E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Der Bischof spaltet die Kirche

Auch wenn Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seit gestern in Rom weilt: In Frankfurt ist er allgegenwärtig.
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: Fredrik von Erichsen/ Archiv Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: Fredrik von Erichsen/ Archiv
Frankfurt. 

„Was ist schon ein Apfel gegen 31 Millionen?“ Diesen Satz gab ein Messdiener der katholischen Gemeinde St. Bartholomäus gestern den Besuchern der Heiligen Messe zusammen mit einem Apfel zum Erntedank mit auf den Heimweg. Und sprach damit das aus, was auch im Gottesdienst zu spüren, aber nicht zu greifen war. Der in die Kritik geratene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist derzeit allgegenwärtig. So wurde der Geistliche in den Fürbitten wie gehabt bedacht. Nach dem Gottesdienst wollte sich allerdings niemand der rund 40 Gläubigen zu den Schlagzeilen über den Bischof äußern.

 

Lager sind entzweit

 

Wann Tebartz-van Elst nach Rom aufbrach, und ob er wirklich dort ankam, interessiert Martin Sauer, Pfarrer im Pastoralen Raum Frankfurt-Höchst, nicht. „Viel wichtiger ist doch, dass es eine tragbare Perspektive für die katholische Kirche gibt“, sagt Sauer. In den Gemeinden gebe es zwei Lager: Kritiker und Befürworter. Das dürfte die Gemeinden nun allerdings keinesfalls entzweien.

Hier geht es zu unserem Tebartz-van Elst-Special
 

Sauer selber ist zwiegespalten, kann sich eine weitere Zusammenarbeit so nicht vorstellen, verurteilt jedoch auch die „Treibjagd, die auf den Bischof gemacht wird“. Schwierig werde es, wenn er gestärkt aus Rom zurückkomme. „Dann ist es ein römisches Problem“, sagt Sauer.
 

Andreas Gottselig, Ehrenamtlicher für Frankfurter katholische Einrichtungen, ist „gegen eine vorschnelle Aburteilung“. Er sieht den Bischof jedoch am Zug, das Vertrauen der Gläubigen wieder einzuholen. „Wer konnte jemals glauben, ein solches Bauvorhaben sei für angeblich kalkulierte 2,5 Millionen Euro zu realisieren? Es stellt sich die Frage, welche sonstigen Personen aus dem Bistum Limburg Anteil an solchen Entwicklungen haben. Gläubige katholische Christen können und wollen Fehler verzeihen, doch die Zusammenhänge müssen deutlich werden. Dafür aber muss der Bischof persönlich sprechen und zur Aufklärung beitragen, wenn er noch Vertrauen in seinem Bistum zurückgewinnen will.“

 

Entscheidung in Rom

 

Für Andreas Hansert, ehemaliger Pfarrgemeinderatsvorsitzender von Sankt Michael, ist der Bogen überspannt. „Wie kann ich mir als Katholik noch ein Vertrauensverhältnis zu einem Bischof mit hohen Zielen und moralischen Ansprüchen vorstellen, wenn selbst hochrangige Amtsträger wie Kardinal Joachim Meisner und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch von ihm abrücken? Es bleibt zu wünschen, dass in Rom die richtigen Entscheidungen getroffen werden, welchen Platz Tebartz- van Elst künftig in der katholischen Kirche einnehmen kann.“
 

Joachim Heidersdorf
Leitartikel: Herde ohne Hirte

Seit einer Woche ist die Entscheidung überfällig - nur der Betroffene und ganz wenige Unbeirrbare wollen sie immer noch nicht wahrhaben.

clearing



Dr. Horst Sewerin
Skandal-Bischof: Das sagen die Gläubigen

Der Skandal um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Das sagen die Gläubigen.

clearing

 

Bilderstrecke Limburg: Protest gegen Tebartz-van Elst
Aus Protest gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst haben Kritiker die Glocken des Doms am 13. Oktober 2013 (Sonntag) um 12 Uhr 13 Mal schlagen lassen. Die Aktion «Jetzt schlägt's 13» war der Auftakt einer Demonstration frustrierter Katholiken auf dem Domplatz. Fotos: dpa, Sascha Braun (6)Nach Polizeiangaben waren rund 150 bis 200 Menschen gekommen. «Ich bete für die Heilung von der Großmannssucht unseres Bischofs», sagte einer der Gläubigen.Der Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar erklärte am Sonntag, die Kritiker wollten nicht «nachtreten», sondern Ideen entwickeln, wie es mit dem Bistum Limburg weitergehen solle.



Bilderstrecke Geheime Bilder von der Baustelle des Bischofs
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll die Kosten für den neuen Bistumssitz durch Protz und Luxuswünsche auf satte 31 Millionen Euro in die Höhe getrieben haben. Wir konnten einen Blick auf die derzeit wohl umstrittenste Baustelle Deutschlands werfen. Die beginnende Bebauung hinten rechts sind die Technikräume und der Keller bzw. eine mutmaßliche zweite Wohnung unter der Bischofswohnung. Fotos: FNPIm Hintergrund ist das Küsterhaus zu sehen, rechts davon ein Teil der historischen Mauer.Blick von der heutigen Einfahrt in die Baustelle mit dem Diözesanmuseum im Hintergrund.


Bilderstrecke Exklusive Bilder vom Bischofssitz
Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus steht auf einem rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück auf dem Limburger Domberg - rechts und links eingefasst von historischen Stadtmauern, im Hintergrund das Diözesanmuseum (9), das nicht zum Komplex gehört. Der Garten (10) mit den vier Rasenfeldern (ganz hinten) zählt aber noch dazu. Im Fachwerkhaus (1), in der Alten Vikarie, haben der Bischof und seine engsten Mitarbeiter ihre Diensträume. Im ehemaligen Küsterhaus (2) wohnen jetzt zwei Ordensschwestern, die den Haushalt des Bischofs versorgen. Im Neubau aus fränkischem Kalkstein sind unter anderem die Wohnung des Bischofs (8), die Bibliothek (7) und Konferenzräume (4) sowie das Foyer (3) untergebracht. Die schwarze Kapelle 2 überragt die Flachdachbauten und grenzt an den Innenhof 1 . Foto: Reinhard LangschiedEs folgen weitere Luftaufnahmen der bischöflichen Residenz.


Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg
Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.


Bilderstrecke Die Protzliste des Luxusbischofs
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird von allen Seiten für die Kostenexplosion des Neubaus seiner Residenz in Limburg kritisiert. Insgesamt wurden für den Bau sagenhafte 31 Millionen Euro ausgegeben, ursprünglich geplant waren 2,5 Millionen. Foto: dpaNoch im Juni 2013 hieß es, die Gesamtkosten beliefen sich auf »nur« 10 Millionen Euro, vier Monate später ist der Stand beim Dreifachen, eventuell sogar Vierfachen. Laut "Welt am Sonntag" vom 13.10.2013 sollen sich die Gesamtkosten inkl. Straßen- und Gebäudeschäden durch den Bau auf 40 Millionen Euro belaufen. Foto: dpaFür den Bau der Wohnung waren 200.000 Euro eingeplant, letztendlich entstanden Kosten von 2,98 Millionen, wohlgemerkt ohne Innenausstattung. Hinzu kamen unter vielem anderen die Schreinerarbeiten für Einbauschränke, Kostenpunkt: 350.000 Euro und ein Konferenztisch für 25.000 Euro. Der Schränke soll laut Bild-Zeitung ein ehemaliger Oberministrand des Bischofs in Münster geliefert haben. Foto: dpa

 

(got,)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen