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Dschinghis Khan, Adel Tawil und Boateng: Das sind die schrecklichsten WM-Hits 2018

Von Die WM steht vor der Tür und mit ihr springen wieder zahlreiche sogenannten WM-Hits aus ihren Löchern. Manch ein Lied wäre dabei besser im Verborgenen geblieben. Wir nehmen die aktuellen WM-Songs unter die Lupe. Welcher ist euer Favorit?
Jay Khan (M), Sänger in der deutschen Neuauflage von Dschinghis Khan Foto: Matthias Balk/dpa Foto: Matthias Balk (dpa) Jay Khan (M), Sänger in der deutschen Neuauflage von Dschinghis Khan Foto: Matthias Balk/dpa

Eigentlich ist es gar nicht so schwer: Eine schöne Melodie, ein Stadionchor, ein paar Trommeln, ein „und jetzt alle“, irgendwas mit „Deutschland“ und fertig ist der solide WM-Hit. Und was gab es nicht schon alles für Meisterwerke: 2006 etwa Herbert Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“ oder die Sportfreunde Stiller mit ihrer zeitlosen Hymne „54,74,90,2006/2010“. Das waren noch Zeiten. Selbst Xavier Naidoo sang mit „Dieser Weg“ einen ergreifenden Hit für Deutschland, und das sogar ohne die Wörter „GmbH“, „besetztes Land“ oder „Marionetten“ zu verwenden. Man höre und staune.

Doch es gibt auch die anderen WM-Songs: Lieder, die alle vier Jahre Angst und Schrecken verbreiten, Hits, die so schrecklich sind, dass selbst Oliver Pochers „Schwarz und Weiß“ zu den guten Songs gezählt werden darf. Dabei ist nicht einmal die Rede von den unzähligen offiziellen WM-Songs der Fifa. Diese sind zwar auch weit davon entfernt wirklich gut zu sein, doch immerhin so irrelevant, dass sie in Vergessenheit geraten, ohne vorher übel aufzustoßen. Oder erinnern Sie sich noch an „Dar um Jeito (We will find a way)“ von Carlos Santana oder „We are one (ole ola)“ von Pitbull, Jennifer Lopez und Claudia Leitte (wer auch immer das ist)?

Das waren zwei von insgesamt neun offiziellen Fifa-Songs vor vier Jahren. Dieses Jahr schickt die Fifa unter anderem Jason Derulo mit „Colors“ und Nicky Jam feat. Will Smith und Era Istrefi mit „Live it up“ in den Äther. Songs die so sehr fürs Radio komponiert wurden, dass man sie ohne Probleme bei einem EEG hören könnte.   

Nein, es sind viel eher die zahlreichen selbsternannten WM-Songs, die Gänsehaut, Schüttelfrost und plötzliches Interesse fürs Schachspielen auslösen. Ganz vorne mit dabei ist in diesem Jahr Ralph Siegel. Mit mehr als 2000 bei der Gema registrierten Liedern blickt er auf ganze zwei Erfolge in seinem Musikerleben zurück. Zum einen Nicoles „Ein bisschen Frieden“, mit dem er 1982 den Eurovision Song Contest gewann. Und zum anderen, die albernste Band nach den Village People: Dschinghis Kahn. Da ersteres zwar ein großer Hit ist, aber für einem WM-Song aus entschieden zu wenig Mitsing-Teilen besteht, mussten Zweitere nun herhalten.

C-Promi und lyrischer Hochgenuss

Vermutlich lag es zu sehr auf der Hand, den Song „Moskau“, passend zur WM in Russland als Fußballhit zu verwursten. Gut ist diese Idee allerdings nicht. Denn vermutlich lag es ebenso zu sehr auf der Hand, den Sänger Jay Khan für diese überflüssige Reunion von Dschinghis Kahn ins Boot zu holen. Was dabei entstanden ist, ist an Schrecklichkeit kaum zu überbieten. Schon die ersten Sekunden des Videos nerven mit unsäglichem Kindergeschrei zu Tode. Die nächsten Takte beweisen, dass Ralph Siegel wie kein Zweiter verstanden hat mit welchen Sounds man beim ESC Letzter wird.

