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Abriss: Das große Abräumen an der Rennbahn Niederrad hat begonnen

Feuerlöscher, Tribünensitze, Mülleimer: Alles, was nicht niet- und nagelfest war, haben Privatleute und Vereine am Samstag von der ehemaligen Galopprennbahn in Niederrad mitgenommen – und führen die Dinge jetzt einem neuen Zweck zu.
Für die Stadträte Markus Frank (rechts) und Jan Schneider war der Abbau der Tribüne symbolisch ein großer Tag. Foto: Leonhard Hamerski Für die Stadträte Markus Frank (rechts) und Jan Schneider war der Abbau der Tribüne symbolisch ein großer Tag.
Niederrad. 

Bis zum Freitag hatten die Rennbahn-Freunde versucht, den „Ausverkauf“ gerichtlich zu verhindern – erfolglos. Für Amüsement sorgte außerdem der Auftritt von Oberbürgermeisterkandidatin Dr. Felicia Herrschaft, die in skurrilem Outfit dafür plädierte, die Rennbahn Rennbahn bleiben zu lassen und die geplante Akademie des Deutschen Fußball Bundes (DFB) am „Gateway Gardens“ aufzubauen. Unser Mitarbeiter Christian Mayer war mittendrin. Ebenso wie die beiden CDU-Stadträte Markus Frank und Jan Schneider. Zur Erinnerung haben sich Frank und Schneider selbst Stühle abgeschraubt: Frank natürlich einen Stuhl mit der Sitzplatznummer 1; Schneider gleich mehrere für das städtische Büro.

Rennklub scheitert mit erneuter Verzögerungstaktik

Für den Behindertensport

<span>Gilbert Hepp</span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Gilbert Hepp

Ein Trupp an engagierten Helfern hat der Rasensportverein 1918 Weyer losgeschickt. Mit dabei: Gilbert Hepp (49), der gemeinsam mit seinen Freunden die Betontribüne zum hundertjährigen Bestehen des Vereins verschönern will. Die 150 Sitzplätze, die er am Samstag mitnahm, kommen da wie gerufen – vor allen Dingen, weil sie zu den Vereinsfarben Grün-weiß passen. Die Stühle sollen schon beim ersten Inklusionsturnier des Vereins zum Glänzen kommen – Behindertensport wird nämlich groß geschrieben beim RSV Weyer, der vor zwei Jahren den Sepp-Herberger-Preis verliehen bekommen hat.

200 Stühle mitgenommen

<span>Martin Koenen </span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Martin Koenen

Mit insgesamt sieben Mann im Einsatz war Martin Koenen (47) von der Spielvereinigung 07 Hochheim. Der Verein besitzt auf seinem Gelände im Main-Taunus-Kreis eine Stehtribüne aus Beton, die sie mit den neuen Stühlen aufmöbeln wollen. Eines der Mitglieder, ein Frankfurter Polizeibeamter, nimmt auch die Mülleimer vom Rennbahn-Gelände mit. „Na klar, was meinen Sie, was Mülleimer in der Größenordnung an Geld kosten?“, fragt er. Martin Koehn ist sich bewusst, dass der Abbau der Rennbahn den Leuten weh tut. „Aber so erfüllt das Material seinen Zweck auch wieder im Sport“, ist er überzeugt. Die Mannschaft war, mit Akkubohrer bewaffnet, gut organisiert – gut 200 Stühle schleppten sie innerhalb kurzer Zeit in den Transporter.

Das Beste draus machen

<span>Peter Schödl</span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Peter Schödl

Neben den Sitzen interessiert sich Peter Schödl auch für die Stallfenster und Führmaschine – „und was sonst noch alles für unseren Reiterverein interessant sein könnte“. Der 73-Jährige und sein Hund Taco kennen sich auf dem Gelände bestens aus: Jahrelang war Schödl Mitglied im Rennklub; nicht zuletzt deshalb ist der Abbau ein hochemotionales Thema bei ihm. Mehr noch: Schödl hat sich lange Zeit in Zusammenarbeit mit der Stadt um das Oberforsthaus unweit der Galopprennbahn gekümmert. Sein Credo jetzt lautet aber: Das Beste aus der Situation machen – und das Rennbahn-Inventar für neue Zwecke nutzen.

Für eine alternative Wohngemeinschaft

<span>Klaus</span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Klaus

…und dann waren da noch zwei Jungs, die in einer Wohngemeinschaft der besonderen Art leben: Vorder- und Hinterhaus haben sich zusammengetan und sind Freunde geworden – und gucken zusammen Fußball, veranstalten im Innenhof Kinoabende, grillen und essen gemeinsam, trinken Apfelwein… Den genauen Standort wollte uns Klaus (33) allerdings nicht verraten. Bisher wurde improvisiert, auf dem Boden gesessen, auf alten Holzstühlen – die Klappstühle werden die gemeinsamen Kinoabende bereichern. Nur die große Leinwand mitten auf der Galopprennbahn – die haben sie sich nicht getraut, mitzunehmen.

 

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