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Areal im Frankfurter Norden soll geschützt werden: Der Grüngürtel-Park kommt: Doch keine Neubaugebiete

Von Endlich soll der Grüngürtelpark Nieder-Eschbach dank Koalitionsvertrag in den Frankfurter Grüngürtel eingegliedert werden. Die gleichzeitige Absage an weitere Neubaugebiete stößt bei Naturschützern auf breite Zustimmung. Aber die Landwirte haben eine andere Sorge.
Der Pfingstberg, der vom Oberbürgermeister Peter Feldmann für eine Wohnbebauung ins Spiel gebracht wurde, soll in den Grüngürtel-Park integriert werden. Foto: Rainer Rueffer Der Pfingstberg, der vom Oberbürgermeister Peter Feldmann für eine Wohnbebauung ins Spiel gebracht wurde, soll in den Grüngürtel-Park integriert werden.
Frankfurter Norden. 

Auf ihrer Homepage bewirbt die Stadt den Grüngürtelpark Nieder-Eschbach, der mit einer Fläche von 240 Hektar den Naturraum zwischen Bonames, Nieder-Eschbach und Harheim einbezieht, gerne als „Landschaftsbild mit traditionell weiten Feldern und Gartenbauflächen“. Doch einige Landwirte und Gemüsegärtner befürchten genau den Verlust dieser Flächen: „Ich habe bereits in der Umgebung des Pfingstbergs 2,25 Hektar durch Aufforstung oder Umwandlung verloren, nach der derzeitigen Vorplanung könnten es bis zu zehn Prozent meiner 65 Hektar Ackerfläche werden“, sagt die Nieder-Eschbacher Landwirtin Claudia Seiboldt.

Landwirtin Claudia Seiboldt und Kreislandwirt Matthias Mehl mit den Plänen für den Grüngürtelpark. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Landwirtin Claudia Seiboldt und Kreislandwirt Matthias Mehl mit den Plänen für den Grüngürtelpark.

Denn besagte Homepage wirbt ebenso mit einer „Landschaft im Wandel“ und der Pflanzung von Sträuchern, Einzelbäumen und Baumgruppen, die als „weithin sichtbare Zeichen einer aufgeräumten Felderlandschaft“ zum Verweilen einladen sollen. Was bereits geschieht, wie Kreislandwirt Matthias Mehl bei einer Rundfahrt anhand eines Spaziergängers mit Hund verdeutlicht: „Wenn der Hund angeleint auf dem Weg bleibt, ist das ja auch in Ordnung“, betont er. Doch wenn die Tiere ausgelassen durch die Felder preschen, da weit und breit kein Schild mit Anleinpflicht zu sehen ist, droht auch hier ein Interessenkonflikt zwischen Naturfreunden und Landwirten.“

Landwirte einbeziehen

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) zeigt sich für Maßnahmen wie Verbotsschilder offen, sofern diese erfolgversprechend seien: „Wir werden auf jeden Fall auf die Landwirte zugehen und sie mit ihren Nutzflächen und Sorgen um Verluste in die Planung einbeziehen“, verspricht sie. Derzeit handele es sich noch um eine Vorstudie für den Grüngürtelpark Nieder-Eschbach, der vor 14 Jahren aus einer Planungswerkstatt mit Bürgerwettbewerb als „Stadtpark Nieder-Eschbach“ entstand. Bereits 2001 forderte der Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach) die Umbenennung in „Grüngürtelpark“.

Ein erster Schritt der Eingliederung in den Grüngürtel, die nun nach einer Vereinbarung im Koalitionsvertrag sukzessive erfolgen soll. „Das Umweltdezernat wird eine Magistratsvorlage erarbeiten, damit der nötige Beschluss noch in diesen Jahr oder spätestens im Frühjahr 2017 gefasst werden kann“, erklärt Heilig.

Zusammen mit der Vereinbarung, Zonen des Grüngürtels von der weiteren Bebauung mit Wohnquartieren auszunehmen, ist der Grüngürtelpark Nieder-Eschbach zugleich eine deutliche Absage an einen Stadtteil auf dem Pfingstberg, den Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) noch im vergangenen April gefordert hatte. „Wir brauchen den Grüngürtel als Schutz der wertvollen Landschaftsflächen mit ihrer Flora und Fauna ebenso wie zur Regulierung des Stadtklimas durch Frischluftschneisen“, betont die Umweltdezernentin, die deshalb auch die Bebauung des Riedbergs bis heute für problematisch hält.

Flächen verloren

„Wir begrüßen den Grüngürtelpark Nieder-Eschbach auf jeden Fall als Schutz vor weiterer Wohnbebauung. Doch die Sorgen der Landwirtschaft müssen ernst genommen werden“, betont Kreislandwirt Matthias Mehl. „Wir haben bisher lediglich eine erste Vorplanung erstellt und werden natürlich nicht gegen die Landwirte handeln“, beteuert Volker Rothenburger, Leiter der Naturschutzbehörde im Umweltdezernat. Bei der Fläche, die Seiboldt bislang verloren habe, gehörten 1,25 Hektar zu einer vorgeschriebenen Wiederaufforstungsmaßnahme als Ersatzgebiet für das Baugebiet Rebstock.

Mit dem Landrover geht’s durch die Eschbachfurt, die für die Landwirtschaft angelegt wurde. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Mit dem Landrover geht’s durch die Eschbachfurt, die für die Landwirtschaft angelegt wurde.

Doch Seiboldt verweist auf bis zu zehn weitere Landwirte und Gemüsegärtner in Nieder-Eschbach und Harheim, die schon in den nächsten Jahren von substanziellem Verlust ihrer Anbaugebiete betroffen sein könnten. Dem widerspricht Rothenburger: „Unsere Planungen haben auch eine langfristige Perspektive und werden nur dort in die Landwirtschaft eingreifen, wo Ackerflächen getauscht oder etwa aus familiären Gründen nicht mehr bewirtschaftet werden können.“ Somit bleiben Möglichkeiten für Ersatz, oder Landwirte könnten alternativ eine Wiese zum Beispiel für Ponys bewirtschaften.

Doch vor solchen Perspektiven warnt Seiboldt: „Landwirtschaftliche Flächen, besonders über Jahrhunderte gepachtete Ackerflächen, sind nicht vermehrbar.“ Die Planungen für die Baugebiete Eschbachtal und Bonames-Ost hätten gezeigt, dass hier der Landwirtschaft größere Flächen ohne Möglichkeiten für Ersatz verloren gehen. Und die Bewirtschaftung einer Ponywiese, auf der der Ackerbauer keine Nahrungsmittel erzeugen kann, biete ohne die baulichen Voraussetzungen für die Pferdehaltung mit Pensionsvieh keine sinnvolle Alternative.

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