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Nachruf auf Lilli Pölt: Die Anwältin der kleinen Leute ist tot

Von Sie war eine Politikerin, die nicht nur näher dran war, sondern mittendrin unter ihren Mitbürgern. Für deren Sorgen und Nöte hatte sie stets ein offenes Ohr. Am Freitag ist Lilli Pölt, eine Volksvertreterin im besten Sinne, gestorben.
Es war zwar nicht ihr Motorrad, aber den Motorradführerschein hatte sie: In ihrer Jugend fuhr Lilli Pölt mit einer 98er Adler bis nach Innsbruck. 	Archivfoto: Mick Grosse Bilder > Es war zwar nicht ihr Motorrad, aber den Motorradführerschein hatte sie: In ihrer Jugend fuhr Lilli Pölt mit einer 98er Adler bis nach Innsbruck. Archivfoto: Mick Grosse
Frankfurt. 

Es gibt Augenblicke, da hält selbst die geschäftige, quirlige Frankfurter Stadtgesellschaft inne: Gestern war so ein Moment, als sich herumsprach, dass Lilli Pölt im Alter von 82 Jahren am frühen Nachmittag gestorben ist. Die Sozialdemokratin genoss über Parteigrenzen hinweg höchstes Ansehen. Mehr als 40 Jahre, seit 1973, war Pölt in der Kommunalpolitik aktiv. Sie war Stadtverordnete und ehrenamtliches Magistratsmitglied. Bis zuletzt übte sie trotz ihrer Krebserkrankung ihr Mandat aus. Über 25 Jahre gehörte sie dem ehrenamtlichen Magistrat an.

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) würdigte die Verstorbene „als Urgestein der Frankfurter Stadtpolitik“. „Sie war die Kümmerin für die kleinen Leute mit dem Ohr am Volk“, sagte der Präsident des Stadtparlaments. Pölt habe Kommunalpolitik im besten und bürgernächsten Sinne betrieben; „sie war immer mit dabei und immer engagiert“. Als Schutzpatronin der Fastnacht habe sie sich Verdienste um die Vereine erworben.

„Von ihr hörte man nie die Worte: Ich bin nicht zuständig. Stattdessen hat sie die Dinge energisch angepackt und meist auf informellem Weg die Probleme der Bürger gelöst.“ Mit diesen Worten würdigte ihr Parteifreund, Oberbürgermeister Peter Feldmann, die Verstorbene. Feldman erinnerte an Pölts Antrieb, politisch aktiv zu sein: „Sie sagte immer, ich will für die Frankfurter da sein!“

Der Sprecher der CDU-Gruppe im Magistrat, Kämmerer Uwe Becker, hat die Nachricht „mit großer Bestürzung und Traurigkeit aufgenommen“. Pölt sei eine Institution gewesen, die über Parteigrenzen hinweg anerkannt gewesen sei. Trotz ihrer langen und schweren Krankheit habe sie mit großem Engagement und Disziplin ihr Amt wahrgenommen.

Doch die wahrscheinlich größte Lebensleistung erbrachte Lilli Pölt abseits der Politik: Als alleinerziehende Mutter kümmerte sie sich zeitlebens um ihren behinderten Sohn Klaus, der 2006 starb. Dass das 1951 geborene Kind mit den Errungenschaften der heutigen Medizin gar nicht behindert zur Welt gekommen wäre, hat sie oft erzählt. Aufgrund ihrer Erfahrungen widmete sie sich der Sozial- und Gesundheitspolitik.

In der politischen Auseinandersetzung war Konfrontation ihre Sache nicht. Im Gegenteil: Als sie 2011 als Alterspräsidentin die Sitzungsperiode des amtierenden Stadtparlaments eröffnete, riet sie zu Augenmaß in der Debatte. Sozialdemokratin mit Leib und Seele war sie dennoch. Mit 14 Jahren wurde sie Mitglied der Jungfalken. 1967 trat sie der SPD bei, 1964 der Arbeiterwohlfahrt. Die gelernte Großhandelskauffrau arbeitete ab 1950 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1991 für die Deutsche Postgewerkschaft.

An ihrem 80. Geburtstag, als sie schon vom Speiseröhrenkrebs gezeichnet war, wünschte sich Pölt noch ein paar schöne Jahre und Kraft für die politische Arbeit. Es sind nur wenig mehr als zwei Jahre geworden, in denen sie aber nie ihre Fröhlichkeit und ihren Optimismus verloren hat.

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