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Worst of the worst: Das sind die 10 schlimmsten Frankfurter aller Zeiten

Terroristen, Serienmörder, KZ-Kommandanten: Im Laufe der Jahrhunderte hat die Stadt Frankfurt eine Menge Ungeheuer hervorgebracht. Wir stellen zehn von ihnen vor.
Linke Seite: Serienmörder Eugen Weidmann. Rechte Seite, von oben: KZ-Kommandant Karl Chmielewski, Aufständler Vinzenz Fettmilch, Serienmörder Karl Hopf. Fotos: Archiv Linke Seite: Serienmörder Eugen Weidmann. Rechte Seite, von oben: KZ-Kommandant Karl Chmielewski, Aufständler Vinzenz Fettmilch, Serienmörder Karl Hopf. Fotos: Archiv
Frankfurt. 

1. Karl Chmielewski (1903-1991)

Holzbildhauer, KZ-Kommandant, Massenmörder

Foto: Archiv Bild-Zoom
Foto: Archiv

„Der Teufel von Gusen“ – so wird Karl Chmielewski, von 1940 bis 1942 Kommandant des Konzentrationslagers Gusen, genannt. Chmielewski soll Häftlinge zu Tode geprügelt, willkürlich die Ertränkung von Menschen befohlen und aus der Haut getöteter KZ-Insassen Brieftaschen und Buchumschläge gemacht haben.

Chmielewski, geboren 1903 in Frankfurt, geht früh nach München, wo er eine Lehre zum Holzbildhauer absolviert. In den 20er Jahren wird er arbeitslos – und bleibt es, bis er Anfang der 30er eine Karriere innerhalb von NSDAP und SS beginnt, deren Höhepunkt die Kommandatur des KZ Gusen ist.

Wegen der entsetzlichen Hygienezustände im Lager erkrankt Chmielewski oft selbst und wird schließlich Ende 1942 versetzt. Er übernimmt die Leitung des KZs Herzogenbusch, wo er wiederum aufgrund seines sadistischen Vorgehens gefürchtet wird.

Weil er Häftlinge bestiehlt und Wertgegenstände unterschlägt, wirder 1943 seines Postens enthoben und kommt schließlich selbst als Häftling in das KZ Dachau. Nach dem Krieg taucht er zunächst unter, wird aber 1961 identifiziert und schließlich wegen 282-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Chmielewski stirbt 1991 in einer Pflegeeinrichtung in Bernau am Chiemsee.

2. Vinzenz Fettmlich (155?-1616)

Lebkuchenbäcker, Wutbürger, Rädelsführer

Bild: Archiv Bild-Zoom
Bild: Archiv

In den 1590er Jahren bewirbt sich der Frankfurter Lebkuchenbäcker Vinzenz Fettmilch um die Stelle eines Schreibers am Hospital zum Heiligen Geist. Gut möglich, dass die Stadtgeschichte weniger blutig verlaufen wäre, hätte er die Stelle bekommen. Aber die Stadtoberen lehnen Fettmilchs Bewerbung ab.

Die Episode steht beispielhaft für viele Momente im Leben des Lebkuchenbäckers: Immer wieder will Fettmilch den gesellschaftlichen Aufstieg erreichen, immer wieder scheitert er. Über die Jahre lassen diese Abweisungen einen Zorn in Fettmilch wachsen, der sich besonders auf zwei Gruppen konzentriert: die Juden und die Ratsherren. Sie besetzen die einflussreichen Positionen, sie haben Geld, sie bestimmen, was in der Stadt läuft, denkt Fettmilch. Und beschließt, dass es so nicht weitergehen kann.

Frankfurter Geschichte 28. Februar 1616: Das grausame Ende des Vinzenz Fettmilch

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Seine wiederholten Angriffe auf diese Gruppen münden in der blutigen Plünderung der Judengasse im August 1614. Mit dieser Tat unterzeichnet der Lebkuchenbäcker sein Todesurteil: Der Kaiser ächtet ihn; nach kurzen Straßenkämpfen wird Fettmilch festgenommen und schließlich im Frühjahr 1616 auf dem Rossmarkt in Frankfurt hingerichtet.

