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Den Main im Stehen erobern

Stand Up Paddle heißt der neueste Wassertrendsport aus den USA, der inzwischen auch heimische Wasserratten begeistert. FNP-Mitarbeiter Mirco Overländer hat sich die kuriose Mischung aus Surfen und Paddeln einmal auf dem Main angeschaut.
Von Oberrad ging‘s Richtung Alte Brücke und anschließend wieder zurück. Von Oberrad ging‘s Richtung Alte Brücke und anschließend wieder zurück.
Oberrad. 

Bereits als die sechs erfahrenen Wassersportler um Surflehrer Robin Kassel (33) ihre modifizierten Surfbretter zur Anlegestelle des Oberräder Ruderdorfs tragen, ernten sie die ersten fragenden Blicke erstaunter Passanten. Stand Up Paddle oder kurz SUP nennen sie ihre eigenartige Sportart. Im Wesentlichen geht es darum, sich auf einem 2,8 Meter langen und rund 80 Zentimeter breiten Spezial-Surfbrett aufrecht durchs Wasser zu bewegen. Das ist zunächst leichter gesagt als getan.

Kaum sind die SUP-Boards zu Wasser gelassen, wird die graue Theorie einem mitunter feuchtfröhlichen Praxistest unterzogen: Die kniende Ausgangsposition gegen den aufrechten und stabilen Stand einzutauschen, erfordert bereits einiges Geschick. Wassersport-Lehrer Robin Kassel demonstriert, wie es geht, und erzählt gleichzeitig, wie der Sport entstand: "Diese Fortbewegungsform wurde von polynesischen Fischern entwickelt, ist dann aber in Vergessenheit geraten. Erst vor einigen Jahren wurde SUP in den USA wiederentdeckt – weil Surflehrer ihre Schüler von einem SUP-Board sehr gut beobachten und instruieren können", erklärt Kassel, der sein Hobby zum Beruf machte und hauptberuflich bei der Firma Windsurfing Rhein-Main arbeitet.

Nachdem das Stehen abgehakt ist, kommt der sachliche Gebrauch des beidhändig zu führenden, höhenverstellbaren Paddels an die Reihe. Im Rahmen des zweistündigen und 45 Euro teuren Anfänger-Crashkurses geht es gleich ans Eingemachte: Jeder Fehler wird mit einem Sturz ins kalte Nass quittiert. Zum Glück sind schützende Neoprenanzüge im Preis enthalten. Je nachdem, ob man das Paddel links oder rechts des Boards zu Wasser lässt, steuert man in die entgegengesetzte Richtung. Wer weit und tief ausholt, der nimmt umso mehr Fahrt auf. Eine nicht zu geringe Grundgeschwindigkeit ist besonders dann von Vorteil, wenn ein Schiff den Main passiert – denn dessen Wellengang bringt das SUP-Board bedrohlich ins Wanken. Da hilft nur eine lockere Haltung, entsprechende Gewichtsverlagerung und fleißiges Paddeln.

Nach gut 20 Minuten sollte auch der ungeübte Anfänger sein Brett soweit im Griff haben, dass einer gemütlichen Fahrt über den Main nichts mehr im Wege steht. Robins 15-jähriger Bruder Christoph ist erst zum dritten Mal dabei und verhält sich wie ein alter Hase. Auch SUP-Anfängerin Nicky (29) hat keinerlei Probleme mit der Navigation ihrer treibenden Kunststoffinsel. Die geübte Wakeboarderin verfügt über einen guten Gleichgewichtssinn und fällt kein einziges Mal ins Wasser. So paddelt die Gruppe gemächlich die 1,5 Kilometer lange Strecke bis zur Alten Brücke und zurück. Währenddessen fotografieren und kommentieren einige verdutzte Flaneure das seltsame Treiben.

Robin Kassel und seine Kollegen schätzen an SUP vor allem die Kombination aus dosierbarem Ganzkörpertraining und der unmittelbaren Nähe zur Natur. Wer eines der 600 bis 1200 Euro teuren Spezial-Surfbretter sein Eigen nennt, kann jederzeit auf eigene Faust auf den Fluss oder See seiner Wahl hinauspaddeln, sich einfach von der Strömung treiben lassen oder zusammen mit Freunden um die Wette paddeln. Selbst auf dem Main braucht es hierzu keine Genehmigung, da es sich um eine öffentliche Wasserstraße handelt.

Allzu verträumt sollte man jedoch auch während ruhiger Minuten ohne Wellengang nicht vor sich hin paddeln. Denn anders als bei einem Kanu ist stets ganzer Körpereinsatz gefragt, um nicht binnen Sekunden das Gleichgewicht und den stets wackeligen Boden unter den Füßen zu verlieren.

Gleichwohl ist SUP ein Sport für jedermann. Egal ob als abendlicher Ausgleich zum stressigen Bürojob oder als fünfstündige Wochenendtour durch die Natur: Die Jungs von Windsurfing Rhein-Main bieten für jeden Geschmack das passende Angebot und sind auch ohne Kundschaft mehrmals wöchentlich auf dem Main unterwegs. Denn SUP birgt ein ungemeines Suchtpotenzial.

Mehr Infos zu den fast täglich angebotenen Touren gibt es unter www.windsurf.de im Internet.

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