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Baugebiet: Der „Josefstadt“ droht das Aus

Von Die Untersuchung, wie das neue Baugebiet nördlich und westlich der A 5 realisiert werden könnte, gestaltet sich schwierig. Neben zwei Stromtrassen entlang der Autobahn durchschneidet eine weitere das ins Visier genommene Areal genau in der Mitte. Setzt die Landesregierung die Abstandsregelung von 400 Metern durch, wäre das Baugebiet praktisch erledigt. Oder gibt es einen Ausweg?
05.09.2017. 24. Neuer Stadtteil Frankfurt Foto: Leonhard Hamerski Nach jetzigen Plänen würde die A 5 den geplanten neuen Stadtteil zerschneiden. Das ist einer von vielen Kritikpunkten an dem Projekt.
Frankfurt. 

„Josefstadt“: So nennt der Volksmund bereits das geplante Baugebiet nördlich und westlich der A 5. Er nennt es so, weil Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) diesen Namen trägt und er sich vehement für die neue Siedlung einsetzt. Allerdings droht jetzt Ungemach. Bedeutet die neue Abstandsregelung der schwarz-grünen Landesregierung nun das Ende der Josefsstadt?

Joachim Rotberg, CDU-Ortsbeirat für Heddernheim, Niederursel und die Nordweststadt, geht noch weiter: Er fürchtet, „dass die Abstandsregelung womöglich sogar dazu führt, dass das Baugebiet „Westliche Nordweststadt“, das bereits im Regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesen ist, „nicht oder nur teilweise realisiert werden kann“. Das ist aus Rotbergs Sicht bedauerlich, „denn es ist auf positive Resonanz bei den Anwohnern gestoßen und ist politisch unumstritten“.

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Der Sprecher des Planungsdezernenten Josef, Mark Gellert, sieht dagegen keine Gefahr für die geplanten Baugebiete, denn: Leitungen könne man verlegen, notfalls unterirdisch.

Kabel verlegen

Doch dem sind Grenzen gesetzt: „Im Gegensatz zu elektrischen Feldern durchdringen Magnetfelder auch Erde und Wände“, sagt der Immobilienentwickler und Diplom-Ingenieur Udo Stützer. Man könne höchstens die Stromkabel in Magnetfelder abschirmenden Leitungen verlegen. Der Effekt sei zum einen begrenzt und zum zweiten teuer.

Warum wird überhaupt über die Stromtrassen diskutiert? Von ihnen gehen gesundheitsgefährdende Magnetfelder aus. In den meisten Ländern der EU gelten daher Grenzwerte von 100 Nano-Tesla. Ab 200 Nano-Tesla steigt nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation für Kinder das Risiko, an Krebs zu erkranken. Um die Gefahr abzuwenden, kann man Sicherheitsabstände wie die geplanten 400 Meter einhalten. Will man diese Distanz unterschreiten, kann man auch Messungen machen, wie hoch die Belastung durch das von der Stromtrasse ausgehende Magnetfeld tatsächlich ist. Ist sie unter dem Grenzwert, kann auch in näherer Distanz zu Leitungen gebaut werden. So wird es beispielsweise in Bayern und bislang auch in Hessen gehandhabt. Deswegen sind bei der Bebauung des Riedbergs die Abstände deutlich unter 400 Meter ausgefallen, weil die Grenzwerte eingehalten wurden. Auch in den Stadtteilen Griesheim und Rödelheim sind die Abstände zu Stromleitungen geringer. Der Frankfurter Planungsdezernent Josef kritisiert daher, dass „mit den Pauschalabständen eine Angstmacherei betrieben wird, die nicht sachlich, sondern lediglich emotional begründet ist“. Zudem beschneide eine solche Regelung die kommunale Planungshoheit und ginge zulasten der künftigen Siedlungsentwicklung in Frankfurt.

Planungen laufen weiter

Auch wenn die Abstandsregelung kommen sollte: Die Stadt treibt die Planungen für ihr neues Wohngebiet voran, nach dem Motto: Hindernisse sind da, um überwunden zu werden. Insgesamt sollen bis zu 12 000 Wohnungen in der Josefstadt entstehen – für bis zu 30 000 Bewohner.

Der Niederurseler Ortsbeirat Rotberg ist von dem Projekt nicht begeistert. „Wir wollen nicht die Stadtrandlage und die Freiflächen als Naherholungszonen verlieren.“ In dieser Frage sei sich die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 8 mit CDU-Verbänden von Oberursel, Steinbach und Weiskirchen einig.

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