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Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess

Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess begann am 20. Dezember 1963 im Plenarsaal des Stadtparlaments im Römer gegen SS-Angehörige aus dem Vernichtungslager Auschwitz. Im April 1964 zog das Gericht ins neue Bürgerhaus Gallus in der Frankenallee um, in dem der Prozess bis zur Urteilsverkündung im August 1965 fortgesetzt wurde. Um Platz für die 87 Prozessbeteiligten, 143 Zuhörer und 124 Pressevertreter zu schaffen, musste das neue Bürgerhaus umgebaut werden; das hessische Justizministerium bewilligte dafür 90 000 Mark. In diesem Bürgerhaus wird jetzt am Mittwoch die Unesco-Urkunde übergeben.

Der Mammut-Prozess wurde überhaupt erst möglich wegen zweier höchst unterschiedlicher Männer: des Frankfurter Journalisten Thomas Gnielka und des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer. Gnielka hatte Anfang des Jahres 1959 Bauer als oberstem Ankläger des Landes sieben brisante Dokumente zugeschickt, die er bei Recherchen entdeckt hatte: Erschießungslisten aus dem Lager Auschwitz, die ein Holocaust-Überlebender aus dem brennenden Breslauer SS- und Polizeigericht mitgenommen hatte. Unterzeichnet waren sie vom Lagerkommandanten Rudolf Höß und seinem Adjutanten Robert Mulka. Diese Beweisstücke leitete Bauer an den Bundesgerichtshof und an die Zentrale Stelle in Ludwigsburg weiter. Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom April 1959, den Gerichtsstand beim Landgericht Frankfurt festzulegen, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen identifiziertes Auschwitz-Personal ein. Angeklagt waren zunächst 24, später 22 Mitglieder der SS.

Der Frankfurter Staatsanwaltschaft gelang es unter anderem, den letzten Kommandanten des Lagers Auschwitz, Richard Baer, sowie den Lager-Adjutanten Robert Mulka ausfindig zu machen. Baer musste sich allerdings nicht mehr vor Gericht verantworten: Er starb im August 1963, knapp vier Monate vor Prozessbeginn, in der Untersuchungshaft an Herzversagen.

Mulka gab sich unschuldig. Er konnte nicht leugnen, in Auschwitz eingesetzt gewesen zu sein, wollte aber von nichts gewusst haben. Er wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Filmisch umgesetzt wurde das Thema 2014 in dem deutschen Kinofilm „Das Labyrinth des Schweigens“. In dem Film sagt der (fiktive) Staatsanwalt, der gegen Vertuschung im eigenen Haus ankämpft: „Ich will, dass die Lügen und dieses Schweigen endlich aufhören.“ Seine Premiere hatte der Film, für den viele Szenen in Frankfurt gedreht wurden, beim Toronto International Film Festival am 6. September 2014. Gedreht wurde damals unter anderem im Römer, im Riederwald und im Bolongaropalast in Höchst. hv

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