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Neue Fußgängerzone in der Neuen Rothofstraße: Die Frankfurter Zeil bekommt Konkurrenz

Von Die Zeil ist nicht mehr Spitze im bundesweiten Vergleich. Bei den Mieten holt Berlin auf, bei der Passantenfrequenz schneiden sogar Einkaufsmeilen in deutlich kleineren Städten besser ab. Aber es gibt in der westlichen Innenstadt eine neue Einkaufslage, die versucht, sich zu etablieren.
Bis vor kurzem war die Neue Rothofstraße noch Baustelle. Mittlerweile aber ist Frankfurts jüngste Fußgängerzone weitgehend fertig. Foto: Heike Lyding Bis vor kurzem war die Neue Rothofstraße noch Baustelle. Mittlerweile aber ist Frankfurts jüngste Fußgängerzone weitgehend fertig.
Frankfurt. 

Weitgehend unbemerkt ist vor wenigen Wochen eine Ära zu Ende gegangen. Das letzte inhabergeführte Geschäft hat Frankfurts wichtigste Einkaufsmeile, die Zeil, verlassen. Die traditionsreiche Parfümerie Kobberger, die ihren Laden neben den E-Kinos hatte, ist zwar nur ein paar Meter weiter gezogen, ins rekonstruierte Palais Thurn und Taxis. Aber die Zeil ist jetzt komplett in der Hand der Filialisten.

Die können die hohen Mieten in der City zahlen. „Aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks ist das Niveau weiter angestiegen“, heißt es im aktuellen City-Report des Immobilienberaters Aengevelt. Doch die Wachstumsdynamik lasse spürbar nach. So stagniere die Spitzenmiete derzeit bei 320 Euro pro Quadratmeter, das Maklerunternehmen BNP Paribas Real Estate sieht sogar einen leichten Rückgang auf 300 Euro. Bisher lag Frankfurt jahrelang bundesweit auf dem zweiten Platz hinter München, wurde 2016 aber erstmals von Berlin überholt. Dort werden rund um den Ku’damm laut Aengevelt sogar bis zu 340 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Berlin verzeichnet als einzige deutsche Großstadt einen deutlichen Anstieg der Spitzenmieten.

Andere Städte holen auf

Viel überraschender ist eine andere Entwicklung: Bei der Passantenfrequenz wurde die Zeil, die einst Nummer 1 in Deutschland war, von Einkaufsstraßen in Stuttgart und Hannover überholt und liegt mittlerweile bundesweit nur noch auf dem sechsten Platz. Und das, obwohl die Frequenz sogar zugenommen hat: Am Samstag, 1. April, hat das Maklerunternehmen Engel & Völkers auf der Zeil 11 354 Passanten gezählt, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Andere Städte legten viel stärker zu. Allerdings handelt es sich nur um eine Momentaufnahme, die Frequenz in den Einkaufsstraße hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Das Wetter, ein gelungenes Stadtmarketing sowie belebende Events können Einfluss auf die Resultate haben“, erläutert Maike Brammer, Leiterin der Forschungsabteilung bei Engel & Völkers.

Insgesamt hat sich der stationäre Einzelhandel in Frankfurt laut Aengevelt trotz der Konkurrenz durch den Online-Handel positiv entwickelt. Der Umsatz sei 2016 um drei Prozent auf 4,92 Milliarden Euro gestiegen. Das Beratungsunternehmen sieht eine stabile Nachfrage auch bei Luxusanbietern, die sich vor allem in der Goethestraße tummeln. Dort sind die Spitzenmieten leicht auf 280 Euro geklettert. Auch in der benachbarten Freßgass’ ist die Nachfrage hoch, der Quadratmeter kostet bereits bis zu 240 Euro.

Info: Mieten auf hohem Niveau

Um die Mieten vergleichen zu können, geben Immobilienberater die Preise für einen idealtypischen Laden mit 100 Quadratmeter Fläche an.

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Beide Straßen liegen am westlichen Rand der City – und gerade dort tut sich viel. In der Neuen Rothofstraße, einer Parallelstraße der Goethestraße, ist Frankfurts jüngste Fußgängerzone entstanden. Bisher ist das noch wenig bekannt. Nachdem jetzt ein Großteil der Bauarbeiten abgeschlossen ist, soll sich das ändern. Zwei Investoren, die dort Ladenflächen anbieten, wollen künftig gemeinsam für den Standort werben. Bisher gab es noch nicht einmal einen einheitlichen Namen: Das „Maro“, ein Büro- und Geschäftshaus an der Neuen Mainzer Straße, firmierte unter „Opernquartier“, das benachbarte „Junghof“, ein umgebautes Bürohaus, unter „Goetheviertel“. Jetzt wird die Einkaufsstraße einfach unter dem Namen „Neue Rothof“ beworben. Eine Internetseite wurde bereits eingerichtet. Demnächst sollen auch Veranstaltungen Kunden an den Rand der City locken. Möglich seien etwa Modeschauen auf der verkehrsberuhigten Straße, berichtet Philipp Cronenmeyer, Sprecher des Unternehmens Groß & Partner, welches das „Maro“ entwickelt hat. „Derzeit überlegen wir, wie wir die Straße noch verschönern können.“ Vor den Läden sollen Lounge-Möbel zum Verweilen einladen, Cronenmeyer kann sich außerdem eine Begrünung vorstellen. Freies WLAN soll ebenfalls installiert werden.

Günter Murr
Kommentar: Handel unter Druck

Der Handel befindet sich in einem rasanten Wandel. Ein Teil des Geschäfts wandert ins Internet. Die über Online-Shops erzielten Umsätze legen enorm zu, in diesem Jahr wird ein Wachstum von elf Prozent vorhergesagt.

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Der Start für das im vergangenen Jahr eröffnete Gebäude war schwierig, die ersten Mieter sind schon wieder ausgezogen. Doch schon in den nächsten Tagen eröffnen die Nachfolgeläden – individuelle Textilhändler mit gehobenem Niveau, kein Luxus. „Wir können ausprobieren, was funktioniert“, sagt Cronenmeyer. Das Areal sei noch in der „Findungsphase“.

Weitere Projekte in Planung

Er würde sich wünschen, dass auch die Nachbarn mitziehen. Beim „Junghof“ ist das schon der Fall. Weiter östlich soll auch der Bürokomplex „Junghof Plaza“ umgebaut werden. Die Investoren sind noch in Gesprächen mit der Stadt, erwogen wird eine Mischung aus Geschäften, Gastronomie und einem Hotel. Damit wird möglicherweise eine Verbindung hergestellt zur wesentlich größeren Neuentwicklung auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal. Auch dort sollen in den Erdgeschossen Läden entstehen.

Sorgen bereiten Cronenmeyer die Gebäude auf der Nordseite der Neuen Rothofstraße. Es handelt sich um die Rückseite der Geschäftshäuser an der Goethestraße. Die Inhaber hätten wenig Interesse an ihren Hintereingängen. „Da wird oft nur der Müll rausgestellt.“ Relativ trist sieht derzeit auch noch die Neue Mainzer Straße Richtung Opernplatz aus. Das Gebäude der Allianz steht schon seit einigen Monaten leer. Im kommenden Jahr soll es abgerissen werden. 2021 könnte ein Neubau stehen. Vielleicht hat sich die westliche Innenstadt bis dahin als Einkaufsstandort etabliert.

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