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Abgerissene Fußgängerbrücke: Der lebensgefährliche Weg über die Gleise

Von Die letzte der beiden Fußgängerbrücken am Bahnhof Eschersheim ist abgerissen, mit gefährlichen Folgen: Die Menschen laufen über die Gleise um – so sie auf die andere Seite wollen – sich den Umweg entlang der Eschersheimer zu ersparen.
Mit Gittern versucht die Deutsche Bahn die Fußgänger vom Gang über die Gleise abzuhalten. Das funktioniert aber nicht immer. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Mit Gittern versucht die Deutsche Bahn die Fußgänger vom Gang über die Gleise abzuhalten. Das funktioniert aber nicht immer.
Eschersheim. 

Montagnachmittag, 16.30 Uhr. Eine S-Bahn der Linie S 6 aus Richtung Bad Vilbel fährt in den Bahnhof Eschersheim. Sie hält an, Menschen steigen aus und ein, der Zug fährt wieder ab. Am Bahngleis steht ein junger Mann, er schaut nach rechts und nach links und rennt dann über die Gleise, zwei weitere Personen folgen ihm. Schnell sind sie auf der anderen Seite, binnen weniger Minuten haben sie den Weißen Stein erreicht.

Judith Dietermann
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Seien wir doch mal ehrlich: Wir sind alle schon einmal bei Rot über die Ampel gelaufen oder haben die Abkürzung über die Gleise genommen, weil uns sonst der Anschlusszug vor der Nase davon gefahren wäre.

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Diese Situation häuft sich in den vergangenen Tagen, denn die letzte Fußgängerbrücke an der S-Bahn-Station wurde abgerissen, um Platz für den viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn zu schaffen. Den Fußgängern bleibt damit nur noch eine Möglichkeit, um auf die andere Seite zu gelangen: der Weg über die Maybachbrücke. Je nach Ziel sind das bis zu 400 Meter mehr. Ein Umweg, den nicht jeder auf sich nimmt, sondern trotz aller Gefahren lieber über die Gleise abkürzt.

„Wir haben Warnschilder aufgestellt, die Bundespolizei kontrolliert regelmäßig rund um die Gleise und wir haben jetzt noch mit Gittern nachgebessert. Ansonsten können wir nur an den gesunden Menschenverstand appellieren, wie gefährlich diese Aktionen sind“, erklärt ein Sprecher der Deutsche Bahn AG, dem durchaus bewusst ist, dass auch viele Kinder den Bahnhof nutzen. Schließlich liegt die Ziehenschule nur wenige Meter weiter am Weißen Stein.

Der Abriss der Brücke sei Teil des Planfeststellungverfahrens für den viergleisigen Ausbau. Rund 350 Millionen Euro soll es kosten, auf 13 Kilometern Länge zwei zusätzliche Gleise zu bauen, fünf Bahnhöfe zu modernisieren und eine zusätzliche Station in Ginnheim zu errichten. 2022 sollen die Arbeiten beendet sein. Eschersheim ist einer der Bahnhöfe, die ausgebaut werden. Die Bahnsteige werden zurück gebaut, künftig soll es einen neuen 7,20 Meter breiten Inselbahnsteig in der Mitte geben, der über zwei Treppen sowie einen Aufzug von der Maybachbrücke erreicht werden kann.

Bahn prüft Möglichkeiten

Für diesen Umbau war die alte Brücke, die neben dem Batschkapp-Gelände über die Gleise führte, im Weg. Sie musste Platz machen für die zwei neuen Gleise und ein Baufeld. Deswegen bleibt auch offen, ob es für die nächsten eineinhalb Jahren eine Behelfsbrücke geben wird. Denn so lange wird es dauern, bis die neue Fußgängerbrücke steht. „Wir prüfen viel und versuchen alles möglich zu machen“, so der Bahnsprecher. Mitte 2019, so die Schätzungen, könnte der neue Übergang genutzt werden. Er werde in etwa dort stehen, wo auch die alte Brücke über die Gleise führte.

„Das ist eine wirklich gefährliche Situation, die durch den Abriss der Brücke in Eschersheim entstanden ist. Wir müssen jetzt erst einmal besprechen, wie wir uns dazu verhalten“, sagte Rachid Rawas (SPD), stellvertretender Vorsteher im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Zumal der Bahnhof in Eschersheim, dessen Sanierung und Umbau wegen des viergleisigen Ausbaus stets von der Deutschen Bahn verschoben wurde, schon lange ganz oben auf der Prioritätenliste des Stadtteilgremiums steht. Ein stetig wiederkehrender Kritikpunkt waren neben dem immer mehr verfallenden Bahnhofsgebäude auch die beiden Fußgängerbrücken.

„Kein Risiko eingehen“

Die waren schon lange dringend sanierungsbedürftig, die Brücke am Gebäude seit 2009 aus Sicherheitsgründen gesperrt. Bis auch sie kürzlich abgerissen wurde. „Jetzt haben wir gar keine Brücke mehr. Bis es wieder eine gibt, sollten sich die Menschen kein Risiko eingehen und den Umweg in Kauf nehmen“, sagt Rawas.

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