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Bau des Riederwaldtunnels: Demonstranten halten Beginn des Tunnelbaus für unnötig

Von In diesem und im nächsten Winter werden zahlreiche Bäume am Erlenbruch gefällt: Sie stehen den Vorarbeiten für den Bau des Riederwaldtunnels im Weg. Dass diese Arbeiten schon nötig sind, bezweifelt die Bürgerinitiative des Stadtteils – Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sieht das anders.
Mit beleuchteten Engelsgestalten, Taschenlampen und St.-Martinslaternen demonstrierten Riederwälder gestern gegen die anstehenden Baumfällungen. Foto: Rainer Rüffer Mit beleuchteten Engelsgestalten, Taschenlampen und St.-Martinslaternen demonstrierten Riederwälder gestern gegen die anstehenden Baumfällungen.
Riederwald. 

Die Straße Am Erlenbruch entlang ziehen Kinder mit bunten St.-Martinslaternen, ganz in weiß gekleidete Engelsfiguren des Antagon-Theaters und Demonstranten mit großen, rot-weißen Transparenten. Rund 80 Menschen demonstrierten gestern Abend gegen das Fällen von fast 50 Bäumen. Sie sollen in diesem Winter bei Vorarbeiten für den Bau des Riederwaldtunnels fallen. Doch es gehe um mehr als nur die Bäume, erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald, Rainer Frey: „Wir haben das Gefühl, wir erreichen den hessischen Verkehrsminister, Tarek Al-Wazir, gar nicht. Er scheint gar nicht zu wissen, was hier vor sich geht.“

Ob er nicht wisse, dass an der Pestalozzischule während der Arbeiten am Riederwaldtunnel zweieinhalb Jahre lang Lärmgrenzwerte „extrem“ überschritten würden?, fragt die BI Tarik Al-Wazir (Grüne) in einem offenen Brief. Das vormittags 300 Kinder und nachmittags 200 Kinder im Gebäude seien, dass der Schulhof vor dem Lärm nicht geschützt werde? Deshalb stehe der „Laternen-Demo“, wie die BI ihre Aktion nennt, unter dem Motto „Erleuchtung für Al-Wazir“.

Zweieinhalb Jahre Lärm

Der zu erwartende Lärm für die Grundschule ist das eine Sachthema an diesem Abend. Das aus Sicht der Demonstranten drängendere sind jedoch die Bäume, die die Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil fällen will. Sie müssen für die nun beginnenden Vorarbeiten für den Tunnelbau weichen: Drei „Leitungsbrücken“ entstehen, auf denen all jene Leitungen über die künftige Baustelle geführt werden, die bislang noch im Erdreich liegen. Die drei Bauwerke werden anschließend ein Teil der Tunneldecke (wir berichteten). Andere Bäume weichen beim Bau des Nord- und Südsammlers, die Grundwasser ableiten.

Gegen das Abholzen wendet sich auch die von der Riederwälderin Catherine Béroud gestartete Petition im Internetportal www.change.org an Al-Wazir. Diese unterstützten bis gestern Abend 791 Personen. Nur die Kastanienallee am Erlenbruch, so Béroud, schütze die Anwohner noch etwas vor Dreck und Lärm. Deshalb sollte diese erst gefällt werden, wenn alle Genehmigungen für den Tunnelbau vorliegen.

Wie viele Bäume fallen, zählen Hessen Mobil und die Bürgerinitiative unterschiedlich. Der Minister nennt in einem Brief an die Bürgervereinigung Nordend (BVN) 46 Bäume und „vereinzelt flächenhafte Gehölzbestände, die mit Bäumen und Strauchwerk bewachsen sind“ für die beiden kommenden Winter. Die BI hingegen zählt schon für nun beginnenden Winter 48 Bäume, einschließlich jener in den Gehölzen.

Fällarbeiten sind rechtens

Auch darüber, ob die Arbeiten schon jetzt beginnen müssen, gehen die Meinungen auseinander. „Leider müssen für die Umsetzung der Baumaßnahmen bereits in diesem Winter die ersten Bäume gefällt und Gehölzflächen gerodet werden“, schreibt Al-Wazir. Die Arbeiten seien rechtens, da sie auf einem Planänderungsbeschluss vom 21. Februar 2017 beruhen, der nicht beklagt worden und somit bestandskräftig sei.

Anders sieht das die BI. „Zwar dürfen die Vorarbeiten gemacht werden, aber die haben jetzt noch keinen Sinn. Denn Baurecht für den Tunnel gibt es erst, wenn die dafür nötigen Planänderungen vom Gericht abgesegnet sind“, sagt Frey. In zwei Jahren sei das sicher noch nicht der Fall, denn schon jetzt sei sicher, dass Bürger und Initiativen gegen diese Planänderung klagen – und der Baubeginn sich um weitere verzögere. Jahre, die man mit den Vorbereitungsarbeiten sowie dem Fällen der Bäume also noch warten könnte. „Stattdessen gibt es nun einen Kahlschlag im Riederwald.“

Nein, einen Kahlschlag gebe es nicht, sagt Al-Wazir. Gefällt würden nur so viele Bäume, wie für die Vorarbeiten nötig seien. „Die weit überwiegende Zahl der Bäume, und somit auch der Alleencharakter, werden bis zu den Bauarbeiten für den Riederwaldtunnel erhalten bleiben.“ Schließlich solle der Tunnel zügig fertig werden, damit die Anwohner nicht übermäßig lange unter der Baustelle leiden.

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