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"Der Protest geht weiter"

25 Mal ohrenbetäubender Krach, 25 Mal wütende Bürger, 25 Mal Montagsdemo gegen den Fluglärm. Woche für Woche ziehen Tausende Aktivisten lautstark durch das Terminal 1.
Die beiden Aktivisten gegen Fluglärm, Julia Wolf (35) und Jochen Krauss (54), kämpfen für die gemeinsame Sache. Fotos: Chris Christes Bilder > Die beiden Aktivisten gegen Fluglärm, Julia Wolf (35) und Jochen Krauss (54), kämpfen für die gemeinsame Sache. Fotos: Chris Christes
Frankfurt. 

Sie stehen oben, auf dem Podium, wo gleich die Reden gehalten werden. Zur gestrigen Montagsdemo sind laut Veranstalter mehr als 2000 Menschen (Polizei: 1500) gekommen.

"Und wir werden nicht weniger", sagt Jochen Krauss (54) von der Niederräder Bürgerinitiative "In Eintracht gegen Fluglärm". Er hat keine einzige der 25 Montagsdemos verpasst. Auch Aktivistin Julia Wolf (35) war immer dabei: "Das ist ein fester Termin in meinem Kalender und er ist mir wichtig. Denn wir werden letztlich die Gewinner sein. Wir dürfen nicht nachgeben."

Wir haben uns mit einigen Teilnehmern der Montagsdemo unterhalten:

Nur ein einziges Mal hat Susanne Schleifer (35) gefehlt, und da war sie krank. "Wir halten hier tapfer durch und lassen in unserem Protest nicht nach." Allerdings ist die Lärmgegnerin von der Gleichgültigkeit mancher Menschen betroffen. "Es erschreckt mich, dass viele Betroffene zu Hause bleiben, weil sie meinen, die Proteste hätten ja doch keinen Zweck. Dabei ist es ein Skandal, wie der Flughafen wegen möglichem Profit auf diese Weise mit den Menschen umgeht." Ihre Gesundheit leide stark unter dem ständigen Lärm. "Ich bin Allergikerin, und das ist schlimmer geworden, seit man mir nur noch sechs Stunden Schlaf gönnt, die ich auch noch mit Ohrenstöpseln verbringen muss."

Auf der nächsten Seite: Claudia Vopp

Nur zwei Mal hat Claudia Vopp (56) die Montagsdemos verpasst. Geht es nach ihr, dann kommt sie auch noch weitere 23 Mal. "Ich habe zehn Jahre für die Flughafenausbaugegner im Römer gegen diese Landebahn gekämpft. Da stehe ich auch diesen Protest durch. Ich bin hier, um für unsere Rechte zu kämpfen. Damals hatten wir immer wieder Anträge verfasst, aber keiner wollte uns glauben und man hat uns Panikmache vorgeworfen. Aber sehen sie sich doch um: Jetzt werden die Leute langsam wach. Das ist bei dem ganzen Lärm ja auch kein Wunder. Wir werden hier stehen und immer wieder demonstrieren, bis die Landebahn endlich wieder geschlossen worden ist und Ruhe einkehrt."

Auf der nächsten Seite: Susanne Fechter

Seit 14 Jahren engagiert sich Ursula Fechter gegen den Ausbau des Flughafens. Von den Montagsdemos hat sie bis auf eine – da musste sie zu einer Podiumsdiskussion – keine verpasst. Mit dem Thema Fluglärm hat sie auch ihren Wahlkampf als Oberbürgermeisterkandidatin geführt. Das haben auch andere getan. "Doch nach der Wahl habe ich keinen von denen hier gesehen. Man muss sich doch fragen, ob die diese Sache noch für wichtig halten, oder warum sich keiner meiner Mitbewerber, die sich im Wahlkampf gegen die Landebahn ausgesprochen haben, hier bei den Montagsdemos blicken lassen. Ich bin von diesen Politikern doch sehr enttäuscht. Offenbar nimmt sich niemand Zeit."

Auf der nächsten Seite: Volker Hartmann

Volker Hartmann: Auch Volker Hartmann (63) hat keine einzige der bislang 25 Montagsdemos verpasst. "Als Anwohner ist man jeden Tag mit dem Fluglärm konfrontiert. Deswegen werden die Demonstranten auch nicht weniger. Der Druck nimmt garantiert nicht ab. Im Gegenteil: Er wird sich in den kommenden Wochen noch weiter erhöhen." Der Aktivist glaubt, dass vor allem der Sommer mehr Protest bringen wird. "Denn dann sitzen die Menschen in ihren Gärten und merken, dass diese nicht mehr zu gebrauchen sind. Der Stadtwald zum Beispiel – die ehemals grüne Oase Frankfurts – ist völlig unbrauchbar geworden und durch den Fluglärm zerstört. Die Menschen sind äußerst erbost."

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