Die Exekution ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine symbolische Vernichtung: Der Scharfrichter hackt ihm zwei Finger der Schwurhand ab, köpft ihn und zerstückelt den Körper. Von Vincenz Fettmilch, dem ehrgeizigen Lebkuchenbäcker, bleibt am Ende nur eine verstümmelte Leiche übrig.

3. Robert Jührs (1911-1996)

Maler, Massenmörder, Zeitungsausträger

Der gelernte Maler Robert Jührs tritt früh der NSDAP und der SA bei. Ab Sommer 1941 ist er im Rahmen der „Aktion T4“ – der Ermordung psychisch kranker und behinderter Anstaltsinsassen – in der Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg beschäftigt. Was genau er dort tut, ist bis heute unklar.

In der Anstalt in Hadamar raucht der Schornstein des Krematoriums im Jahr 1941 (heimlich gemachte Aufnahme)
Gretes Weg Die Mechanik des Mordens

Wie die Familie eines Opfers der NS-Krankenmorde nach 80 Jahren Gewissheit findet - Teil 5: Die Mechanik des Mordens.

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Nach Hadamar wird Jührs in verschiedene Vernichtungslager versetzt, darunter Sobibor und Belzec. Er nimmt nachweislich an Massenerschießungen teil.

Nach dem Krieg wird er angeklagt, aber nicht verurteilt. Jührs soll dann unter anderem als Zeitungsausträger in Frankfurt gearbeitet haben. Er starb 1996.

4. Arthur Gatter (1940-1990)

Elektroinstallateur, Serienmörder

Ein Opfer des Frankfurter "Hammermörders" Arthur Gatter liegt im Mai 1990 abgedeckt auf einer Parkbank. Foto: Archiv Bild-Zoom
Ein Opfer des Frankfurter "Hammermörders" Arthur Gatter liegt im Mai 1990 abgedeckt auf einer Parkbank. Foto: Archiv

Als Arthur Gatter in den frühen Morgenstunden des 22. Mai 1990 an der Hauptwache in Frankfurt festgenommen wird, trägt er seine Waffen noch bei sich: einen Schlosserhammer und ein blutverschmiertes Fleischermesser. Wenige Minuten zuvor hat er den Schädel des Obdachlosen Heinrich O. mit dem Hammer zertrümmert.

Mit Gatters Festnahme endet eine der blutigsten Mordserien der deutschen Nachkriegsgeschichte: Innerhalb weniger Monate hat der „Hammermörder“ sechs Menschen getötet und zwei schwer verletzt. Gatter sucht seine Opfer unter den Obdachlosen der Stadt. Er nähert sich ihnen im Schlaf, schlägt auf ihre Schädel ein, bis nur noch eine blutige Masse übrigbleibt. Wochenlang tappt die Polizei im Dunkeln.

Gatters Festnahme am 22. Mai gelingt, ist bloßem Zufall zu verdanken: Ein Anwohner ist von den Schlägen auf O.s Schädel wachgeworden und hat den Mörder flüchten sehen.

Warum Gatter die Morde begangen hat, kann in den Verhören der Polizei nicht geklärt werden. Der psychisch labile Mann behauptet, er habe Stimmen gehört, die ihn zum Töten gedrängt hätten. Was Arthur Gatter zum Mörder gemacht hat, bleibt sein Geheimnis – ein paar Wochen nach seiner Festnahme erhängt er sich in der Psychiatrie.

Obdachlose gedenken mit handgemalten Schildern der ermordeten Kumpels in der Innenstadt.
Serientäter Arthur Gatter Der Hammermörder

Im Frühjahr 1990 hält eine blutige Mordserie Frankfurt in Atem: Ein Serienkiller macht Jagd auf Obdachlose. Die Polizei tappt wochenlang im Dunkeln. Nur durch einen Zufall kann der Killer schließlich gefasst werden.

