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Demos gegen Wohnungsnot und für Occupy

Erst demonstriert in der Innenstadt die Occupy-Bewegung anlässlich ihres einjährigen Bestehens in Frankfurt. Anschließend fordert das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) mehr bezahlbaren Wohnraum in der Mainmetropole.
Wohnraum her! Studenten schlagen Alarm. Wohnraum her! Studenten schlagen Alarm.
Frankfurt. 

Nicht mal ein Prozent der Stadtbevölkerung demonstriert hier in der Innenstadt, die 99 Prozent schauen nur zu: Etwas mehr als 100 Teilnehmer ziehen vom Rathenau-Platz in Richtung Zeil, dann weiter vor den Römer. Der Protest, so scheint es mitunter, ist so ziemlich gegen alles gerichtet, was auf dem Planeten schief läuft: Gegen mafiöse Lobbyisten in der Politik, gegen Rohstoffspekulationen an Börsen, bis hin zu Erdölbohrungen in der Arktis oder Hartz4-Tote in Frankfurt.

Ein Jahr ist Occupy alt

Ein Jahr ist es her, als sich Tausende auf dem Willy-Brandt-Platz versammelten, um Systemkritik zu üben. Ein Teil von ihnen harrte danach noch Monate in Zelten vor der EZB aus. Die Politik soll während dem heutigen "Global Noise Day" lautstark daran erinnert werden, dass "noch immer die Habgier Amok läuft", hat die Occupy-Bewegung zuvor angekündigt.

Auch wenn der Mercedes-LKW, der die Musik und die Redner der Aktion transportiert, länger ist als der Demonstrationszug dahinter – laut sind die Teilnehmer allemal. Mit Kochtöpfen-, deckeln, Rasseln und Trillerpfeifen bewaffnet, strapazieren sie die Trommelfelle der Einkaufenden und Touristen in der Innenstadt. Manche ziehen leere Konservendosen an ihren Fahrrädern über den Asphalt. Andere demonstrieren symbolisch mit Schutzschirmen gegen das System.

Kurz nach 14 Uhr trifft der Protestzug vor dem Römer ein. Ein Botschaft für "Marko" Frank soll überbracht werden. Die Stadt hatte ein Verfahren gegen ihren Ordnungsdezernenten, der eigentlich Markus Frank heißt, verhindert. Für die Occupier ist dies ein weiterer Beweis, wie der politischen Willkür in Frankfurt die Tür geöffnet wird.

Einer der Redner vor dem Römer ist Thomas Occupy, Mitorganisator der Demo, aber nicht ihr Sprecher, wie er mehrmals betont. Die geringe Beteiligung an der heutigen Aktion überrascht ihn nicht: "Wir haben gewusst, dass es nicht groß wird, schließlich finden heute in ganz Frankfurt mehrere dezentrale Protestaktionen und Diskussionen statt."

Thomas ist seit letztem Jahr dabei, zuvor war er das letzte Mal vor 30 Jahren politisch aktiv. Es sei nicht Frust, der ihn zu Occupy geführt habe. "Nein, Frust behindert nur. Ich sehe lediglich die Möglichkeit, etwas zu ändern", erklärt er.

Leicht enttäuscht von der geringen Mobilisierung ist Aktivist Helmut (52). Für ihn manifestiert sich der Erfolg der heutigen Occupy-Aktion allerdings über die Stimmung. "Und die ist gut", sagt Helmut. Die Bewegung sieht er "auf einem guten Weg".

Protest geht weiter

Nach Ende der Demo ist der Tag des Protest in Frankfurt allerdings noch lange nicht vorbei. Manche Teilnehmer zieht es auf den Frankfurter Berg zu einer bunten "13O Noise Performance", gleiches ist an der Konstablerwache geplant. Die meisten jedoch machen sich zum Hauptbahnhof auf.

Unweit davon, im Kaisersack, formiert sich gegen 15 Uhr die größte Demo des Tages. Etwa 800 Menschen, hauptsächlich Studenten, junge Linke und Autonome, demonstrieren für mehr bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt und für den Verbleib im angeblich "akut von einer Räumung betroffenen" Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) im Kettenhofweg 130 im Westend.

Sie nehmen ebenso die Route durch die Innenstadt. Am Roßmarkt beklagt Anja vom Asta Frankfurt, dass es mittlerweile einem Lotteriegewinn gleiche, wenn Studenten in Frankfurt eine bezahlbare Wohnung finden. "Nur 3 Prozent der Studenten bekommen noch einen Platz im Wohnheim", sagt Anja.

Vor der Alten Oper droht die Demo mit der Besetzung des Gebäudes. Die Polizei sichert hastig den Haupteingang und wird genarrt. Vor der Messe fordern die Teilnehmer erneut zur Besetzung auf. Diesmal lässt sich die Polizei nicht verschaukeln. Gegen 18.30 Uhr läuft die Abschlusskundgebung vor dem Bockenheimer Depot. Eine zuvor von der Alten Oper gestartete Fahrrad-Demo, Teil von "Global Noise 13O", schließt sich den noch verbliebenen knapp 100 Teilnehmern an. Um 21 Uhr macht der harte Kern des wütenden Promilles Schluss vor der Paulskirche. bki

(Benni Kilb)
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