutlich machen, weshalb er für den Job brennt und für ihn qualifiziert ist. Am Besten anhand von Beispielen.

Wie euphorisch dürfen solche Anschreiben sein?
Lehr: Nicht zu euphorisch. Es kommt vor, dass im Anschreiben steht „Mit großem Interesse..“, oder, dass Bewerber Lobeshymnen über das Unternehmen schreiben. In gewissem Umfang ist das okay. Dann werten wir das auch nicht negativ. Aber manche Bewerber wiederholen das Unternehmensprofil von der Webseite. Das ist auch nicht zielführend.

Welches Geschlecht ist von sich überzeugter? Wer blufft eher?
Lehr: Das kann man pauschal nicht sagen. Allerdings ist grundsätzlich davon abzuraten, bei elementaren Anforderungen zu bluffen. Denn spätestens im Bewerbungsgespräch wird klar, ob der Bewerber die Kenntnisse hat, die er vorgibt.

Und was ist mit Sprachen und IT-Kenntnissen?
Lehr: Da sollte man immer ehrlich sein. Der Bewerber kann abgestuft angeben, ob er in einer Sprache „Verhandlungsfähigkeit“ oder nur „Grundkenntnisse“ hat. Auch bei den IT-Kenntnissen sollte nicht übertrieben werden. Was hilft, ist zu sagen, dass ein gewisses Wissen da ist und man gerne bereit ist, eine Fortbildung zu machen, um das Wissen noch zu vertiefen.

Initiativbewerbungen, gut oder schlecht?
Lehr: Initiativbewerbungen sind an sich eine gute Sache, da sie den Bewerber und das Unternehmen näher zueinander bringen. Das Problem ist allerdings, dass man hier im Anschreiben nicht explizit auf ein Jobangebot eingehen kann und es daher etwas allgemeiner ausfällt. Außerdem kann es passieren, dass die Initiativbewerbung nicht mit in die Auswahl für eine später offene Stelle genommen wird, weil das System sie nicht findet. Das ist vergleichbar mit einer Google-Suche, da bekommt man ja auch unterschiedlichste Ergebnisse, je nachdem, was man eingibt. Aber das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Und wenn die Initiativbewerbung schon drei, vier Monate beim Unternehmen liegt, weiß der Personaler auch nicht, ob der Bewerber vielleicht schon etwas anderes gefunden hat.

Also besser direkt auf eine Ausschreibung bewerben?
Lehr: In dem Moment, in dem man sich auf eine bestimmte Stelle bewirbt, hat die Bewerbung eine gewisse Aktualität. Das Interesse des Bewerbers ist aktuell, das Verfahren ist aktuell und er will genau diesen Job haben. Durch die direkte Bewerbung kann er auch sichergehen, dass er im passenden Auswahlverfahren drin ist.

Was gebe ich an, wenn ich direkt von der Schule komme?
Lehr: Die Schulabgänger können wir beruhigen, weil sie meist mit anderen in der gleichen Situation konkurrieren. Die Bewerber sollten dann soziales Engagement nennen und auch im Anschreiben kurz erzählen, was sie da gemacht haben. Bei Nebenjobs während der Schulzeit sollte man sie auch unbedingt bescheinigen lassen, am besten mit einem Arbeitszeugnis, und das beilegen. Denn wenn da drin steht, dass derjenige seit ein, zwei Jahren zuverlässig war und gute Arbeit geleistet hat, dann ist das schon mal ein Pluspunkt. Weil derjenige in der Zeit schon bewiesen hat, dass er motiviert ist, pünktlich zur Arbeit kommt, Arbeitsergebnisse liefert und so weiter.

Wie lange sollte man warten, bis man nachfragt, ob die Bewerbung eingetroffen ist?
Lehr: Man sollte mindestens bis zum Ende der Bewerbungsfrist warten. Viele Unternehmen sichten die Bewerbungen erst, wenn alle eingetroffen sind. Nach dem Ende der Frist sollte man dann noch zwei bis drei Wochen warten, bis man nochmal nachfragt. Und wenn man das tut, sollte man das am besten ins Positive kehren und nochmal Interesse bekunden.
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