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5. Hans Kugler (1900-1968)

Manager, Kriegsverbrecher

Hans Kugler, geboren am 4. Dezember 1900, macht unter den Nationalsozialisten eine glänzende Karriere – und wird dabei zum Kriegsverbrecher.

Der studierte Ökonom steigt in den 20er Jahren in die Farbenindustrie ein und ist ab 1929 als Prokurist bei I.G. Farben tätig. 1938 beruft ihn das Reichswirtschaftsministerium nach Prag, wo Kugler ab 1939 die Plünderung und Zerstörung von Chemie-Fabriken in den besetzten Gebieten leitet.

Nach Kriegsende muss er eine anderthalbjährige Haftstrafe verbüßen. Danach kehrt er zurück nach Deutschland, wo er seine Karriere als Ökonom in der deutschen Chemieindustrie relativ unbehelligt fortsetzen kann. Kugler stirbt 1968 in seinem Haus in Bad Homburg.

6. Eugen Weidmann (1908-1939)

Dieb, Betrüger, Serienmörder

Foto: Archiv Bild-Zoom
Foto: Archiv

Als in den frühen Morgenstunden des 17. Juni 1939 in Versailles der Kopf des Serienmörders Eugen Weidmann in den Guillotinenkorb fällt, johlt und applaudiert die Menge. Die Hinrichtung des sechsfachen Mörders wird als Volksfest begangen – und das stört die Autoritäten.

Wenige Tage nach Weidmanns Exekution verfügt der französische Premierminister, dass Hinrichtungen künftig nicht-öffentlich zu erfolgen haben. Damit ist der gebürtige Frankfurter der letzte Delinquent, der in Frankreich öffentlich exekutiert wurde.

Eugen Weidmann ist ein außergewöhnlicher Verbrecher: ein eiskalter, einzig auf seinen Profit bedachter Mörder, der so gleichgültig tötet, wie andere Menschen eine Fliege erschlagen.

Weidmann wird 1908 in Frankfurt geboren, zieht aber bald zu seinen Großeltern in die Nähe von Paris. Schon als Jugendlicher begeht er kleinere Verbrechen – Diebstähle und Einbrüche. Später kommt Raub dazu; er verbringt ein paar Jahre im Gefängnis.

Anfang der 30er-Jahre tut er sich mit drei Gleichgesinnten zusammen. Die Bande entführt und tötet sechs Menschen – die tödlichen Schüsse gibt dabei immer Eugen Weidmann ab. Anschließend plündern die Mörder die Wohnungen ihrer Opfer und verkaufen ihr Eigentum.

Die Morde erregen Aufsehen, aber lange Zeit tappt die Polizei im Dunkeln. Als die Ermittler Weidmann schließlich doch stellen und nach einer kurzen Schießerei festnehmen können, ist die öffentliche Erleichterung umso größer.

Die Nacht vor seiner Hinrichtung wird regelrecht zelebriert: Kneipen bleiben bis in den frühen Morgen geöffnet, die Menschen trinken, singen und tanzen. Um 4.32 Uhr fällt die Guillotine.

7. Werner Grothmann (1915-2002)

Banker, SS-Offizier, rechte Hand von Heinrich Himmler

Werner Grothmann, ausgebildeter Bankkaufmann aus Frankfurt, steigt in den 30er Jahren rasch innerhalb der SS auf. Ab Sommer 1940 gehört er zum Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler.

Grothmann plant Himmlers Termine und begleitet ihn bei Dienstreisen. Unter anderem ist er dabei, als Himmler Vernichtungslager inspiziert. In Auschwitz wird er 1942 Augenzeuge einer Massenvergasung.

Nach dem Krieg behauptet Grothmann, er habe vom Holocaust erst gegen Ende 1944 erfahren. Obwohl diese Behauptung nachweislich falsch ist, wird Grothmann später entnazifiziert und nie für die Verbrechen zur Rechenschaft gezogen, an deren Organisation er unmittelbar beteiligt war. Jahrzehntelang hält er Kontakt zu zahlreichen ehemaligen SS-Leuten. Er stirbt Ende 2002.

