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Glauben: Die Bibel in 3333 Bildern erzählt

Von Bis vor vier Jahren wusste die Welt nichts davon, dass der Künstler Willy Wiedmann die Bibel in seine Sprache der Bilder übersetzt hat. Sein Sohn macht die voluminöse Sammlung nun der Öffentlichkeit zugänglich – und schenkt manchen dadurch den Glauben.
Die Geschwister Stefanie und Florian Huß haben die Ehre, die Wiedmann-Bibel in Rödelheim zu drucken. Foto: Salome Roessler Die Geschwister Stefanie und Florian Huß haben die Ehre, die Wiedmann-Bibel in Rödelheim zu drucken.
Frankfurt. 

Es ist ihr Baby. Es zu halten, erfordert gutes Training. 26 Kilogramm ist es schwer – und der Inhalt ist gleichermaßen gehaltvoll wie einzigartig: Es handelt sich um die Bibel. Nicht so, wie wir sie kennen in geschriebener Form; sondern in 3333 Bildern gemalt. Die sogenannte Wiedmann-Bibel, sie ist auch das Werk von Stefanie und Florian Huß. Die Geschwister betreiben die gleichnamige Druckerei in Rödelheim und verdanken es ihrem exzellenten Ruf, dass sie vor zwei Jahren von der Deutschen Bibelgesellschaft den Auftrag erhielten, das komplexe Werk des im Jahr 2013 verstorbenen Künstlers der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den Frankfurtern kam dabei zugute, dass sie bereits zuvor mit Willy Wiedmanns Sohn Martin geschäftliche Kontakte unterhielten.

Als sich der in der Schweiz lebende Geschäftsmann an Stefanie und Florian Huß mit der Frage wandte, ob sie sich vorstellen könnten, die Drucklegung zu verantworten, hatten sie keine Vorstellung davon, was sie erwarten würde. Schließlich gab es keine Vorbilder für ein solches Projekt. Nach dem Tod seines Vaters hatte Martin Wiedmann auf dem Dachboden des Ateliers einen Stahlkoffer gefunden. Was er darin fand, raubte ihm den Atem. Zwar wusste er, dass sein Vater ungeheuer produktiv gewesen ist, aber dass auch eine illustrierte Bibel in 19 Büchern zu seinem Nachlass gehören würde, konnte er nicht ahnen: eben jene 3333 Bilder, jedes 34 mal 34 Zentimeter groß, in Form eines Leporellos aneinandergefügt.

Er erfuhr, dass der Künstler 16 Jahre daran gearbeitet hatte. Ursprünglich sollten es Entwürfe für die Bemalung eines Kirchenraums in seiner schwäbischen Heimat sein. Da sich die Verantwortlichen aber nicht auf die Motive verständigen konnten, der Entscheidungsprozess immer länger und länger wurde, und das Projekt schließlich ganz aufgegeben wurde, hat Wiedmann schließlich ohne Auftrag weitergemalt.

Würdiger Umgang

Die Beschäftigung mit dem religiösen Stoff muss ihn so ergriffen haben, dass er daraus ein Oeuvre geschaffen hat, das in dieser Form unvergleichlich ist. So soll er gesagt haben: „So schürte sich in mir die Lust zum Malen dieses, so weiß ich es heute, wohl größten Werkes, was die Menschheit je hervorgebracht hat . . .“ Eigene Bemühungen, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, blieben erfolglos. So sah sich Martin Wiedmann zu einem würdigen Umgang mit dem Erbe seines Vaters verpflichtet.

Zwar hat er dafür keine 16 Jahre benötigt, aber wenn die gedruckte Version im kommenden Frühjahr auf den Markt kommt, sind auch mehrere Jahre seit dem Dachboden-Fund vergangen. „3333 Bilder zu digitalisieren allein ist schon ein hoher Aufwand“, sagt Florian Huß. Doch damit ist es nicht getan – schließlich legt die Deutsche Bibelgesellschaft als Herausgeberin Wert darauf, dass die Abbildungen mit den entsprechenden Passagen aus der überarbeiteten Luther-Bibel korrespondieren.

Das war ein Kompromiss, den Martin Wiedmann eingehen musste. Denn ursprünglich hatte sein Vater die Abbildungen mit philosophischen, mitunter bibelkritischen Kommentaren versehen. Das resultierte zum einen daraus, dass der vielfach Interessierte und Begabte auch Bücher und Gedichte geschrieben hat; zum anderen verarbeitete er darin auch seine Erlebnisse bei der intensiven Beschäftigung mit dem Alten und Neuen Testament. „Enttäuschung und Kälte waren nur zwei Empfindungen dabei“, erklärt Stefanie Huß.

Sie hat mit ihrem Bruder Florian schließlich Bilder und Texte in verschiedenen Stilen zusammengeführt, Schrifttypen ausgesucht, das komplette Werk korrigiert und paginiert und die finalen Druckdaten erstellt. In diesen Wochen kann die Wiedmann-Bibel nun endlich gedruckt werden. Nicht bei Graphia-Huss in Frankfurt, sondern in Stuttgart. Dafür bedarf es eines extrem aufwendigen Druckprozesses, der 15 Wochen in Anspruch nimmt – auch in diesem Bereich sprengt das Werk alle Grenzen.

Stolzer Preis

3333 in rot eingebundene Exemplare werden gedruckt – die Wahl einer anderen Auflagenzahl wäre auch überraschend gewesen. Zusätzlich erscheinen außerdem 333 in goldenem Einband. Das Ganze hat seinen Preis: Wer jetzt vorbestellt, zahlt 590 (rot) beziehungsweise 790 Euro (golden). 300 Europaletten werden benötigt, um die 3666 Bibeln zu transportieren.

Schon jetzt gewährt Martin Wiedmann einen Einblick in den Kosmos seines Vaters. Unter www.diewiedmannbibel.de im Internet und auf einer App können Besucher in die Bilder geradezu eintauchen oder einen Rundgang über Wiedmanns Dachboden unternehmen.

Doch auch außerhalb der digitalen Welt erfährt das Vermächtnis des Künstlers große Aufmerksamkeit. Auf dem Kirchentag in Magdeburg vor zwei Jahren haben 500 Magdeburger das besondere Bibelwerk auf 1517 Metern Länge in einer Menschenkette vom Dom bis zur Johanniskirche gezeigt. Dieser Weltrekordversuch wartet noch auf die Anerkennung durch das Guinness-Buch der Rekorde. Dauerhaft könnte Wiedmanns Werk einen Platz im „Museum of the Bible“ in Washington finden, glaubt Florian Huß. Es wird im November eröffnet. Schon jetzt gehören zahlreiche einzigartige Exponate zu seinem Bestand.

Und vielleicht geht es den Besuchern dort ähnlich wie den Frankfurtern Stefanie und Florian Huß. „Bevor wir uns mit der Wiedmann-Bibel beschäftigt haben, waren wir keine streng gläubigen Menschen“, sagt er. Und sie ergänzt: „Aber so wird man auf einmal christlich.“

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