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Personal: Die Frankfurter Stadtverwaltung stockt auf - und das kostet

Von Nachdem das Stadtparlament für dieses Jahr bereits 540 neue Stellen für die Stadtverwaltung bewilligt hat, will die Koalition aus CDU, SPD und Grünen 2018 erneut 190 neue Mitarbeiter anwerben. Der Grund: Die Stadt wächst – und damit der Personalbedarf.
Ein Bild mit Symbolkraft: Zurzeit ist der Haushalt im Römer in Schieflage. Dennoch wagt die Stadt eine kostenintensive Personal-Offensive. Foto: Nicolas Armer (dpa) Ein Bild mit Symbolkraft: Zurzeit ist der Haushalt im Römer in Schieflage. Dennoch wagt die Stadt eine kostenintensive Personal-Offensive.
Frankfurt. 

Mit der Frankfurter Personalpolitik ist kürzlich der Präsident des Landesrechnungshofes, Walter Wallmann junior, Sohn des früheren gleichnamigen Oberbürgermeisters, ins Gericht gegangen. Für ihn ist der Stellenzuwachs nicht begründet, denn: „Wir konnten kein Bedarfsplanungskonzept feststellen.“

Frankfurt habe im laufenden Jahr 540 neue Stellen geschaffen. Im Haushalt 2018 seien weitere 193 geplant. Mit zusammen über 700 Stellen seien das fast so viel wie zwei mittelgroße Städte insgesamt haben. Die Jahresbelastung liege bei rund 40 Millionen Euro.

Lässt prüfen, welche Projekte verschoben werden können: Kämmerer Uwe Becker (CDU). Bild-Zoom Foto: Arne Dedert (dpa)
Lässt prüfen, welche Projekte verschoben werden können: Kämmerer Uwe Becker (CDU).

Offenbach gibt mehr aus

2016 hat die Stadt Frankfurt rund 522 Millionen Euro brutto für ihr Personal ausgegeben. Treten 190 neue Mitarbeiter ihren Dienst an, erhöht sich dieser Betrag um rund 13 Millionen Euro jährlich. Grundlage dieser Berechnung ist der jüngst veröffentlichte Bericht des Landesrechnungshofes über die Haushaltsstruktur der hessischen Großstädte. Demnach betrugen die durchschnittlichen jährlichen Personalkosten pro Beschäftigten in der Stadtverwaltung rund 68 000 Euro.

Die Zahl stammt aus dem Jahr 2014, neuere Zahlen liegen nicht vor. Kassel und Offenbach geben mehr Geld für ihr Personal aus: In Kassel sind es pro Beschäftigten und Jahr fast 10 000 Euro mehr, nämlich rund 77 000 Euro in Offenbach 70 000 Euro.

Auf 1000 Frankfurter Bürger entfallen 2,3 Beschäftigte in der Stadtverwaltung – in Kassel sind es nur 0,89. Der Frankfurter Personalamtsleiter Christian Ley verweist darauf, dass Frankfurt als Großstadt eben auch vielfältigere Aufgaben zu erfüllen habe und erinnert beispielsweise an die Flughafenfeuerwehr. Mehr als zwei Drittel der Frankfurter Magistratsbeamten sind im gehobenen oder höheren Dienst. Frankfurt zeichnet sich darin aus, dass der Stellenplan relativ viele hochdotierte Posten ausweist. 177 Personen sind in der Gehaltsgruppe A 15 (Magistratsdirektor/in) oder A 16 (Leitender Magistratsdirektor). Die Mainmetropole hatte Ende 2016 729 624 Einwohner. In der deutlich größeren Stadt Köln mit über einer Million Einwohner (1 081 701, Stand Ende 2016) und der damit verbundenen größeren Stadtverwaltung sind nur 71 Personen in diesen beiden Gehaltsgruppen.

Eine leitende verheiratete 48-jährige Magistratsdirektorin mit einem Kind in der Gehaltsgruppe A 16 verdient in Frankfurt monatlich brutto 7226 Euro. Ein 40-jähriger verheirateter Magistratsdirektor mit zwei Kindern erhält 6620 Euro im Monat.

Auch in München ist der Anteil dieser lukrativen Gehaltsgruppen deutlich höher als in Köln. Das hängt offenbar auch mit dem Nord-Süd-Gefälle beim Lohn zusammen. Der Bruttolohn je Frankfurter Arbeitnehmer betrug 31,15 Euro je Stunde nach einem Städtevergleich aus 2014, in München waren es 30,45 Euro, in Köln „nur“ 28,75 Euro.

Auch beim erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt ist Frankfurt unter den deutschen Großstädten einsame Spitze. Es liegt bei 98 042 Euro pro Beschäftigten, Stuttgart liegt mit 95 678 Euro auf dem zweiten Platz.

Um qualifizierte Arbeitskräfte zu erhalten, muss die Stadt Frankfurt diese höher eingruppieren. Personalamtsleiter Ley findet nicht, dass Frankfurt seine Beschäftigten zu üppig bezahle: „Wenn dem so wäre, hätten wir keine Personalgewinnungsprobleme.“ Vor allem Ingenieure für Hoch- und Tiefbau, Ärzte für das Gesundheitsamt, aber auch Feuerwehrleute seien schwer zu bekommen. „Wir haben die Stellen bei der Berufsfeuerwehr anheben müssen“, sagt Ley. „Sonst hätten wir im Vergleich zu den Nachbarstädten Mainz. Aschaffenburg und Würzburg nicht mithalten können.“ Von den 2017 vom Stadtparlament beschlossenen 540 Stellen sind erst einige besetzt. Ob im 2018 Haushalt tatsächlich 190 Stellen dazu kommen hält Ley nicht für ausgemacht: „Da sind wir noch ganz weit weg.“

60 Neue fürs Baudezernat

Von den 190 Stellen sollen allein 60 Mitarbeiter beim Baudezernenten Jan Schneider anfangen. Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (beide CDU) soll 30 neue Verwaltungskräfte erhalten. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) kann ihr Personal um 25 Mitarbeiter, Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) um 17 und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) um 16 Beschäftigte aufstocken. Die meisten der neuen Jobs sind laut Ley Sachbearbeiterstellen im mittleren und gehobenen Dienst.

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