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Thomas Melle brachte gestern sein Namensschild an: Der neue Bergen-Enkheimer Stadtschreiber ist da

Von Seit gestern Abend ist Thomas Melle der 44. Träger des Literaturpreises „Stadtschreiber von Bergen“. Im Festzelt auf dem Berger Marktplatz überreichte ihm die Juryvorsitzende Renate Müller-Friese seine Ernennungsurkunde. Sein Vorgänger, Sherko Fatah, übergab ihm den Schlüssel zum Stadtschreiberhaus.
Autor Thomas Melle ist der neue Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. Foto: Arne Dedert/Archiv Autor Thomas Melle ist der neue Stadtschreiber von Bergen-Enkheim.
Bergen-Enkheim. 

Als Thomas Melle (42) die zweite Schraube festgezogen hat, dreht er sich um und breitet die Arme aus. Als wolle er fragen: „Das war’s?“ Adrienne Schneider, Mitglied der Stadtschreiber-jury, bestätigt ihm: „Damit ist alles erledigt. Du kannst jetzt machen, was du willst.“ Der 44. Stadtschreiber von Bergen, wie der Preis und seine Träger heißen, wird Melle damit noch nicht. Das ist er erst etwa viereinhalb Stunden später, am Ende des traditionellen Stadtschreiberfests.

Es war ein rauschendes Fest im Bierzelt auf dem Berger Marktplatz, mit dem die Bergen-Enkheimer Melle am gestrigen Freitagabend begrüßten. Anderthalb Monate hatten sie seit der Bekanntgabe des Preisträgers auf ihn gewartet. Und so standen die Ersten schon um 17.30 Uhr vor dem Festzelt, stürmten um 18 Uhr hinein, um für Freunde und Verwandte die besten Plätze freizuhalten. Und kurz vor Beginn um 19 Uhr waren alle 700 Sitzplätze besetzt. Einige Literaturbegeisterte mussten stehen.

Ungewohntes Umfeld

„Literatur im Festzelt“ ist dieser Vorabend des Berger Marktes (siehe Beitext) überschrieben. Und genau das ist es, was schon manche seiner Träger vor ihrer Antrittsrede ängstigte. „Vor so vielen Menschen zu sprechen, ist auch für uns eine ungewohnte Situation“, erläutert Sherko Fatah. Das verunsichere sie ebenso wie die ungewohnte Umgebung eines Bierzeltes. Dabei sei das Publikum beim Stadtschreiberfest sehr wohlwollend und belesen. „Das weiß man aber vorher nicht.“

Im März 1975 in Bonn geboren, lebt Thomas Melle heute in Berlin. Sein erster Band mit Erzählungen, „Raumforderung“, erschien 2007, Melles erster Roman „Sickster“ 2011. Seit 2008 erhielt er zahlreiche Preise: Für „Die Welt im Rücken“ kam er 2016 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und erhielt 2017 den Klopstock-Preis für neue Literatur. Der seit 1974 jährlich vergebene Preis Stadtschreiber von Bergen, den er nun erhielt, ist dotiert mit 20 000 Euro sowie einem Jahr Wohnrecht im Stadtschreiberhaus.

Seine Nervosität ließ sich Melle bei seiner Rede, ganz am Ende des zweistündigen Festes, nicht anmerken. Vielleicht lag es ja auch am freundlich-jubelnden Applaus, den Melle erhielt, als die Stadtschreiberjuryvorsitzende und Ortsvorsteherin, Renate Müller-Friese (CDU), den Schriftsteller am Beginn des Fests willkommen hieß. Und doch schien ihm wohler, als es vorbei war: Ein leichtes Lächeln glitt über Melles Gesicht angesichts des erneuten Applauses, den er nach seiner Antrittsrede bekam.

Viele freie Plätze

Während das Festzelt am Abend voll war, gab es am Nachmittag im Garten des Stadtschreiberhauses, An der Oberpforte 4, viele freie Plätze. Ab 15.30 Uhr gibt es dort traditionell Kaffee und Pflaumenkuchen. Spätestens kurz bevor der neue Stadtschreiber sein Namensschild neben jene seiner Vorgänger an die Fassade des Häuschens schraubt, ist der Garten normalerweise voll. In diesem Jahr machten sich die Besucher jedoch rar.

Und so konnte Thomas Melle in Ruhe seinen Verleger Gunnar Schmidt mit einer Umarmung begrüßen, konnte mit den Mitgliedern der Stadtschreiberjury, Adrienne Schneider und Ulrich Sonnenschein, und anderen Gästen in Ruhe plaudern.

Sherko Fatah hingegen hatte das Fest kurz zuvor verlassen. „Die Bühne soll Thomas Melle gehören“, erklärt Fatah, warum er zu einem letzten Spaziergang zum nahen Berger Hang aufbrach. Sein Jahr habe er genossen, oft sei er hier gewesen. Seinem Nachfolger wünscht Fatah eine ebenso gute Zeit in Bergen-Enkheim, wie er sie her selbst verbrachte.

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