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Denkfabrik auf dem Riedberg wird zehn Jahre alt

Von Das „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ ist eine Erfolgsgeschichte auf dem Universitätscampus Riedberg. Gestern feierten Stifter und hochrangige Forscher zehnjähriges Bestehen der Einrichtung.
Kluge Köpfe: Meinhard Schmidt-Degenhard (v. l.) im Gespräch mit Volker Lindenstruth, Hannah Petersen und Wolf Singer.	Foto: Rüffer Kluge Köpfe: Meinhard Schmidt-Degenhard (v. l.) im Gespräch mit Volker Lindenstruth, Hannah Petersen und Wolf Singer. Foto: Rüffer
Frankfurt. 

Am Anfang standen der Physiker Walter Greiner und der Hirnforscher Wolf Singer. Sie hatten ein gemeinsames Problem. Um komplexe Vorgänge studieren zu können, braucht es enorme Rechenkraft. Am besten eine eigene Infrastruktur, eigene Rechnerkapazität, ein eigenes Institut.

Um Geld geworben

Für den damaligen Unipräsidenten Prof. Rudolf Steinberg war das 2004, vor zehn Jahren also, etwas Neues. Er unterstützte. Er warb bei der Landesregierung, er warb bei Stiftern und Sponsoren. Denn ohne Geld geht nichts. Vor zehn Jahren schließlich wurde dann das „Frankfurt Institut for Advanced Studies“ (Fias) gegründet.

„85 Prozent des Budgets kommt von Drittmittelgebern“, berichtete Steinberg bei der Feier, die, von Meinhard Schmidt-Degenhard (Hessischer Rundfunk) moderiert, gestern im Fias stattfand. „Es ist die Verkörperung von Spitzenforschung, Vernetzung, Nachwuchsförderung, Selbstorganisation.“ Damit, so Steinberg, sei das Fias so etwas wie die Generalprobe für die spätere Unabhängigkeit der Hochschule in Form einer Stiftungsuniversität gewesen.

Für das Fias waren Köpfe wie Greiner und Singer wichtig. Sie hatten als arrivierte Forscher schon lange erkannt, dass ihre theoretischen Fächer nicht wirklich die Komplexität ihrer Gegenstände bewältigen konnten. „Zugleich stellte sich heraus, dass diese Komplexität in der Teilchenphysik, der Neurowissenschaft und der theoretischen Biologie und Chemie ziemlich ähnlich ist“, erläuterte Singer. So entstand das Fias als Denkfabrik. Junge Wissenschaftler aller involvierten Fachrichtungen sollten dort für eine bestimmte Zeit forschen können, indem sie die Methoden, die die Mathematiker für die Behandlung komplexer und chaotischer Systeme bereitstellen, auf ihr eigenes Fachgebiet anwenden.

Die ersten zehn Jahre des Fias haben gezeigt: Es funktioniert. Neurowissenschaftler und Physiker entdecken Gemeinsamkeiten in ihrer Forschung und verfolgen sie. In dem roten Gebäudekomplex nördlich der Max-Laue-Straße entsteht neues Wissen. 120 Wissenschaftler aus mehr als 20 Ländern arbeiten gezielt an Problemen und nutzen die Rechenkraft von Computern, die Fias-Vorstand Prof. Volker Lindenstruth entwickelt.

Sparsamer Großrechner

Gerade jüngst hat Lindenstruths Team den Titel für den energieeffizientesten Großrechner der Welt erhalten. Er steht in Darmstadt, bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung. Die Physiker, die am Fias arbeiten, berechnen jetzt schon Experimente, mit denen in einigen Jahren am neuen GSI-Beschleunigerring „Fair“ Zustände wir kurz nach dem Urknall simuliert werden können. Prof. Hannah Petersen (32) ist daran beteiligt. „Wir wollen wissen, wie die Materie entstanden ist, aus der wir bestehen“, sagt sie.

Die drei Väter des Fias, Greiner, Singer und Steinberg, sehen ihr Kind nach zehn Jahren auf eigenen Beinen gehen. Die Finanzierung ist gesichert – gerade wieder zum Zehnjährigen haben das Ehepaar Giersch und Johanna Quandt je eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Das Land zahlt die Miete und die Betriebskosten der kleinen Denkfabrik, die Gehälter werden mit Drittmitteln bestritten. 63 Millionen Euro wurden im Lauf der vergangenen zehn Jahre eingeworben, davon 25 Millionen von Stiftungen und privaten Spendern. Wie Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl sagte, ist das Fias mit einem Jahresbudget von acht bis zehn Millionen Euro gut ausgestattet, um die Fragen der Zukunft zu beantworten.

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