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Der stets entspannte Kirchen-Rebell

In seinem neuen Buch verlegt der evangelische Theologe Georg Magirius biblische Geschichten in die Gegenwart. Doch der kurzweilige und humoristische Erzählband kommt nicht überall gut an. Die Kritik von hartgesottenen Christen sieht der Autor als Bestätigung seines Schaffens.
In seinem neuen Buch „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe - ein göttliches Geschenk“ verlegt Georg Magirius biblische Geschichten in die Gegenwart und übt sich in Kirchen- und Gesellschaftskritik.	Foto: Holger Menzel In seinem neuen Buch „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe - ein göttliches Geschenk“ verlegt Georg Magirius biblische Geschichten in die Gegenwart und übt sich in Kirchen- und Gesellschaftskritik. Foto: Holger Menzel
Sachsenhausen. 

Entspannt lehnt Georg Magirius (44) an der Balkonbrüstung und blättert in seinem neuen Buch „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe - ein göttliches Geschenk“. Dass der studierte und zum Pfarrer ausgebildete Theologe gerne an den Konventionen der Kirche rüttelt, hat er bereits in einigen seiner 17 Bücher unter Beweis gestellt. Auch mit seiner neuen Veröffentlichung sorgt Magirius unter gläubigen Christen nicht nur für Freude.

Der aus Österreich stammende Leser Dr. Johann Hahn etwa bezeichnet die neu erzählten biblischen Paar-Geschichten aus Magirius’ Feder gar als „Machwerk“, das von der Leserschaft „anscheinend widerspruchslos hingenommen“ werde. Doch worum geht es in den 27 an biblischen Begebenheiten angelehnten und in die Gegenwart versetzten Geschichten, aus denen das 160 Seiten dicke Buch des in Sachsenhausen und Seligenstadt lebenden Theologen besteht?

Flucht aus dem Paradies

Bereits im ersten Kapitel fährt der Autor schwere Geschütze auf: Adam und Eva leben im Zustand der Sorglosigkeit eines exklusiven FKK-Club-Urlaubs, bis das Paar von der verbotenen Frucht nascht, sich seiner Nacktheit bewusst wird und gegen den Willen des allmächtigen Tourismus-Managers namens Gott die Flucht ergreift.

Nicht minder provokant geht es in der Geschichte um Lot und seine Frau zu, die den reizenden Namen „Überfordert“ trägt: „Schwul zu sein war innerhalb der Gottesfirma vielleicht ab und an geduldet, aber nur, solange es sich nicht offensiv gebärdete“, steht dort in der Neuauflage der Geschichte über Sodom und Gomorrha. Und weiter: „Überall Konsum, mysteriöse Vergnügungsviertel, dazu tausend Bankentürme, die die wenigen verbliebenen Kirchturmspitzen weit überragen.“

Die Kirche als Hort der verborgen gelegenen Homosexualität, Frankfurt als Ebenbild Sodom und Gomorrhas? „Für mich ist es ganz natürlich, die Bibel nicht allzu theoretisch auszulegen, sondern sie in die Gegenwart zu transferieren“, sagt Magirius. Schließlich sei die Heilige Schrift an vielen Stellen weitaus moderner und humorvoller, als es die oft rein theologischen Interpretations-Ansätze erahnen ließen.

Georg Magirius hat oft beobachtet, dass mancher Pfarrer aus Angst vor der Bürde seines Amtes eine gewisse „religiöse Verschämtheit“ an den Tag lege. Gerade das in der Bibel omnipräsente Leitmotiv der Liebe werde meist rein theologisch als Liebe zu Gott ausgelegt. Doch Magirius fand bei seinen Lesungen heraus, dass das Publikum besonders den Liebesgeschichten mit großem Interesse folgte. Mit seinem neuen Buch will Georg Magirius den Leser dazu ermutigen, „mit Freude am Leben nach außen zu gehen, statt stets daran zu denken, was man alles falsch machen“ könne. Humor sei ein entscheidender Bestandteil der inneren Erfülltheit.

Keine Angst vor Scheitern

Um den Menschen die Angst vorm eigenen Scheitern zu nehmen, sei es auch angebracht, die biblischen Erzählungen nicht ausschließlich mit erhobenen Zeigefinger zu rezipieren, sondern auch die lustvollen und amüsanten Passagen herauszuarbeiten, sagt Magirius. So werde oft unterschlagen, dass Josef nicht ohne Eifersucht zur Kenntnis nahm, dass seine Frau Maria plötzlich schwanger war - offenbar aber nicht von ihm.

„Es ist eine gute Idee, die Geschichten aus der Bibel in die heutige Zeit zu holen, ohne sie exegetisch zu erklären“ sagt Antje Schrupp, Redakteurin der Zeitung „Evangelisches Frankfurt“. Die Herangehensweise, sich bestehende Texte anzueignen und daraus eigene Geschichten zu entwickeln, lenke den Blick auf neue Aspekte. Zudem werde dem Leser keine Deutung aufgezwungen. Vielmehr habe dieser die Möglichkeit, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Genau das war auch Georg Magirius’ Intention, als er sich daran machte, ein Buch für frisch Verliebte und Langzeit-Liebende zu verfassen. Schließlich wollte er zeigen, dass selbst die aus der Bibel bekannten Zeitgenossen nicht ganz ohne Beziehungskrisen auskamen.

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