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"Freie Bürger für Deutschland": Demo in Frankfurt: „Freie Bürger“ im Zwinger

Von "Freie Bürger für Deutschland" – Heidi Munds Pegida-Ableger sah sich gestern von Polizeiabsperrungen und Gegendemonstranten umringt. Es gab vier Festnahmen.
Polizisten halten Dutzende Gegendemonstranten von Heidi Munds Kundgebung fern. Bilder > Polizisten halten Dutzende Gegendemonstranten von Heidi Munds Kundgebung fern.
Frankfurt. 

Heidi Mund und ihre Anhänger traten gestern zwar nicht mehr unter dem Namen „Pegida Rhein-Main“, sondern als „Freie Bürger für Deutschland“ auf. Die Gegendemonstranten erwiesen der streitbaren Frankfurterin aber trotzdem wieder die Ehre. Oder besser: das Erlebnis, ausgebuht und ausgepfiffen zu werden. Den gut 50 Ex-Pegidas auf dem Roßmarkt standen gut 500 Gegendemonstranten gegenüber. Darunter waren auch Mitglieder der Anti-Nazi-Koordination um Hans Christoph Stoodt, der einmal mehr dazu aufgerufen hatte, sich der „Hetze von Heidis Herde“ (Zitat aus dem Internet) entgegenzustellen.

Bilderstrecke Pegida-Nachfolger marschiert am Frankfurter Roßmarkt auf
Hunderte Menschen demonstrierten am Montagabend am Roßmarkt gegen den Aufmarsch der «Freien Bürger für Deutschland». Wir zeigen Bilder von der Veranstaltung.Kundgebung am Roßmarkt: Ex-Pegida-Organisatorin Heidi Mund lief mit ihren neugegründeten «Freien Bürgern für Deutschland» in der Frankfurter Innenstadt auf. Mit dabei war auch wieder der Rechtspopulist Michael Stürzenberger, der als Gastredner auftrat. Ihnen standen zahlreiche Gegendemonstranten gegenüber.Rund 500 Gegendemonstranten versammelten sich am Roßmarkt.

Auf Wunsch des Ordnungsamts und aus Rücksicht auf die Zeil-Anlieger hatte Heidi Mund ihre erste Kundgebung nach dem Bruch mit der deutschen Pegida-Führung nicht mehr für die Hauptwache, sondern den Roßmarkt angemeldet. Das stellte die Polizei, die nach sechs Pegida-Demos vor der Katharinenkirche eine gewisse Einsatzroutine entwickelt hatte, vor neue Herausforderungen. Sie riegelte den Roßmarkt zwischen dem Gutenberg-Denkmal, der Commerzbank-Filiale und der Straße Roßmarkt mit Gittern ab. Mit Sichtschutzzäunen sorgte sie dafür, dass sich die Gegendemonstranten nur auf zwei Seiten des weitläufigen Versammlungsorts tummelten.

 

Messer sichergestellt

 

Die Polizei war in der Innenstadt einmal mehr mit einem großen Aufgebot vertreten. Beamte sicherten die zwei Zugänge zum abgezäunten Areal und kontrollierten stichprobenartig die herbeispazierenden Gegendemonstranten. Vor und während der Kundgebung wurden nach Angaben eines Polizeisprechers vier Gegendemonstranten festgenommen. Einer von ihnen habe ein Messer und einen Hammer dabeigehabt, die drei anderen Pyrotechnik und Passivbewaffnung.

Wie schon bei der letzten Pegida-Kundgebung hatte sich Heidi Mund auch dieses Mal Verstärkung vom Münchener Rechtspopulisten Michael Stürzenberger geholt. Der wagte sich vor Beginn – halb plaudernd, halb provozierend – so nah an die Gegendemonstranten heran, dass ihn die Polizisten aus Sicherheitsgründen zurückschickten. Das Thema der Kundgebung war nicht die „Islamisierung des Abendlandes“. Mund bekundete vielmehr, dass man „für das Grundgesetz und die Meinungsfreiheit“ und „gegen linksextreme Gewalt und Meinungsdiktatur“ auf der Straße sei. Die „Freien Bürger“ thematisierten auch die Ausschreitungen bei den Blockupy-Protesten am vergangenen Mittwoch. Mund betonte: „Wir sind gegen alles, was unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet.“

 

Rechtspopulistische Sprüche

 

An die linksradikalen Gegendemonstranten hatte Heidi Mund schon vor Veranstaltungsbeginn provokant das Wort gerichtet: „Schön, dass ihr alle da seid. Unser Thema seid ihr heute – und ihr hört mal alle schön zu.“ Dieser Aufforderung kamen die versammelten Antifaschisten freilich nicht nach. Stattdessen skandierten sie „Nazis raus“ und hielten Schilder mit Aufschriften wie „Mund ist doof!“ in die Höhe. Auch Michael Stürzenberger brachte die Gegendemonstranten mit rechtspopulistischen Sprüchen zum Kochen: Im Hinblick auf Flüchtlinge sprach er etwa von „Leuten, die uns ins Land fluten, die uns nicht wohlgesinnt sind und ausplündern wollen“.

Am Rande der Kundgebung gab es unterdessen Wirbel um die Gegendemo der Anti-Nazi-Koordination. Diese war ursprünglich für die Hauptwache angemeldet, die Teilnehmer wechselten aber zum Roßmarkt. Polizisten drangen in die Menge vor, es gab kleinere Schubsereien. Nach Verhandlungen zwischen der Polizei und Stoodt durfte die Gegendemo aber bleiben.

Am Ende der Kundgebung geleitete die Polizei die Ex-Pegidas durch einen Tiefgaragenabgang vom Versammlungsort weg. Hunderte Gegendemonstranten formierten sich zu einem spontanen Aufzug, der in Begleitung der Polizei erst auf die Zeil und dann am Frankfurter Hof und Schauspiel vorbei durch das Bahnhofsviertel zog. Am Hauptbahnhof zerstreute sich das Feld der Demonstranten schließlich.

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