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Die "Eulenburg" schließt für immer

Von Fast 300 Jahre lang konnte an dieser Stelle Apfelwein genossen werden. Doch am 31. Mai geht es mit der "Eulenburg" zu Ende. Schuld ist die Gesundheit des Wirts – und ein bisschen auch die wirtschaftliche Lage.
Nur noch bis zum 31. Mai wird Kellner Wolfgang Sandner in der "Eulenburg" Ebbelwei aus dem Bembel ins Gerippte füllen. Auch Kellnerin Andrea Rehfeld hat hier dann nichts mehr zu tun. Denn Gastronomin Margrit Henze (rechts) schließt das Traditionslokal ihrer Familie.	Foto: Martin Weis Nur noch bis zum 31. Mai wird Kellner Wolfgang Sandner in der "Eulenburg" Ebbelwei aus dem Bembel ins Gerippte füllen. Auch Kellnerin Andrea Rehfeld hat hier dann nichts mehr zu tun. Denn Gastronomin Margrit Henze (rechts) schließt das Traditionslokal ihrer Familie. Foto: Martin Weis
Bornheim. 

Wenn in Frankfurt eine Ebbelwei-Wirtschaft für immer zumacht, dann stirbt zugleich ein Stück Frankfurt. So empfinden es die Bornheimer Gastronomen Margrit und Dirk Henze mit Sohn Christoph, die am 31. Mai dieses Jahres ihr berühmtes Ebbelwei-Lokal "Zur Eulenburg", Eulengasse 46, schließen.

Das Herz blutet jedoch auch manchem Kollegen der seit 1919 bestehenden Zunft der selbst kelternden Wirte, die aus dem Apfel schon so viel Gutes gemacht haben. Hans und Martha Emmert vom "Fäßchen" in Sachsenhausen, die zum Adel der Frankfurter Gastro-Szene gehören: "Die Schließung trifft uns mitten ins Herz, denn die ,Eulenburg‘ ist ein Stück Frankfurter Geschichte und Bürgerstolz."

Aber, daran besteht kein Zweifel: Es ist aus und vorbei. Zeiten ändern sich, Lebenssituationen auch. Das Vorzeigelokal "Zur Eulenburg" verschwindet von der Stadtkarte. Christoph Henze, Junior- und Küchenchef, hat sich jedoch vorgenommen, noch ein Trostpflästerchen zu servieren: "Am 2. Juni veranstalten wir für die Stammgäste einen großen Abschied mit Musik."

Nun noble Wohnadresse

Was wird dann aus dieser traditionellen Adresse werden? Das fragen viele Gäste, die dort irgendwann mal einen gepflegten selbstgekelterten Ebbelwei getrunken haben. Und die dazu auch eine traditionelle Portion gebratenes Tartar oder die Eigenkreation von Küchenchef Christoph Henze, eine frisch gemachte "Bernem Pizza" (Blutwurst und Eier), verputzt haben. Tatsache ist inzwischen: Das Haus mitsamt seiner neun Wohnungen wurde verkauft. Es soll nach Renovierung künftig nur als noble Wohnadresse dienen. Ebbelwei wird dann höchstens noch aus dem privaten Kühlschrank ausgeschenkt.

Musste es so kommen? Christoph Henze (40), der das Küchenhandwerk unter dem legendären Meisterkoch Bernhard Stumpf im Frankfurter Hof gelernt hat, erklärt: "Mein Vater Dirk hat in jüngster Zeit leider nach Operationen beide Beine verloren und muss künftig mit zwei Prothesen leben. Da kann er nicht mehr so wie einst." Seine Mutter ist 65 und freue sich auf die Rente.

Als Koch woanders hin

Vor allem aber wolle die beliebte Gastronomin ihrem 70 Jahre alten Ehemann, der derzeit im Bethanien-Krankenhaus auf sein neues Leben vorbereitet wird, eine Stütze sein. Christoph Henze resümiert: "Ich sehe wegen dieser personellen Veränderung und auch aus wirtschaftlichen Gründen keine Fortsetzung für mich. Ich bin in mehreren Häusern bereits als Koch in Verhandlungen."

Die harten Realitäten des Alltags haben die Ebbelwei-Romantik und die Tradition der "Eulenburg" jäh beendet. Schon 1732 wurde an dieser Stelle eine Gaststätte bewirtschaftet. Seit 1852 ist sie im Besitz der Familie Jockel und deren Erben, die heute Henze heißen. Das Ende tut allen Generationen in der Familie sehr weh, inklusive der Tochter, die als Steuerberaterin in Düsseldorf lebt. Schließlich war Margrit Henzes Vater der Doyen der Ebbelwei-Wirte, der Ehrenvorsitzende Otto Rumeleit, der 1999 im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Die "Eulenburg" und den Namen Rumeleit nannte man stets voller Hochachtung in einem Atemzug.

Otto Rumeleit, bis zuletzt eine imposante Erscheinung mit weißem Haar, war Galionsfigur, einer der bekanntesten Wirte der Region. Gemeinsam mit seiner Frau Rosel pflegte er liebevoll die Ebbelwei-Historie. Er verstand es, Politik und Wirtschaft im Sinne von allen Zunftmitgliedern gut miteinander zu verknüpfen.

Ebbelwei für die Gäste

Ebbelwei und Handkäs – diese gastronomische Tradition wurde bis heute ein Marketing-Instrument für die Frankfurter Gastlichkeit sowie Gemütlichkeit an Holztischen mit Bembeln in unterschiedlicher Größe. Die Wirte vermitteln diese Besonderheit der Stadt und der Region. Diesen Zusammenhalt wussten auch die Frankfurter Oberbürgermeister zu schätzen. Sie luden auswärtige Gäste gerne mal da und dort zum Ebbelwei ein. Christoph Henze: "Den Stadtvätern schmeckte es bei uns genauso wie manchem Banken- und Wirtschaftsboss."

Der Gastronom und "Eulenburg"-Koch ist ein wenig stolz darauf, dass dort in "normal guten" Jahren bis zu 40 000 Liter von dem typischen Frankfurter Getränk ausgeschenkt wurden. "Laternche"-Dichterlegende Hans Weidenfeld war vom Kommunikationsmittel aus dem gerippten Glas so begeistert, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Michael manchen Reim darauf gemacht hat.

Im September ging es in den Ebbelwei-Wirtschaften immer richtig los, also dem Monat, der dem "Süßen" gewidmet war. Da wird aus den Äpfeln der köstliche Saft gemacht. Der richtige Keltermonat ist jedoch alljährlich der Oktober, die Pressung der Äpfel geht dann bis in den November rein. Die Stimmung ist dann bis auf die Straße spürbar. Sie steigt vor allem im Apfelweinviertel Sachsenhausen, aber auch in Bornheim. Otto Rumeleit von der "Eulenburg" rezitierte gerne: "Beim Ebbelwei hockt arm und reich, beim Schoppe sin se alle gleich. Gemütlich lacht da alt und jung, Frankfurter Ebbelwei gibt Schwung." In der "Eulenburg" wird der Ebbelwei dies allerdings nur noch bis Ende Mai tun.

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