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Frankfurt historisch: Der erste deutsche Radweltmeister kommt vom Main

In Frankfurt entstand 1881 mit dem 1. Frankfurter Bicycle Club der zweite Radsportverein Deutschlands, als erster Deutscher wurde 1894 August Lehr Radrennweltmeister. Und auch eine der ersten Fahrradfabriken des Landes stand am Main.
Ein Bild von einem Mann – der Weltmeister wurde: August Lehr, aufgenommen um 1890. Seinen Titel holte er allerdings nicht mit dem Hochrad, sondern mit einem niedrigen Exemplar. Ein Bild von einem Mann – der Weltmeister wurde: August Lehr, aufgenommen um 1890. Seinen Titel holte er allerdings nicht mit dem Hochrad, sondern mit einem niedrigen Exemplar.
Westend. 

Zwei Frankfurter schrieben um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert Radsportgeschichte. Der eine, Heinrich Kleyer (1853-1932), gründete Frankfurts ersten Radsportverein mit und baute ab 1886 für sein Geschäft im Gallus eigene Fahrräder. Der andere, August Lehr (1871-1921), war ein erfolgreicher Radrennfahrer und gewann 1894 als erster Deutscher einen Weltmeistertitel auf dem Rad. In jener Zeit entwickelte sich der Radsport in Deutschland gerade – und Frankfurt war ganz vorne mit dabei. Das erste Rennen fand hier 1882 statt, die erste Rennbahn entstand nur zwei Jahre später am Oberforsthaus.

Rennen zwischen Blumen

Ein Zuschauermagnet wurden die Frankfurter Radrennen allerdings erst, als sie von 1887 an im Palmengarten stattfanden. „Die Bahn am Oberforsthaus lag zu weit außerhalb. Und die Veranstalter hatten Pech: An Renntagen regnete es immer“, erklärt Peter Schermer, der Leiter des Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ im Landessportbund Hessen.

Ein Steherrennen in der Arena an der Messehalle, die man im Hintergrund gut erkennen kann. Bild-Zoom
Ein Steherrennen in der Arena an der Messehalle, die man im Hintergrund gut erkennen kann.

Er beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Radsports in Frankfurt. Nach zwei Jahren gaben die Sportler die Bahn am Oberforsthaus auf und suchten einen zentraleren Veranstaltungsort.

Den fanden sie im neuen Nordteil des Palmengartens, neben acht Tennisplätzen, einem Crocket-Platz und einer großen Wiese, auf der Rugby gespielt wurde, erzählt Schermer. Gut war die Bahn aber nicht. „Es war eine 400-Meter-Bahn mit nur leicht überhöhten Kurven, auf der auch andere Sportarten ausgeübt wurden.“ Gepachtet hatte das Areal im Palmengarten der
„1. Frankfurter Bicycle Club“ (FBC), der zweitälteste deutsche Fahrradclub. Einer der Gründer war Heinrich Kleyer, der im selben Jahr 1881 auch die „Deutsche Bicycle-Union“, den Vorläufer des „Bunds Deutscher Radfahrer“, mitgründete. Nach Frankfurt war Kleyer 1869 gekommen und absolvierte hier eine Lehre in einer Eisenwaren- und Maschinenhandlung. In Darmstadt begann er 1972 ein Ingenieurstudium. Sein erstes Radrennen, ein Hochradrennen, erlebte er 1879 bei einem Besuch in Amerika – und war begeistert.

Zurück in Frankfurt, eröffnete Kleyer 1880 die „Maschinen- und Velocipedhandlung“ in der Bethmannstraße 8. Er importierte Fahrräder aus England, doch schon 1881 beauftragte er die Maschinenfabrik Spohr & Krämer, Fahrräder nach seinen Angaben zu fertigen. Zunächst waren das noch Hoch- und Dreiräder. Von 1886 an baute Kleyer in eigener Regie seine ersten „Niederräder“, die Vorläufiger unserer heutigen Fahrräder.