Der ehemalige US5-Sänger und leidenschaftliche C-Promi Jay Khan versucht derweil irgendetwas wie Emotionalität aus seiner Boy-Group-Stimme herauszuholen. Die folgenden vier Minuten sind garniert mit lyrischen Meisterleistungen wie: „Wir singen hey hey hey lasst es krachen, jeder gewinnt mal so und so, lasst uns das alte Feuer entfachen, Deutschland hey, Deutschland ho, Jogi go“ oder „Deutschland Deutschland alle Mann noch einmal vor, noch ein Schuss und noch ein Tor, whahaha, hey“ oder auch „Und wenn ein Spiel zu Ende geht, dann feiern wie nochmal, egal was auch geschieht.“ Wer da nicht in WM-Stimmung kommt, ist entweder taub oder hat Geschmack.

Ralph Siegel jedenfalls hat Geschmack, Geschmack für Geld. Und einen WM-Song für nur ein Land zu schreiben, ist vermutlich ohnehin nicht mehr zeitgemäß. Siegel ließ sich daher nicht lumpen und veröffentlicht den Song auch noch in einer russischen und einer spanischen Version. Na vielen Dank auch.

Danke sagen, müssen wir auch für folgenden WM-Song: „Mannschaft“ von Jack Whitehall und Jerome Boateng. Richtig gelesen: Teng-Teng-Boateng persönlich, der vermutlich eloquenteste aller Nationalspieler, greift zum Mic und rappt Deutschland zum WM-Titel. Thomas Müller tanz in Tracht und auch Mario Götze hat einen „kleinen“ Gastauftritt (bei 1,36) im Video des britischen Comedians. Soviel Klamauk entbehrt sich jeglicher Kritik und Jerome Boateng sowieso!

Bei so viel Spieler-Präsenz ist es erstaunlich, dass sich der DFB für ein anderes Lied als eigene WM-Hymne entschieden hat: „Zusammen“ von den Fantastischen Vier und Clueso ist der musikalische Silberstreifen am Horizont dieses Artikels. Mit Fußball hat das Lied zwar eigentlich nichts zu tun, aber das hatte Andreas Bouranis „Auf uns“ ja auch nie.  

Bouranis Glück versuchen nun auch andere Künstler zu erzwingen. Max Giesinger bringt „zufällig“ pünktlich zur WM sein Lied „Legenden“ heraus und Adel Tawil veröffentlicht mit „Flutlicht“ seine eigene WM-Hymne. Beide Lieder klingen genauso, wie man das erwartet. Doch damit nicht genug: Auch die amerikanische Musikgruppe Sir Rosevelt hat mit „The Bravest“ ein allgemeines Motivationslied veröffentlicht, dass in diesen Tagen zwangsläufig zur WM-Hymne mutiert, denn immerhin kommt mehrfach das Wort „Champion“ darin vor. So einfach kann es gehen.

Einfach macht es sich auch der Sänger und Youtuber Benjamin Scholz. Zur Melodie von „We didn´t start the fire“ vertextet er Spielernamen und verbale Euphorie rund um den Slogan „Wir werden wieder Meister“. Simpel aber macht Laune. Doch einen haben wir noch:

Für alle, die trotz dieser enormen Auswahl an Songs noch immer nicht ihren Stimmungsmacher gefunden haben, haben wir noch einen Geheimtipp: Buranowskije Babuschki mit „Football“. Das Brot, das sie 2012 beim ESC backten, haben die uralten russischen Omis inzwischen gegen den Fußball eingetauscht. Was die Damen genau singen, ist zu Russisch, um es zu verstehen, doch „ole ola“ ist international eingängig. Und egal, ob sie Brot backen oder auf dem Fußballfeld stehen, wer kann ihrem Charme schon widerstehen? In diesem Sinne: ole ola!

Die Wahrheit liegt allerdings auf dem Platz, oder in der unten stehenden Umfrage: Welches Lied ist ihr WM-Hit 2018? Stimmen Sie ab. Oder haben wir einem Song vergessen? So posten Sie ihn gerne in den Kommentaren. Wir sind gespannt.

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