Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 28°C
2 Kommentare

Ortsbeirat Bergen-Enkheim fordert Offenlegung der Verträge: Dem Hessen-Center Zügel anlegen

Von 1971 eröffnet, ist das Hessen-Center an der Borsigallee ein Fremdkörper in Bergen-Enkheim geblieben. Jetzt soll es umgebaut und erweitert werden. Der Ortsbeirat will dabei aber nicht übergangen werden.
Der Ortsbeirat 16 möchte die geplante Erweiterung des Hessen-Center kritisch begleiten. Foto: Leonhard Hamerski Der Ortsbeirat 16 möchte die geplante Erweiterung des Hessen-Center kritisch begleiten.
Bergen-Enkheim. 

Mit Misstrauen begegnet der Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) den Erweiterungsplänen des in die Jahre gekommenen Hessen-Centers. Es ist eines der ersten Shopping-Center in Deutschland. Dass es dringend saniert werden muss, ist auch den Stadtteilpolitikern klar. Der Betreiber ECE teilte auf Nachfrage der FNP mit: „Wir befinden uns im laufenden Verfahren in enger Abstimmung mit der Stadt.“ Doch die Ortsbeiräte wollen mehr Mitspracherechte bei der Sanierung und Erweiterung.

Es war Rainer Lehmann, Vertreter der Linken im Ortsbeirat, der den umfangreichen und recht detailliert ausgearbeiteten Antrag gestellt hatte. Den Projektentwicklern von ECE sollen damit Zügel angelegt werden. Den Antrag auf die nächste Sitzung zu verschieben, wie die Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) vorgeschlagen hatte, lehnte Lehmann ab. In der nächsten Sitzung des Ortsbeirats wird von den Regionalplanern das Einzelhandelskonzept des Stadtteils vorgestellt.

Schon zuvor war in der Bürgerfragestunde die Diskussion über das Center aufgekommen. Ein Bürger klagte: „Es gibt seit Jahren Leerstand im Hessen-Center. Die Ausbaumaßnahmen sind notwendig, damit das Center bestehen bleibt.

Renate Müller-Friese ergänzte: „Uns hat keiner gefragt, ob wir für den Ausbau des Einkaufszentrums in Hanau sind.“ Hintergrund: In Bad Vilbel und Hanau wird der geplante Ausbau des Hessen-Centers kritisch gesehen. Müller-Friese zufolge ist das Center-Management des Betreibers ECE in Gesprächen mit der Stadt. „Diese verlaufen gut.“ Als erstes solle das Parkdeck saniert werden.

Einzelhandel zerstört

Den Leerstand, erwiderte Günther Kraus (Wir Bergen-Enkheimer, WBE), „gibt es in Bergen-Enkheim“. Etliche Einzelhandelsgeschäfte hätten schließen müssen, nachdem das Hessen-Center 1971 eröffnet hat. „Die Sorgen über den Ausbau kommen nicht nur aus Bad Vilbel, sondern auch von Gewerbevereinen in benachbarten Stadtteilen.“ Allerdings, so Müller-Friese, gehe es im Center und bei seinem Ausbau nur um großflächigen Einzelhandel, keinen „nahversorgungsrelevanten“ Handel. „Und letztlich sind die Bergen-Enkheimer schuld, wenn es immer weniger Geschäfte gibt. Sie hätten halt dort einkaufen müssen, als es sie noch gab.“

Lehmann hat in seinem Antrag unter anderem gefordert, dass ECE sich verpflichtet, keinen weiteren nahversorgungsrelevanten Einzelhandel anzusiedeln. Zudem solle ECE eine Rückbauverpflichtung für das gesamte Areal übernehmen, alle städtebaulichen Verträge müssten offengelegt werden und das fällige Verträglichkeitsgutachten solle auf Kosten der ECE vom Deutschen Institut für Urbanistik auf seine Werthaltigkeit geprüft werden. Bislang seien die Verträglichkeitsgutachten seitens der Projektentwickler nämlich oft nur „Gefälligkeitsgutachten“.

Lehmanns fünfte Forderung: ECE soll einen Architektenwettbewerb ausschreiben, um die derzeitige „Zitadellen-Struktur“ des Centers zu überwinden, es zum Stadtteil zu öffnen. Zudem sollten Sozialwohnungen auf dem nicht benötigten Center-Gelände an der Borsigallee entstehen. Um diesen letzten Punkt kämpfte Lehmann jedoch nicht; er stimmte anstandslos dem Vorschlag von Eberhard Schwarz (SPD) zu, den Punkt mit den Wohnungen zu streichen.

„Ich bin dagegen!“

„Wenn das beschlossen wird, ist das Center tot. Wir haben nur Forderungen, wollen Sozialwohnungen, eine Kita, die Öffnung zum Stadtteil“, empörte sich Reinhard Müller (WBE). „Ich werde jedenfalls dagegen stimmen!“

Rainer Lehmann sprang für die Städte Bad Vilbel und Hanau in die Bresche, die um ihren Einzelhandel fürchten, wenn das Hessen-Center attraktiver wird. „Wir können die Probleme nicht mehr als Städte lösen. Alle wissen, Frankfurt wird die benötigten Wohnungen nicht auf seiner Gemarkung bauen können. Wir brauchen das Umland und das Umland uns.“ Deswegen sei schon 2010 ein Regionalplan erstellt worden. Die Abstimmung selbst brachte das Ergebnis: 13 der 19 Ortsbeiräte stimmten für den geänderten Antrag des Linke-Politikers. Dagegen waren nur Müller und ein Teil der CDU-Fraktion.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse