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Schwul-lesbischer Fanclub der Eintracht: Das sind die Regenbogenadler

Von Noch immer gilt Homosexualität im Männerfußball als großes Tabu. Während Vereine und Spieler schweigen, gibt es allerdings viele schwul-lesbischen Fanclubs, wie die Frankfurter Regenbogenadler.
Michael Schäfer, Simon Christiani und Stefan Spengler sind der Vorstand des ersten schwul-lesbischen Eintracht-Fanclubs. Foto: Holger Menzel Michael Schäfer, Simon Christiani und Stefan Spengler sind der Vorstand des ersten schwul-lesbischen Eintracht-Fanclubs.
Frankfurt. 

In Köln heißen sie „Andersrum Rut-Wiess“, in Kaiserslautern „Queer Devils“ und in Bielefeld „Blaue Bengel“: Die Rede ist von Fußballfanclubs, die offen mit Homosexualität umgehen und beweisen, dass Fußball und sexuelle Orientierung nichts miteinander zu tun haben dürfen und wollen. Auch in Frankfurt gibt es seit dem Sommer 2013 mit den Regenbogenadlern einen Fanverband, dessen Mitglieder vor allem Schwule und Lesben sind. Gemeinsam möchten sie dafür sorgen, dass mit einem Tabu aufgeräumt wird.

Denn um sich im Fußball – sei es auf dem Platz oder auf der Tribüne – offen zu seiner Homosexualität zu bekennen, gehört zumindest für Männer eine ordentliche Portion Mut. Mehr noch als vor der eigenen Familie, im Bekanntenkreis oder unter Kollegen bekannt zu geben, dass man irgendwie „anders“ ist. Anders auf eine Weise, wie es in einem Deutschland, in dem Spitzenpolitiker, Schauspieler und Wirtschaftsfunktionäre offen zu ihrer Homosexualität stehen, inzwischen eigentlich gar nicht mehr „anders“ sein sollte.

„Zumindest unter den Fans scheint das inzwischen ohne größere Probleme zu funktionieren“, betont der Regenbogenadler-Vorsitzende Stefan Spengler beim Stammtisch des Vereins im Apfelweinlokal „Schöne Müllerin“. „In den über zwei Jahren, in denen wir mit unseren Fanclub-Pullis mit Regenbogenaufdruck ins Stadion gehen, gab es wenn überhaupt mal nur komische Blicke. Anfeindungen und Gewalt waren nie Thema“, sagt Spengler, der 2013 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehörte. „Im Gegenteil: Man tritt uns offen und interessiert entgegen und das ist genau, was wir erreichen wollten.“

Auf die Idee gebracht wurden Spengler und einige Freunde durch die schwul-lesbischen Fanclubs anderer Vereine. „Immer wieder gab es Ideen, so etwas auch mal für Frankfurt auf die Beine zu stellen, wobei viele Homosexuelle bereits seit vielen Jahren in anderen der insgesamt rund 750 Eintracht-Fanclubs aktiv sind und dort nie Probleme hatten. Dadurch schien die Nachfrage einfach nicht besonders groß“, erinnert sich Michael Schäfer. Kurz nach dem Christopher Street Day (CSD) fiel schließlich doch die Entscheidung zu handeln, auch um die Aufmerksamkeit auf ein Tabu zu lenken, das im Sport noch immer herrscht. Zunächst mit überschaubaren neun Mitgliedern – inzwischen mit knapp 50, die sich vor und nach Spielen im Stadion und jeden zweiten Freitag im Monat zum Stammtisch treffen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren erschütterte die deutsche Fußballszene mit dem Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger ein großer Knall. Mit dem damals 31-Jährigen bekannte sich erstmals ein ehemaliger Nationalspieler, ein Deutscher Meister und Vize-Europameister, zu seiner Homosexualität. Aber: Er machte den Schritt erst Monate nachdem er seine aktive Karriere als Profi-Fußballer beendet hatte.

Für Spengler ist das kaum verwunderlich: „Ich kann nachvollziehen, dass ein junger Mensch, der gerade am Anfang oder auf dem Höhepunkt seiner Karriere und in der Öffentlichkeit steht, auf Sponsoren angewiesen ist und einen professionellen Berater im Rücken hat, lieber diesen Teil seiner Persönlichkeit als Privatsache handhaben will, auch wenn es schade ist, dass das Tabu vom schwulen Fußballprofi auf diese Weise nicht gebrochen wird.“ Doch gerade deshalb sei es wichtig, dass sich Fanclubs wie die Regenbogenadler sichtbar machen.

Eine größere Forderung aller Verbände ist eine andere: „Viel wichtiger ist, dass im Breitensport etwas unternommen wird. Da muss sich der DFB für einsetzen, um langfristig etwas zu verändern.“

Dafür treten Vertreter der verschiedenen Fanclubs in dieser Woche auch bei der Konferenz der Queer Football Fans (QFF) in Gelsenkirchen ein.

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