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Restauration: Der kostbare Rimini-Altar im Liebieghaus wird aufwendig restauriert

Von Drei Jahre soll die Restauration des Rimini-Altars in der Liebieghaus Skulpturensammlung dauern. Es ist eines der am besten erhaltenen spätmittelalterlichen Figurenensemble aus Alabaster. Experten des Pariser Louvre arbeiten daran mit, Besucher können die Restauratoren bei der Arbeit beobachten.
Harald Theiss leitet die Restaurierung des berühmten Rimini-Altars im Liebieghaus. Hier untersucht er gerade die Jesus-Figur mit einer UV-Lampe. Bilder > Foto: Michael Faust Harald Theiss leitet die Restaurierung des berühmten Rimini-Altars im Liebieghaus. Hier untersucht er gerade die Jesus-Figur mit einer UV-Lampe.
Sachsenhausen. 

Von „Patina“ möchte der Restaurator Harald Theiß nicht sprechen, wenn er mit ultraviolettem Licht Schmutzpartikel und gelblich Ablagerungen auf dem Mittelkreuz der Altargruppe sichtbar macht. Während die Jesus-Figur unter der fluoreszierenden Lampe je nach Verunreinigung grünlich bis blau-violett schimmert, sind bereits der Laser und das Mikroskop vorbereitet, um die Apostelfiguren zu bearbeiten, die wie auf einem großen Operationstisch aufgebahrt liegen.

„Der Vergleich ist nicht schlecht, abgesehen von der Honorierung hat unsere Arbeit tatsächlich viel mit der von Ärzten gemeinsam“, sagt Theiß. Denn vor die präzise und millimetergenaue Behandlung der 18 Altarfiguren der Kirche Santa Maria delle Grazie in Rimini hat die Vorsehung die Diagnose gestellt. Kollegen aus den Forschungslaboren des Pariser Louvre helfen bei der Bestimmung der Steinsubstanz und der richtigen Reinigungsmethode: Calciumsulfat-Dihydrat, besser bekannt als Alabaster, eine Varietät des Minerals Gips, ist sehr sensibel. Und so setzt Theiß auf seinen spanischen Kollegen Miguel Gonzalez de Quevedo Ibanez.

Mit Hydro-Gel reinigen

Denn zur Reinigung wird das Team ein erst kürzlich in Spanien entwickeltes Verfahren mit dem Hydro-Gel Agar anwenden, bevor es an die Restaurierung geht. Ziel ist es, den Originalzustand der Figurengruppe mit vollständigen Gliedmaßen und der ursprünglichen Größe des Mittelkreuzes wiederherzustellen. Einige der Restaurierungsarbeiten können Besucher des Liebieghauses durch die Glasscheibe der Bücherecke beobachten, die für die Figurengruppe eigens zur Werkstatt umfunktioniert wurde. Ab kommender Woche soll zudem ein Videofilm vor der Werkstatt die einzelnen Arbeitsschritte erklären – vor allem den Lasereinsatz, den man wegen des Augenschutzes nicht live beobachten kann.

Die Kreuzigungsgruppe mit Jesus und den beiden Schächern, die von je sechs Aposteln flankiert wird, gilt als ein Meisterwerk der flämischen Kunst: „Der Rimini-Altar könnte nach einer neueren Theorie aus Brügge stammen und dort von Gilles de Backere geschaffen worden sein“, erklärt der Kurator Stefan Roller. Zu datieren ist der Altar um das Jahr 1400, als die Kirche Santa Maria delle Grazie eingeweiht wurde, sicher dokumentiert ist er erst in der Barockzeit. Warum sich die Kirche 1913 von dem Meisterwerk trennte, das über einen Zwischenhändler in Rom von Georg Swarzenski für die Sammlung im Liebieghaus erworben wurde, ist nicht geklärt.

Vergleiche im Ausland

Theiß spricht lieber etwas vorsichtiger vom „Rimini-Meister“, der mit seinen Werken auch in anderen namhaften Museen in Paris, Berlin und New York vertreten ist. Dorthin werden die beiden Restauratoren auch reisen, um den Erhaltungszustand dortiger Figuren mit dem des Frankfurter Rimini-Altars zu vergleichen. Zudem können sie sich dort mit den Fachleuten gleichzeitig über das optimale Verfahren zur Reinigung und Restaurierung abstimmen.

Überall in der Werkstatt hängen Detail-Fotos, die den Zustand des Heilandes, der Schächer und der Apostel genau dokumentieren. „Den groben Schmutz werden wir mit dem Laser verdampfen, für die feinen Ablagerungen Agar als Hydro-Gel einsetzen“, erklärt Theiß. Da Alabaster gegen Wasser sehr empfindlich ist, verspricht dieses Geliermittel schonende Ergebnisse, wenn es punktuell zur Reinigung verwendet wird. „In den 1960er Jahren hat man dazu Seifenwasser verwendet, das dem weichen Alabaster jedoch ziemlich zusetzt“, erklärt Theiß.

Zustandsfehler erkennbar

Doch die Restauratoren jener Zeit sind noch einem anderem Irrtum verfallen, sagt Theiß: „Am unteren Ende des Mittelkreuzes wurde ein zusätzliches Stück Alabaster eingesetzt.“ Anhand der Struktur, des Gesamtaufbaus und der etwas anderen Farbe sei erkennbar, dass diese Ergänzung nicht dem Originalzustand entspreche. „Die Kunsthistoriker haben hier sicher in guter Absicht gehandelt. Doch wir Restauratoren liefern anhand des Materials den Beweis, dass das Kreuz tatsächlich ein Stück kürzer war.“

Das eingefügte Zusatzstück ist nun mit Hilfe eines Meißels vorsichtig zu entfernen. Der zeitliche Aufwand dafür sei ebenso schwer einzuschätzen wie bei der Ergänzung einzelner Figurenteile. „Das kann Tage oder Wochen dauern, da wir abwarten müssen, wie sich die Beschaffenheit des Alabasters darstellt“, sagt Theiß. Ähnlich wie bei der Sanierung eines Altbaus müsse man bei der Bausubstanz stets mit Überraschungen rechnen – ein Umstand, der das Projekt aber auch umso spannender mache.

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