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Die Firmen-Kita wird zum Standard

35 Betreuungseinrichtungen in Frankfurt werden mittlerweile von Firmen betrieben. Für Null- bis Sechsjährige gibt es 1832 Plätze. Doch auch ältere Kinder kommen zum Zuge. Dabei gibt es aber staatliche Hindernisse. Im neuen Betriebshort der Commerzbank, in dem neun Erst- und ein Zweitklässler nachmittags untergebracht sind, packt auch der Einrichtungsleiter mit an: Julian Kracht bastelt mit (von links) Egehan, Anna und Juri.	Foto: Martin Weis Im neuen Betriebshort der Commerzbank, in dem neun Erst- und ein Zweitklässler nachmittags untergebracht sind, packt auch der Einrichtungsleiter mit an: Julian Kracht bastelt mit (von links) Egehan, Anna und Juri. Foto: Martin Weis

Frankfurt. 

Im Kampf um die Fachkräfte und das Image als attraktiver Arbeitgeber gewinnt die Einrichtung firmeneigener Kinderbetreuung an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen in Frankfurt setzen auf Betriebskrippe oder Betriebskindergarten. Vor mehr als 30 Jahren eröffnete die Deutsche Bank den ersten Betriebskindergarten. Heute gibt es in der Stadt 35 solcher Einrichtungen. Vor drei Jahren waren es noch 26.

Einige Unternehmen denken wieder weiter. Gestern eröffnete die Commerzbank einen eigenen Hort. Dort werden zunächst zehn Kinder von Schulende bis 19 Uhr betreut. "Wir wollen die Zahl bis auf 80 ausbauen", kündigt Vorstand Ulrich Sieber an. Das ist nicht billig: 3000 Euro pro Platz habe allein die Einrichtung im "Kids & Co."-Gebäude der Bank gekostet. Pro Monat und Kind sind weitere 800 Euro fällig – hälftig aufgeteilt zwischen Eltern und Kreditinstitut.

Geldwerter Vorteil

Aber das reicht nicht: Denn auch der Staat hält seine Hand auf, kassiert von der Bank weitere 150 Euro. Geldwerter Vorteil nennt sich das Prinzip, das etwa von privat genutzten Dienstwagen bekannt ist. Im Fall der Betreuung von Hortkindern das Problem: Diese sind schulpflichtig. Wären sie es nicht, entfiele die Steuer. Denn die Betreuung von nicht-schulpflichtigen Kindern ist steuerfrei – egal ob der Arbeitgeber für den Betriebskindergarten oder den Platz im "normalen" Kindergarten zahlt.

Laut Bundesfinanzministerium gibt es bisher kaum Betriebshorte. Deshalb gibt es dafür auch keine steuerlichen Extra-Regelung. "Eine Abrechnung wie für Kindergartenkinder würde hohe Bürokratiekosten verursachen", sagt Sprecherin Silke Bruns. Dies widerspreche dem Bemühen, steuerliche Sonderregelungen abzubauen.

"Das verstehe ich nicht", sagt Sieber. Trotzdem hält er die Investition in die Kinderbetreuung für lohnenswert. "Das ist sehr clever", sagt Barbara David, bei der Bank für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zuständig. Ausfallzeiten würden vermieden, die Bindung ans Unternehmen wachse. "Beim Return on Investment kommen wir bei unseren Studien auf 23 Prozent."

Wichtiger Baustein

Das erkennen immer mehr Firmen. Nach Angaben der Stadt werden in 35 betrieblichen Einrichtungen 1144 U 3-Kinder, 688 Kindergartenkinder und 25 Hortkinder betreut. "Noch fehlen in Frankfurt 4500 U 3-Plätze bis 2013", sagt Martin Müller-Bialon, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Betriebe seien ein wichtiger Baustein im Ausbauprogramm.

Daher wurde vor drei Jahren der Anreiz erhöht. Firmen, die in ihren Kitas wenigstens 25 Prozent der Plätze für Kinder aus dem Stadtteil anbieten, bekommen die Betriebskosten zu 100 Prozent ersetzt – bleibt also vor allem die Investition in die Räume übrig.

Bei den Mitarbeitern kommt diese Sonderleistung gut an. "Wir sind total ausgebucht", sagt Helene Tiefen von der Kita am Huthpark der BG Unfallklinik. 45 Plätze von 5.45 bis 18 Uhr gibt es, auch der Schichtdienst profitiert davon. Viele Kliniken investieren in Kinderbetreuung. Tiefen nennt es "einen Anreiz zur Einstellung" – das helfe in Zeiten des Ärztemangels.

Ähnlich ist es bei der Mainova. "Als attraktiver Arbeitgeber gehört die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dazu", sagt ein Sprecher. Seit eineinhalb Jahren werden 13 Kinder betreut – schon jetzt ist die Nachfrage höher. "Das Geld ist gut angelegt", so der Sprecher. Besonders lange werden die Kinder im "Fluggi-Land" der Fraport betreut: von 6 bis 22 Uhr, 365 Tage im Jahr. Weil es in Sindlingen liegt, werden dort auch Kinder von Infraserv-Angestellten untergebracht – wenn die Eltern in einer Notsituation sind.

Sind firmeneigene Horte nun der nächste Schritt? Die Commerzbank erwartet das, will Vorreiter sein. Die Stadt ist nicht ganz so begeistert, gibt bisher auch keine Zuschüsse. "Horte sollten direkt an den Schulen sein, wo sie gebraucht werden", sagt Müller-Bialon. Die Commerzbank bietet für ihre Kinder einen Abholservice.ses

(ses)
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