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Fest-Premiere am 19. August: Das erwartet Sie beim ersten Frankfurter Wasserhäuschentag

Von Sie gehören zur Stadt wie die Wolkenkratzer und der Flughafen: Die Wasserhäuschen. Beim ersten Frankfurter Wasserhäuschentag am Wochenende sollen die Kultstuben gefeiert werden. Gleichzeitig wollen die Initiatoren auf deren Notlage hinweisen.
Hubert Gloss und Boris Borm (von links) initiieren den Ersten Frankfurter Wasserhäuschentag. Einen Tag lang wollen sie ihre Liebslingsbüdchen feiern. Foto: Holger Menzel Hubert Gloss und Boris Borm (von links) initiieren den Ersten Frankfurter Wasserhäuschentag. Einen Tag lang wollen sie ihre Liebslingsbüdchen feiern.
Seckbach. 

„Am Wasserhäuschen sind alle gleich“, sagt Boris Borm und nippt an seinem Kaffee. Der junge Mann mit langen Haaren sitzt im Frankfurter Stadtteil Seckbach hinter einer Bushaltestelle auf einer Bierzeltgarnitur. Auf den ersten Blick verbindet ihn wenig mit seinem Kumpanen auf der anderen Seite des abgenutzten Holztischs. Dort sitzt Hubert Gloss im Kapitänskostüm. So unterschiedlich die beiden auch zu sein scheinen, eines verbindet sie: Die Liebe zu den Frankfurter Wasserhäuschen.

Wer bei diesem Begriff an öffentliche Toiletten denkt, hat sich sofort als Eingeplackter enttarnt, denn waschechte Frankfurter kennen und schätzen sie: Die kleinen Büdchen, die an zahlreichen öffentlichen Plätzen das Stadtbild prägen – in Seckbach ist es das unscheinbare Büdchen mit dem modernen Namen „Snack FM“.

Treffpunkt für alle

Diese Mischung aus Trinkhalle und Kiosk gebe es so nur in Frankfurt, betonen Gloss und Borm einhellig. Das Konzept der Wasserhäuschen ist beeindruckend simpel: Hier gibt es Getränke, gerne Bier, Zigaretten, Süßigkeiten für die Kleinen, ein paar Zeitungen und vielleicht eine Bratwurst. Ihre Bedeutung für die Menschen in der Stadt ist jedoch ungleich komplexer. Es geht um Gemeinschaft, Geselligkeit und Kommunikation.

Auch auf dem Land kennt man sogenannte Trinkhallen – meist als Treffpunkt für gescheiterte Existenzen jeglicher Fasson. In der Stadt sieht das anders aus: „Hier trifft der Rechtsanwalt auf den Studenten“, betont Borm, „vom Kind bis zum Greis, hier wird jeder ernst genommen, in Anzug wie in Jogginghose“, ergänzt Gloss.
 

Bilderstrecke Frankfurts Wasserhäuschen: Ein Kulturgut
Wasserhäuschen, Trinkhalle oder Kiosk, egal, wie man die Büdchen nennen mag, sie gehören zum Frankfurter Kulturgut und ihre Tradition geht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. So ist das Jöst Nr. 1 am Osthafen mit seinen 105 Jahren das älteste Wasserhäuschen Frankfurts und bei vielen Liebhabern absoluter Kult. Vor allem Trucker, die ihre Ware in das Industriegebiet im Osthafen liefern, gehören hier zur Stammkundschaft.
Unsere Fotostrecke zeigt ein paar der kultigsten Frankfurter Wasserhäuschen.Der beste Platz für ein ungezwungenes Gespräch oder spontanes Zusammentreffen mit Nachbarn und Bekannten: eine Ur-Bretterbude mit Rot-Weißem Anstrich. Das Büdchen liegt dirtekt am Park. Im Jahr 2014 war das Wasserhäuschen von einer Schließung durch die Stadt bedroht, da jahrelang eine Toilette fehlte.Der Wirt Sakis liebt seine Gäste und empfängt jeden wie seinen besten Freund mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

 

Der Charme der Wasserhäuschen liegt in ihrer Vielfalt. Während einige ein moderner Treffpunkt für Hipster geworden sind und einen regelrechten Hype genießen, wie das Häuschen auf dem Matthias-Beltz-Platz, muten andere weniger kulturell wertvoll an: „Klar gibt es noch Büdchen, an denen die Drucktrinker stehen“, erzählt Gloss. Für ihn gehört das zum Gesamtbild einfach dazu. „Das ist Teil unserer Freiheit“, schwärmt Borm, „gäbe es die Wasserhäuschen nicht, würden sie zu Hause trinken“, beschwört er das soziale Regulativ des Trinkens in der Öffentlichkeit.

Freilich lebt das Wasserhäuschen nicht nur vom Alkohol. Schulkinder stolpern aus dem Bus und holen sich ihre gemischte Tüte. Und selbst wer nichts verzehren möchte, ist an den Tischen vor den Büdchen gerne gesehen und kann im Tratsch dabei helfen, die Probleme der Welt zu lösen.

Parkplatz statt Trinkstube

Ein Problem lässt sich scheinbar jedoch nicht lösen. Die Wasserhäuschen sind in Gefahr: „Die freistehenden Büdchen stehen vielen lukrativen Bauvorhaben im Weg“, klagt Borm. Zusammen mit Gloss erinnert er sich an das frühere Wasserhäuschen am Betanien-Krankenhaus oder das Häuschen „In der Au“ in Rödelheim. Dort ist heute ein Aldi-Parkplatz.

Die Wasserhäuschen leiden unter den langen Öffnungszeiten und günstigen Preisen der Discounter. Was diese jedoch nicht bieten können, ist die Entschleunigung und Kommunikation eines Treffpunkts für alle. „Ich vermisse ein klares Bekenntnis der Stadt zu den Wasserhäuschen“, ärgert sich Borm.

Also haben sie es selbst in die Hand genommen. Zusammen mit dem Verein Linie 11 haben Gloss und Borm ein Initiatorenteam von zwölf Mann zusammengetrommelt, dass den Wasserhäuschen neues Ansehen bescheren soll. Der kommende Samstag, der 19. August, soll daher ganz im Zeichen der illustren Häuschen stehen. An elf Büdchen über die gesamte Stadt verteilt, finden an diesem ersten Frankfurter Wasserhäuschentag vielfältige Veranstaltungen statt.

Schon morgens um 10 Uhr lädt das „Jöst Nr.1“ im Osthafen zu einem Biker-Frühstück. Ein großes Unterhaltungsprogramm für Kinder gibt es auf dem Kurfürstenplatz und in der Kölner Straße. Live-Musik und einen DJ fährt beispielsweise ab 17 Uhr das Wasserhäuschen „Fein“ an der Petersstraße auf. An anderen Büdchen wird es hingegen kulturell: Sehenswerte Fotografien zeigt der Kreativ-Kiosk in der Domstraße. Der Seckbacher „Snack FM“ veranstaltet eine Lesung von Werner D´Inka und Rainer M. Gefeller aus deren Buch „Schöner Trinken“ – eine Hommage an die Frankfurter Wasserhäuschen.

Weitere Informationen

Das komplette Programm sowie eine große interaktive Karte mit Informationen über alle Wasserhäuschen der Stadt finden Sie hier.

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