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Demo und Krawall in Frankfurt

Von Hunderte linke Demonstranten   - darunter auch Krawallmacher   - haben gestern gegen die Räumung des besetzten Hauses im Kettenhofweg 130 protestiert. Am Ende des weitgehend friedlichen Umzugs flogen Steine und Böller.
An der Alten Oper wurden Rauchbomben gezündet. Bilder > An der Alten Oper wurden Rauchbomben gezündet.
Frankfurt. 

Am Roßmarkt, dem Sitz der Franconofurt AG, trauen die linken Aktivisten ihren Augen nicht. Christian Wolf, Geschäftsführer des Immobilienunternehmens, steht mit einem Fahrrad am Straßenrand und schaut sich den Protestzug an. Es handelt sich, wohlgemerkt, um den Mann, der den Kettenhofweg 130 kaufte und am Montag räumen ließ. Und wegen der Räumung des besetzten Hauses, in dem knapp zehn Jahre lang das Studentenprojekt IvI seinen Sitz hatte, sind jetzt mehrere Hundert Demonstranten und ebenso viele Polizisten auf der Straße.

Einige Aktivisten sind sofort auf Hundertachtzig, sie schreien Wolf Kraftausdrücke entgegen und reißen eine Absperrung um. Gepanzerte Polizisten stellen sich vor den Immobilienunternehmer. Es dauert einige Zeit, bis sich die Lage entspannt. Die Protestler - die Polizei spricht von 850, das IvI von 2000 - setzen sich wieder in Bewegung. Es war einer der brenzligen Momente bei der „Tag X   +   1“-Demo, die sich gestern vom Kaisersack am Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Uni-Campus in Bockenheim schlängelte.

Brenzlige Lage

Dass es bei dem Protestmarsch heikel werden könnte, war schon beim Start um 19 Uhr klar: An der Spitze formierte sich ein etwa 150 Personen starker Schwarzer Block aus mit Kapuzen, Tüchern und Sonnenbrillen vermummten Aktivisten. Schon nach wenigen Minuten stürmte der Block nach einem Countdown blitzartig einer Polizeikette entgegen, so dass es zu einem Gerangel kam. Der weitere Demo-Verlauf inklusive Zwischenstopps an der Alten Oper und am IvI verlief weitgehend friedlich - von etwas Pyrotechnik und ein paar Böllern mal abgesehen.

Eingeworfene Scheiben

Erst nach dem Ende des Umzugs auf dem Bockenheimer Campus kam es zu Ausschreitungen. Der Schwarze Block teilte sich in Kleingruppen auf, die in verschiedene Richtungen abschwirrten. Böller wurden auf Polizisten, Steine auf Scheiben geschleudert. An einem Hörsaalgebäude auf dem Campus Bockenheim gingen gleich mehrere Scheiben zu Bruch.

Einige Krawallmacher nahmen in der Robert-Mayer-Straße eine Baustelle auseinander und schossen mit Leuchtspurmunition auf Polizisten, andere attackierten in der Gräfstraße ein Zivilfahrzeug der Polizei mit Steinen. Einen Überblick über die Lage hatte gegen 23 Uhr niemand. Das Ausmaß der Schäden stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Großer Unmut

Die „Tag X   +   1“-Demo hatte das IvI schon im Februar angekündigt. Im damals besetzten Sigmund-Freud-Institut machten Aktivisten ihrem Ärger darüber Luft, dass das Landgericht der Franconofurt grünes Licht für die IvI-Räumung gegeben hatte. Für den Fall, dass die Firma von dem Räumungstitel Gebrauch macht, stellten die Aktivisten weitere Hausbesetzungen in Aussicht.

Wie schon die Spontan-Demo am Dienstag war auch der gestrige Protestmarsch nicht angemeldet worden. Über die voraussichtliche Teilnehmerzahl konnten Ordnungshüter und Aktivisten deshalb nur spekulieren. Dass der Umzug größer werden würde als derjenige am Dienstag erwarteten alle Beteiligten. Tatsächlich reisten gestern auch auswärtige Aktivisten an, etwa aus Mainz, wo die Polizei im August ebenfalls ein selbstverwaltetes Zentrum geräumt hatte.

Die Sicherheitsbehörden stuften die vom IvI als „bundesweit“ deklarierte Demo als brisant ein, weil im Internet vereinzelt zu Krawall aufgerufen worden war. Außerdem war es am Dienstag bei einer IvI-Solidaritätskundgebung in Hamburg zu Ausschreitungen gekommen.

Morgen soll in der Stadtverordnetenversammlung über einen gemeinsamen Antrag der SPD, der Linken und der Piraten beraten werden. Die drei Fraktionen sprechen sich für Verhandlungen mit dem IvI aus. Dies mit dem Ziel, den Aktivisten „geeignete städtische Liegenschaften“ zur Fortführung ihrer Arbeit anzubieten.

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