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Dezernat mauert beim Mainfeld

Von Die Bewohner der Mainfeld-Siedlung in Niederrad blicken weiterhin in eine ungewisse Zukunft. Zwar neigen Stadtverordnete von CDU und Grünen dazu, die Hochhäuser zu erhalten. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) will sich aber noch nicht festlegen.
Hochhaus-Siedlung Mainfeld in Niederrad: Möglicherweise bleibt sie doch erhalten. Hochhaus-Siedlung Mainfeld in Niederrad: Möglicherweise bleibt sie doch erhalten.
Frankfurt. 

Es ist eine nicht enden wollende Diskussion. Seit dreieinhalb Jahren wird darüber debattiert, ob die der städtischen ABG-Holding gehörenden Hochhäuser der Mainfeld-Siedlung am Mainufer in Niederrad saniert oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Die Abriss-Pläne haben große Unruhe hervorgerufen. Nicht nur die Mieter, sondern auch SPD und Linke sprachen sich dagegen aus. Eine Entscheidung ist noch immer nicht gefallen, die Bewohner des Mainfelds werden weiter hingehalten.

Mittlerweile liegt das Ergebnis eines Gutachtens vor. Nach Informationen der FNP halten sich demnach der Aufwand für Abriss und Neubau auf der einen und Sanierung auf der anderen Seite ungefähr die Waage. Wobei allerdings Kosten für den Umzug der Bewohner oder für die Umgestaltung der Straßen nicht berücksichtigt sind. Öffentlich diskutiert wird über die Ergebnisse des Gutachtens allerdings nicht. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne), der sich immer für mehr Transparenz in der Stadtplanung ausspricht, will es zunächst "prüfen", wie sein Sprecher gestern sagte. Erst dann soll es vorgestellt werden.

Altenheim soll weichen

Trotzdem wird längst über Konsequenzen gesprochen, nicht nur bei den Bewohnern des Mainfelds, sondern auch in der schwarz-grünen Koalition. Vieles deutet darauf hin, dass die Hochhäuser nicht abgerissen werden. "Wir plädieren für eine Sanierung", sagt der planungspolitische Sprecher der Grünen, Uli Baier. Offenbar soll nur eine kleine Altenwohnanlage abgerissen und an anderer Stelle neu gebaut werden. "Das Altenheim ist wohl nicht wirtschaftlich zu sanieren", meint der planungspolitische Sprecher der CDU, Jan Schneider. Für ihn ist wichtig: "Wir wollen eine einvernehmliche Lösung mit den Mietern." Nur so viel verrät Schneider schon: Man wäre "schlecht beraten", an Plänen festzuhalten, "die auf Jahre Unruhe in das Quartier bringen würden".

Die Pläne: Damit meint Schneider die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs, den 2010 das Architekturbüro Jo Franzke für sich entschieden hat. Die Planer hatten vorgeschlagen, die Hochhäuser mit 850 Wohnungen abzureißen und durch niedrigere Neubauten zu ersetzen, die rund 1000 Wohnungen fassen könnten. Zehn bis 15 Jahre würde die Umsetzung dieses Projekts dauern, schätzt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Ein schwieriges Unterfangen. Zumal auch noch ungeklärt ist, was mit den Fördermitteln passiert, die in den 70er Jahren für den Bau der Sozialwohnungen geflossen sind.

"Chance vergeben"

Also doch Sanierung? Darüber wollen Vertreter der schwarz-grünen Koalition demnächst mit Planungsdezernent Cunitz sprechen. Nach Ansicht der FDP im Römer würde mit einem Verzicht auf eine Umgestaltung eine "historische Chance" vergeben. "Man hätte die Möglichkeit gehabt, die stadtplanerischen Verfehlungen der 60er und 70er Jahre zu korrigieren", sagte gestern die FDP-Stadtverordnete Elke Tafel-Stein. Das Projekt hätte ihrer Ansicht nach bundesweit zum Vorbild werden können. "Stattdessen hat man Angst vor Bürgerprotesten."

Tafel-Stein erinnerte daran, dass sich das Stadtparlament mit klarer Mehrheit zu dem Ziel bekannt habe, "durch den Rück- und Umbau der Gebäude die notwendigen Schritte zur Reparatur des Stadtbilds zu leisten". Sie sprach sich dafür aus, Abriss und Neubau auch dann zu realisieren, wenn damit ein finanzieller Mehraufwand verbunden wäre. "Finanziell ist das zu rechtfertigen, profitiert die Stadt doch kräftig davon."

Jan Schneider hingegen bezweifelt, ob die Umgestaltung wirklich eine "historische Chance" wäre. Er sieht auch kein Problem darin, die mit großem Aufwand erstellten Pläne zu verwerfen. "So ist das nun einmal in der Stadtplanung." Schneider plädiert dafür, mit "kleineren Maßnahmen" die Attraktivität der Wohnsiedlung zu steigern. ABG-Chef Junker denkt daran, nicht nur die Fassade, Fenster und Dach zu sanieren, sondern auch kleinere Wohnungen zu größeren Einheiten zusammenzulegen.

Der Grüne Uli Baier bringt noch eine andere Überlegung ins Spiel: Er kann sich vorstellen, ein neues Hochhaus zu errichten, das nicht nur als Ausweichquartier dienen könnte, sondern in dem auch eine ausgewogene soziale Mischung ausprobiert werden könnte. Es gebe derzeit noch mehrere Varianten, wo dieses Hochhaus entstehen könnte.

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