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Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt: Der lange Weg zu einem Job

Von Die Stadt erhöht in diesem Jahr den Zuschuss für das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm um mehr als 800 000 Euro auf 16,3 Millionen Euro. Damit soll auch die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gefördert werden. 3300 von derzeit rund 4800 in Frankfurt lebenden Flüchtlingen sind erwerbsfähig.
Er hat es geschafft: Abdisamed Abdullahi Mohamoud (19, aus Somalia) hat eine Ausbildung als Industriemechaniker begonnen. Foto: Andreas Arnold (dpa) Er hat es geschafft: Abdisamed Abdullahi Mohamoud (19, aus Somalia) hat eine Ausbildung als Industriemechaniker begonnen.
Frankfurt. 

Es wird deutlich, dass die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt eine Mammutaufgabe wird. „Der Weg dorthin ist ausgesprochen schwierig“, sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Conrad Skerutsch, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm (FRAP), schätzt, dass es mindestens fünf, möglicherweise auch sieben Jahre dauern wird, bis ein Großteil der Flüchtlinge regulären Beschäftigungsverhältnissen nachgehen kann. Bei über 50-jährigen Flüchtlingen dürfte die Teilnahme am Erwerbsleben kaum mehr gelingen.

25 Prozent Analphabeten

Viele Flüchtlinge wollten schnell Geld verdienen, sagte die Sozialdezernentin. Wer aber in Afghanistan in einer Autowerkstatt gearbeitet habe, könne nicht einfach in Frankfurt seine Tätigkeit fortsetzen, denn: „Der Frankfurter Arbeitsmarkt stellt hohe Anforderungen an die Qualifikation.“ Eine Einstufung der Volkshochschule bei den Deutschkursen habe ergeben, dass rund 25 Prozent der Kursteilnehmer erst lesen und schreiben lernen müssten. Etwa 16 Prozent kennen keine lateinische Schrift, weitere 41 Prozent haben ein langsames Lerntempo, knapp 17 Prozent erreichen ein durchschnittliches Lerntempo.

Als für die Zukunftsmesse im Dezember vergangenen Jahres, welche Geflüchtete in Jobs vermitteln sollte, Profile der Bewerber erstellt wurden, ergab sich, dass 70 Prozent der Befragten nur eine Schulbildung unterhalb des Hauptschulniveaus besaßen.

Die jungen Geflüchteten, welche die FRAP-Agentur bisher befragen konnte, bringen so gut wie keine beruflichen Zertifikate mit. Etwa fünf Prozent gaben an, dass sie ein Studium abgeschlossen haben. Es ist also davon auszugehen, dass gut 2000 Geflüchtete im Alter zwischen 18 und 30 Jahren Zugang zu beruflicher Bildung benötigen, wenn man vermeiden möchte, dass die jungen Menschen nur prekären Beschäftigungen nachgehen können. Der Zugang der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt hängt auch vom rechtlichen Status ab. Nach drei Monaten Aufenthalt dürfen Asylbewerber einen Antrag auf Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragen. Anerkannte Asylbewerber wechseln in den Status des Asylberechtigten. Damit haben sie Anspruch auf Hartz IV-Leistungen und unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Wessen Asylantrag abgelehnt wird, ist zur Ausreise verpflichtet. Bis es so weit ist, erhält er aber eine Duldung und weiter Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die niedriger sind als die Hartz IV-Bezüge.

Geduldete bleiben

Nur ein kleiner Teil der abgelehnten Asylbewerber wird tatsächlich abgeschoben. Der größte Teil bleibt über Jahre in der Stadt und bezieht aufgrund des eingeschränkten Zugangs zum Arbeitsmarkt in den meisten Fällen Sozialleistungen. Es wird damit gerechnet, dass etwa ein Drittel der Flüchtlinge in Frankfurt keine Asylberechtigung erhalten und so zu Geduldeten werden.

Ein Teil der abgelehnten Asylberwerber, aber auch anerkannte Asylbewerber reisen freiwillig aus. „Um die 170 sind zurückgekehrt“, sagte Skerutsch. So ein Afghane, der in seinem Heimatland nun Kartoffelchips herstellt und Mitarbeiter beschäftigt. „Wir wollen die Rückkehr bewerben und kooperieren dazu mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“, so Skerutsch.

300 von den derzeit betreuten Flüchtlingen sind in Beratungsgesprächen, 100 in der Kompetenzfeststellung für Maßnahmen der Arbeitsagentur, 100 in der Sprachförderung, 180 in Beschäftigungsmaßnahmen der FRAP, 25 in Praktika und in der Einstiegsqualifikation, vier in Ausbildung und fünf in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Die Zahlen zeigen, wie schwer der Weg in den Job ist.

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