8. Walter Kexel (1961-1985)

Neonazi, Terrorist

Als Jugendlicher tritt Walter Kexel in den 1970ern der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ bei, deren Mitglieder mehrere Terroranschläge in der Bundesrepublik Deutschland verüben. Unter anderem sind Mitglieder der „Wehrsportgruppe“ für den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest im September 1980 verantwortlich, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt werden.

Nachdem die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ 1980 verboten worden ist, gründet Kexel gemeinsam mit Odfried Hepp die sogenannte Hepp-Kexel-Gruppe. Ihr Ziel ist es, Deutschland von einer vermeintliche US-„Besatzung“ zu befreien. Die Mitglieder der Gruppe verüben mehrere Autobombenanschläge auf Mitglieder der US-Streitkräfte im Rhein-Main-Gebiet. Außerdem überfallen sie Banken.

1983 nehmen Polizisten Kexel in Frankfurt fest; im anschließenden Prozess wird er zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Kexel erhängt sich daraufhin in seiner Zelle.

9. Jakob Weiseborn (1892-1939)

SS-Mann, Folterknecht

Der Frankfurter Jakob Weiseborn ist einer der wenigen SS-Männer, die noch vor Kriegsbeginn für ihre Grausamkeit berüchtigt sind. „Gott erschuf in seinem Zorn / den Hauptsturmführer Weiseborn“, steht an den Wänden der Gefangenenbaracken des Konzentrationslagers Buchenwald.

Der Berufssoldat tritt frühzeitig in die NSDAP und die SS ein und macht während der 30er Jahre als Kommandant in verschiedenen Konzentrationslagern Karriere. Dabei gilt er aber nicht als vorbildlicher Soldat – der chronische Alkoholiker neigt zu Zornausbrüchen und ist für seinen grausamen Umgang mit Häftlingen berüchtigt.

Den Krieg erlebt er nicht mehr: Als er erfährt, dass wegen Unterschlagung gegen ihn ermittelt wird, schluckt er Gift.

10. Karl Hopf (1863-1914)

Hundezüchter, Hobbychemiker, Serienmörder

Foto: Archiv Bild-Zoom
Foto: Archiv

Karl Hopf ist ein Tausendsassa. Fechtmeister, Hundezüchter, Unternehmer – und schwarzer Witwer.

Der umtriebige Frankfurter ermordet kurz nach der Jahrhundertwende zwei Ehefrauen, seine Eltern, seine Kinder. Sein Motiv ist stets dasselbe: Gier. Hopf kassiert die Versicherungspolicen für seine Frauen und das Erbe der Eltern.

Seine Mordserie endet erst, als ein aufmerksamer Anwalt die Zusammenhänge erkennt und die Staatsanwaltschaft einschaltet. Es folgt, 1913, einer der aufsehenerregendsten Prozesse, die Frankfurt je erlebt hat: Erstmals wird ein Giftmörder aufgrund von Beweisen, die bei gerichtsmedizinischen Untersuchungen gefunden wurden, überführt – und zum Tode verurteilt.

 

PS. Diese Liste enthält nur Männer. Heißt das, wir unterstellen, es habe keine bösen Frankfurterinnen gegeben? Keineswegs. Wir sind sogar der festen Überzeugung, dass die Stadt jede Menge böse Frauen hervorgebracht hat - allerdings, soweit unsere Recherchen das ergeben haben, keine KZ-Kommandantinnen oder Serienmörderinnen. Sollten Sie eine historische Gestalt kennen, die Ihres Erachtens in eine Liste der bösesten Frankfurterinnen gehört, melden Sie sich: christophe.braun@fnp.de!

Frankfurt Historisch Der Frankfurter Giftmischer, der das Morden revolutionierte

Er war ein Star und er ist ganz tief gefallen: 1913 wird der Fecht-Artist Karl Hopf zum Tode verurteilt. Seine ganze Familie hat er ausgelöscht, auf eine so perfide Weise, die selbst den Richter von einer "neuen Art des Mordens" sprechen lässt.

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