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Zwei Drittel der Wohnungen haben bereits einen Kälteschutzschild: Die ABG-Holding ist Dämmmeister

Von Die Wärmedämmung gilt als eines der Erfolgsmittel für die Energiewende. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding hat bereits zwei Drittel ihrer 51 500 Frankfurter Wohnungen gedämmt. Das ist ein überdurchschnittlicher Wert.
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Frankfurt. „Wo der Putz bröckelte, das waren früher ABG-Wohnungen“, erinnert sich ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Und weil damals Sanierungsstau war, ging Junker bereits in den 90er Jahren daran, bei der Renovierung der Wohnungsbestände Dämmung aufbringen zu lassen: in den Siedlungen am Bornheimer Hang und im Gallus. Das Dämmprogramm läuft weiter. Dazu gehören Doppelglasfenster und die Dämmung von Dächern und Kellerdecken, gegebenenfalls auch die Erneuerung der Heiztechnik.

Ein Signal für die nötige Dämmung von Wohnblocks ist es, wenn der Putz schadhaft wird. Im Zuge der Fassadenerneuerung wird vorm Aufbringen des neuen Putzes ein Wärmedämmung-Verbundsystem aufgeklebt und montiert. So kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So geschah es beispielsweise vor einigen Jahren bei den aus den 50er Jahren stammenden ABG-Wohnblocks in der Stalburg- und in der Humboldtstraße im Nordend.

Miete wird gemindert

Mieter, deren Wohnung wärmegedämmt wird, erhalten laut Junker während der Dauer der Gerüststandzeiten eine Mietminderung von fünf bis zehn Prozent. Die Höhe der Ermäßigung hänge vom jeweiligen Objekt und dem Grad der Beeinträchtigung ab. Wenn beispielsweise Fenster abgeklebt werden müssen oder Balkone nicht mehr nutzbar sind, fällt die Mietminderung höher aus. Eigentlich könnte die ABG Holding Teile der Dämm-Kosten umlegen. Der städtische Wohnungsbaukonzern verzichte darauf aber in der Regel, sagt Junker.

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Da haben es Mieter bei privaten Hausbesitzern meist schlechter. Wenn der Vermieter die Kosten für die Wärmedämmung umlegt, zahlt der Mieter dafür oft mehr als er an Heizkosten einsparen kann. Deshalb plädiert der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, Axel Tausendpfund, dafür, die energetischen Standards nicht weiter zu verschärfen. Ohnehin profitiert nicht jeder Mieter in gleicher Weise vom Kälteschutzschild. Für den Mieter einer Wohnung mit drei Außenwänden reduziert sich die Heizkostenrechnung mehr als für einen, dessen zu Hause inmitten eines Wohnblocks liegt, umgeben von beheizten Wohnungen.

Klinker ist gut geeignet

Es gibt aber Gebäude, die erhalten keinen Kälteschutzschild. Dazu gehören Häuser mit „Klinkerfassade wie in der Fischbacher, Josbacher oder Rebstöcker Straße. Der Grund: Die Klinkerhäuser sind wärmetechnisch gar nicht so schlecht“, weiß Juncker.

Der Architekt Stefan Forster hält es ohnehin für ein Verbrechen, „einen Altbau mit Klinker oder Stuckfassade zu dämmen“. Er plädiert seit vielen Jahren bei Neubauten für Klinker- oder Porotonziegelfassaden mit Putz statt eines Wärmeverbundsystems. „Klinkerfassaden halten 100 Jahre, ohne dass man etwas machen muss“, sagt Forster. Auch für die ABG Holding hat Forster vor mehr als zehn Jahren in der Volta-/Ohmstraße einen Wohnblock mit Klinkerfassade errichtet. Forster freut sich über umweltbewusste Bauherren, die mit ihm diesen Weg gehen. Sein jüngstes Projekt ist ein Wohnblock für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Hanau an der Französischen Allee. Es ist ein Porotonziegelbau mit einem Klinkersockel, „der alle energetischen und brandschutztechnischen Vorgaben erfüllt“, betont Forster. „Es ist ein langlebiges, nachhaltiges Gebäude, das einen Beitrag zur Baukultur und Stadtgestaltung leistet.“ Es koste nur etwas mehr Mühe.

Unter Preisdruck

Forster ist ein Kritiker der Wärmeverbundsysteme, denn: Sie sehen nach kurzer Zeit schäbig aus, zudem handelt es sich um Sondermüll. Aber wegen des Preisdrucks müsse so billig wie möglich gebaut werden und da sei das Wärmeverbundsystem die einfachste Lösung. „Umweltbewusste Bauherren gehen den Weg mit Porotonziegel und Klinkern“, sagt Forster.

Bei Gründerzeithäuser mit 36 Zentimeter starken Wänden verzichtet die ABG Holding auf eine Wärmedämmung. In der May-Siedlung in der Römerstadt musste der Konzern einen anderen Weg gehen. Weil die Bauten dort nur dünne Wände haben, hat man sich auf eine nur vier Zentimeter starke Dämmung beschränkt.

Auf eine Innendämmung, wie man sie bei denkmalgeschützten Fassaden machen könnte, verzichtet die ABG Holding. Erstens würden dann die Wohnungen und damit die Mieteinnahmen kleiner, zweitens könnten die Einbauküche oder andere Möbel des Mieters nicht mehr in die Wohnung passen.

Schlechte Erfahrungen mit dem Dämmmaterial hat Junker noch nicht gemacht, es erwies sich gewissermaßen als unzerstörbar. Weder verrottete es, noch bildete sich zwischen den Polystyrol-Platten und der Wand Schimmel.

Für Junker hat die Wärmedämmung daher einen dreifachen Effekt: Der Vermieter schützt sein Objekt, der Mieter spart Heizkosten und die Umwelt profitiert durch den geringeren Energieverbrauch.

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