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Frankfurter Stadtwald: Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017

Von Braucht zu viel Wasser, ist anfällig für die Rotfäule und den Borkenkäfer, fällt schnell um: Die Fichte ist kein ideales Grün – dennoch wurde sie zum „Baum des Jahres 2017“ gekürt. Frankfurts Leiterin des Stadtforsts, Dr. Tina Baumann, kann das durchaus nachvollziehen.
Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017, trotz vieler Zipperlein. Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017, trotz vieler Zipperlein.
Frankfurt. 

Wenn am 23. November der Weihnachtsbaum auf dem Römerberg mit all seinen roten Schleifen und Lämpchen illuminiert wird und die Menschen davor dies mit „Ohs“ und „Ahs“ kommentieren, dann können sich die Frankfurter gewiss sein: Dort steht der Baum des Jahres 2017. Als solcher wurde die Fichte gestern von der „Dr. Silvius Wodarz“-Stiftung ernannt. Doch der Nadelbaum polarisiert, nicht jeder mag ihn, da er einige Makel mit sich bringt.

Dr. Tina Baumann jedoch, Leiterin des Frankfurter Stadtforsts, sagt: „Ich finde, die Fichte ist eine schöne Baumart. Sie gehört zu unserem Wald.“ Deshalb kann sie die Entscheidung des Kuratoriums Baum des Jahres auch durchaus verstehen – vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. „Die Fichte ist der bestbezahlte Baum auf dem Holzmarkt.“ Böden, Decken und Türen, aber auch Papier würden aus dem weichen Holz gefertigt. „Deshalb wird die Fichte auch Brotbaum genannt.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Grün in den 50er und 60er Jahren zum Wiederaufbau angebaut.

Viele Zipperlein

Dass die Fichte allerdings eher eine problematische Baumart ist, dass kann auch sie nicht abstreiten. Und so muss man im hiesigen Forst auch genauer hinschauen, um den Nadelbaum zu sehen. Weit verbreitet ist er hier nicht. Der Frankfurter Stadtwald ist insgesamt etwa 6000 Hektar groß, davon befinden sich 5000 Hektar südlich des Mains. Die restliche Fläche ist im Taunus zu finden. Die Fichte aber kommt nur auf zehn Prozent der Fläche, sprich: 583 Hektar vor. Im Vergleich dazu: Die Buche nimmt eine Fläche von 4500 Hektar ein.

„Im Frankfurter Süden ist die Fichte so gut wie gar nicht zu finden“, sagt Baumann. „Hier wächst sie nur marginal. Der Boden ist einfach zu trocken.“ Die wenigen, die es gibt, werden nun auch noch nach und nach gefällt. „Sie sind an der Rotfäule erkrankt“, sagt Baumann. Und da ist man dann auch schon bei zweien der zahlreichen Makel der Fichte angelangt. Sie benötigt nämlich viel Wasser, kann dementsprechend nicht überall wachsen. „Sie ist nicht widerstandsfähig.“ Deshalb neigt der Baum zu Rotfäule, ist zusätzlich „sehr anfällig“ für den Befall mit Borkenkäfer. „Das ist ein Problem“, sagt Baumann. Denn der Borkenkäfer befällt den Baum sowohl stehend als auch liegend, wenn er gefällt ist und auf seinen Abtransport wartet. „Davon betroffen können ganze Bestände sein, und in Sägewerken kann man mit ihnen dann auch nichts mehr anfangen“, so die Fachfrau. Deshalb müssen die Fichten im Frühjahr vermehrt kontrolliert und im Zweifel gefällt werden.

Immer grün

Ein weiteres Problem sind die Nadeln, die auf den Waldboden herabfallen und ihn versauern. „Aus diesem Grund dürfen die Bäume nur noch in Mischwäldern zusammen mit Eichen und Buchen wachsen“, sagt Baumann, die sogleich noch einen Minuspunkt für die Fichte aufzählt: die geringe Standhaftigkeit. „Der Stamm ist schmal, die Krone wenig ausgeprägt. Dadurch ist die Fichte windanfällig, fällt schnell um“, so Baum. Das ist natürlich auch gefährlich – erspart allerdings das Fällen. Denn die Fichte ist auch ein beliebter Weihnachtsbaum. Man kann sie ins Wasser stellen, die Nadeln sind nicht so spitz, das Kleid ist immer grün. Allein der Weihnachtsbaum auf dem Römerberg muss vier Wochen durchhalten. Diese Fichte übrigens kommt aus Tirol, nicht aus dem Stadtwald.

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