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Die Gelben Engel packen ein

Von Täglich bis zu 160 Jugendliche haben auf dem ADAC-Übungsplatz am Rebstockgelände anfahren, kuppeln, bremsen und einparken gelernt. Zwischen 15 000 und 23 000 kamen im Jahr, also etwa 1,2 Millionen seit der Eröffnung 1957. Nun ist damit Schluss, die Stadt hat das Gelände verkauft.
ADAC-Mitarbeiter Diether Noll (66) packt die letzten Utensilien des Verkehrsübungsplatzes in sein Auto. Heute ist sein letzter Arbeitstag dort draußen in der Nähe des Rebstockgeländes. Der Automobilclub muss aufhören, weil die Stadt das Gebiet an die Messe GmbH verkauft hat. Foto: Chris Christes ADAC-Mitarbeiter Diether Noll (66) packt die letzten Utensilien des Verkehrsübungsplatzes in sein Auto. Heute ist sein letzter Arbeitstag dort draußen in der Nähe des Rebstockgeländes. Der Automobilclub muss aufhören, weil die Stadt das Gebiet an die Messe GmbH verkauft hat. Foto: Chris Christes
Frankfurt. 

Die Reifen des Kleinwagens qualmen und quietschen, als Isabelle Senfleben (17) Gas gibt. Das Auto macht einen Satz, hoppelt ein paar Meter vorwärts – dann Stille. "Motor abgewürgt", befindet Isabelles Vater Stefan (49). Kurz zuvor hatte er noch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, nun kann er wieder scherzen: "Ich bin kurz vor‘m Herzinfarkt", sagt er und grinst seine Tochter vom Beifahrersitz aus schelmisch an. Die seufzt und sagt: "Wenn ich den Führerschein habe, fahre ich ganz weit weg." Isabelle lernt Autofahren auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatzes am Rebstockpark. Das ist ein Privatgelände, auf dem man, hinter Schranken, auch ohne Führerschein fahren darf – zum Üben.

Letzter Tag zum Üben

Die beiden sind unter den letzten, die hier fahren werden. "Heute geht es für den Platz zu Ende", sagt der Bewacher der Schranken wehmütig. Diether Noll (66) ist eigentlich Rentner, aber weil er "frische Luft, die Freiheit und den Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen" mag, hat er 2010 das Angebot des ADAC angenommen und macht seitdem den Job im Service-Häuschen des Verkehrsübungsplatzes. Dass der nun schließt, macht ihn "schon ein wenig traurig. Das alles hier ist mir ans Herz gewachsen". Es sei eine Schande, dass die Stadt ihrer sozialen Verantwortung nicht mehr gerecht werde. Weil die Stadt den Pachtvertrag gekündigt hat und es in der Nähe kein anderes geeignetes Gelände gibt, vermutet Noll, dass "die Leute jetzt illegal auf öffentlichen Parkplätzen ‘rumprobieren". Das könne es ja nicht sein.

Obwohl das nun nicht mehr wichtig ist, erklärt der ehemalige Bauingenieur den 30 Hektar großen Platz und die Regeln, kann sich nicht gut davon lösen. Die Preise, das Tempolimit, die Ausstattung – und dass sich keiner sorgen müsse. Im Preis sei immer eine Versicherung inbegriffen. "Das ist der schönste Platz in Hessen", findet Noll.

Es gibt eine Kreuzung mit Ampelanlage, daneben eine Einbahnstraße, ein paar "Parkplätze", die aus alten passend drapierten Autoreifen bestehen, ein paar schwierige Kurven und der unter Frankfurter Autofahrern berüchtigte Anfahrhügel.

"An dem Hügel bin ich zu meiner Zeit schon verzweifelt", sagt der 54-jährige Stefan Liebs, der hier mit seiner Tochter Anna (16) die erste Übungsstunde im Auto mit Kupplungsgetriebe abhält. Mit seinen beiden anderen Kindern war er auch schon hier. "Mein Vater hat meine Geschwister und mich vor vielen Jahren schon hier gelehrt. Das ist eine alte Familientradition", berichtet Liebs, bevor Anna die ersten Erfahrungen mit der Kupplung macht. Dass der Platz geschlossen werde, sei "sehr schade". Nach Bensheim fahren will der Familienvater "definitiv nicht".

"In Bensheim betreiben wir noch einen weiteren Platz", berichtet Cornelius Blanke, ADAC-Sprecher in Hessen und Thüringen. Dennoch bedauert auch er das Ende in Frankfurt. Bensheim sei nun der letzte Übungsplatz in Hessen. Sein Kollege Matthias Schirmer ist zuständig für die Liegenschaften des ADAC. "Wir suchen gemeinsam mit der Stadt nach Alternativen", sagt er. Aber viel Hoffnung habe er nicht. "Gewerbeflächen kosten im Stadtgebiet bis zu 1 Euro pro Quadratmeter. Das können wir kaum kostendeckend gestalten." Er hofft, dass die Stadt oder ein anderer Besitzer "einen guten Preis macht".

Messe übernimmt Gelände

Der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, beteuert, dass "die Stadt nichts gegen den Übungsplatz hat". Der Pachtvertrag sei schon vor längerer Zeit aufgelöst und das Gelände an die Messe Frankfurt gegeben worden. "Zunächst wird es als Parkfläche genutzt werden", weiß der Sprecher. Die Stadt beteilige sich an der Suche nach einem Ausweichobjekt und habe auch schon etwas im Auge. "In der Nähe der Autobahnraststätte Taunusblick gibt es ein Gelände, das vielleicht geeignet wäre", berichtete Gellert. Das sei aber eine "sehr vage Option".

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