Auch an der Ecke Mainzer Landstraße/Waldschulstraße, da wo heute das alte Polizeipräsidium steht, gab es einen Sportplatz mit umlaufender Bahn. Wie das Foto von 1903 zeigt, waren die Rennen bei den Zuschauern sehr beliebt. Bild-Zoom
Auch an der Ecke Mainzer Landstraße/Waldschulstraße, da wo heute das alte Polizeipräsidium steht, gab es einen Sportplatz mit umlaufender Bahn. Wie das Foto von 1903 zeigt, waren die Rennen bei den Zuschauern sehr beliebt.

Für Produktion und Verkauf der eigenen Räder baute Kleyer in der Gutleutstraße 9 das neunstöckige Fahrradhaus. Dazu gehörte auch das erste überdachte „Velodrom“ Frankfurts. „Hier konnten Kaufinteressierte üben, ohne von neugierigen Blicken gestört zu werden“, sagt Schermer. Vor allem zum Erlernen des Hochradfahrens seien viele Straßen zu schlecht gewesen. „Zwar hatte auch Opel ein Velodrom, wo heute das alte Polizeipräsidium ist. Doch das war nicht überdacht.“

Auf dem Hochrad begann auch der Frankfurter August Lehr seine Radsportkarriere: Von 1888 bis 1894 gewann er sieben deutsche Meistertitel, außerdem 1881 die englische Meisterschaft im Hochradfahren über eine Meile. Kurz nach dem Umstieg auf das Niederrad feierte Lehr seinen größten Triumph: In Antwerpen wurde er 1894 der erste deutsche Weltmeister. Zwar gab es bereits erste Profi-Radrennfahrer, doch selbst ein Star wie August Lehr konnte davon nicht leben. Trotz 260 Siegen hängte er seine Karriere an den Nagel.

Lehrs Erfolge fallen in jene Zeit, in der die Bahn im Palmengarten das Zentrum des Frankfurter Radsports war. Nach dem Auslaufen des Vertrags zwischen der Palmengarten-Gesellschaft und dem FBC 1895 verlagerten sich die Radrennen auf die Bahn auf dem Sportplatz an der Mainzer Landstraße. Doch auch die war nicht ideal.

Weltrekord in Frankfurt

„Die Radsportler waren immer auf der Suche nach einer geeigneten Sportstätte. Die bekamen sie aber erst 1910“, sagt Peter Schermer. Auf dem Gelände der Festhalle fand 1910 die Internationale Ausstellung für Sport und Spiel (ISA) statt. Dafür entstand auch eine moderne Radrennbahn, die Experten als damals „schönste und schnellste der Welt“ bezeichneten. Schon am zweiten Renntag während der ISA wurde hier der Weltrekord über 50 Kilometer unterboten.

Doch auch diese Sportstätte war keine Dauerlösung. „Damals wohnten dort viele Menschen und die meisten Radrennen waren Steher-rennen“, erzählt der Experte. Dabei fahren Motorräder vor den Radlern, um ihnen Windschatten zu geben.

Die Anwohner beschwerten sich über den Lärm, Rennen fanden nur unregelmäßig statt. Um 1914 wurde die Rennbahn an den Riederwald verlegt, eine dauerhafte Sportstätte hatten die Radfahrer aber erst ab 1925 am Waldstadion.

Die größten Veranstaltungen fanden jedoch in der Festhalle statt: Bis 1983 gab es hier die beliebten Sechs-Tage-Rennen.

Radsport in Frankfurt

Wer mehr über den Radsport in Frankfurt erfahren möchte, kann dies am kommenden Mittwoch, 18. April, im Siesmayersaal des Palmengartens. Als Teil der Reihe „Spuren des Sports in Frankfurt“ hält Peter Schermer dort ab 18.30 Uhr bei freiem Eintritt den Vortrag: „Radrennen im Palmengarten und in der Arena – erste Bahnen, erste Rennen, erste Rekorde“.

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