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Vespa-Club stellt Liebhaberstücke aus: Die Parade der Kult-Roller

Von Fast zwei Jahre haben Renate Gräfe und Jochen Haseleu geschuftet, jetzt ist es vollbracht: Im März soll das Vespa-Museum in Alt-Praunheim eröffnen. Sieben der Kult-Motorroller aus Italien sowie viele Kleinigkeiten und Liebhaberstücke, die entdeckt werden wollen.
Haben über 2000 Arbeitsstunden in die Verwirklichung des Museums gesteckt: Renate Gräfe und Jochen Haseleu. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Haben über 2000 Arbeitsstunden in die Verwirklichung des Museums gesteckt: Renate Gräfe und Jochen Haseleu.
Frankfurt. 

Vorsichtig streicht Renate Gräfe über den schwarzen Helm mit den braunen Applikationen aus Leder. Ganz ruhig wird die Stimme der 77-Jährigen, als sie zu erzählen beginnt. Der Helm, sagt sie, habe einem lieben Vespa-Kollegen gehört. Erst vor kurzem sei er nach schwerer Krankheit verstorben, seine Familie übergab den Helm an Renate Gräfe. Die hängt ihn wieder an den Griff der Vespa, noch einmal legt sie ihre Hand auf das Stück voller Erinnerung.

Bilderstrecke Frankfurt: Neues Vespa-Museum in Alt-Praunheim
Am 1. März eröffnet im Stadtteil Praunheim, Alt-Praunheim 44, ein Vespa-Museum. Hier im Bild: Renate Gräfe und Jochen Haseleu.Reproduktion eines Fotos (aufgenommen 1953 in der HasengasseI) aus dem Museum.Renate Gräfe in einem Vespa-Spiegel.

Der Helm ist nur eines von unzähligen großen und kleineren Liebhaberstücken, die Renate Gräfe gemeinsam mit ihrem Vespa-Freund Jochen Haseleu, Vorsitzender des „Vespa & Ape-Club Frankfurt-Nord-West“, in den vergangenen zwei Jahren ins beste Licht gerückt hat. In einer alten Kegelbahn in Alt-Praunheim, die jetzt ein Museum ist – das Vespa-Museum der „Renate Gräfe Vespa Stiftung“. Das Herzstück sind sicherlich die zehn in Reih und Glied aufgestellten Vespas, sortiert von Alt nach Jung. In Blau, Orange, Rosa, Silber und Rot sorgen die auf Hochglanz polierten Kult-Roller für Farbe in dem engen schmalen Raum.

Liebevoll gestaltet

Der ist richtig gemütlich, hellbraunes Holz schmückt die Wände, eine weiße Abtrennung mit Glasscheibe lässt den Raum noch länger wirken. Weiße Sitzmöbel mit lilafarbenen Polstern stehen vor dem einzigen Fenster. „Vieles, was wir hier verbaut haben, stammt aus dem Haus des Deutschen Vereins am Stockborn“, erzählt Jochen Haseleu. Der gelernte Fernmeldetechniker war dort angestellt, bis der Verein nach Berlin umzog. Seitdem steht das Haus leer. „Die Sachen sind doch viel zu schade, um sie verkommen zu lassen. Unser Museum ist jedoch froh über jede Unterstützung“, trug der 67-Jährige sein Anliegen beim Deutschen Verein vor und wurde für sein Engagement belohnt.

Das hat er in den vergangenen zwei Jahren ohnehin immer wieder an den Tag gelegt. Mindestens einmal die Woche trafen sich Gräfe und Haseleu im künftigen Museum, zehn Stunden schafften sie, was zu schaffen ist. „Auf 2000 Arbeitsstunden kommen wir bestimmt“, rechnet Haseleu vor. Hinzu kämen 300 Meter Kabel, die er verlegt, zahlreiche Steckdosen und Lichtschalter, die er angeschlossen hat. Dann drückt er einen Knopf, aus der Decke senkt sich eine Leinwand nach unten. Die hat Haseleu vom Sperrmüll in Nieder-Eschbach. Tadellos funktioniere sie, ist er begeistert. So könnten den Besuchern kleine Filme gezeigt werden. Rund 20 gibt es im Archiv.

Aber auch sonst gibt es für die Vespa-Liebhaber viel zu entdecken. Neben dem Eingang hängen auf blauem Untergrund Wappen, Aufnäher und Embleme. In der Vitrine gegenüber stehen Pokale, einige davon sind so liebevoll gestaltet, dass Renate Gräfe sich nicht sattsehen kann. „Das ist mit den heutigen Pokalen nicht mehr vergleichbar“, sagt sie.

Nostalgie pur

Gräfe ist übrigens eine Späteinsteigerin, was die Liebe zur Vespa betrifft. Erst 1998 stieg sie das erste Mal auf einen Roller – obwohl sie ihren Motorradführerschein schon seit 1957 in der Tasche hatte. Mittlerweile besitzt sie mehrere Exemplare, auch ihre erste Vespa ist im Museum ausgestellt. Dabei handelt es sich um eine der letzten Vespas, die noch aus Metall gebaut wurden. Schwer und massiv ist sie, mit den Rollern, die man heute kaufen kann, hat sie nicht mehr viel gemein. „Das Fahren alter Maschinen sind für das nostalgische Gefühl, aber viel schwerer zu fahren als die heute gebauten Exemplare. Die haben eine ganz andere Beschleunigung, an der Ampel gehen sie richtig ab“, erklärt Haseleu, dass man als Vespa-Liebhaber zwischen der Alltagsmaschine und einer wertvollen Maschine deutlich unterscheide.

Komplettiert wird das Museum übrigens von einer kleinen Bibliothek mit Vespa- und Werkstattbüchern sowie Fachliteratur und alten Vespa-Kalendern. Viele Dinge wurden gespendet und geschenkt. Anders wäre die Umsetzung des Museums nicht möglich gewesen. „Wir sind froh, es so weit geschafft zu haben. Es ist wie eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Jetzt freuen wir uns hier zu sein, ohne zu arbeiten“, hoffen Gräfe und Haseleu auf ruhigere Zeiten.

 

Das Vespa-Museum, Alt-Praunheim 44, hat jeden ersten Dienstag im Monat von 10 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist frei, kleine Spenden sind willkommen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.vespa-stiftung-frankfurt.de.

 

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