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Nieder-Erlenbacher Angler: Die Rückkehr der Meerforellen

Von Noch vor 20 Jahren glich der Erlenbach eher einer Kloake. Heute ist das Wasser gut, seit zehn Jahren leben hier wieder Fische – auch weil der Angler-Verein Nieder-Erlenbach hier regelmäßig aufräumt
Diese Meerforelle, die Wieland Grimm im vergangen Jahr aus der Nidda zog, hat eine eingekerbte Fettflosse – und ist somit einer jener Fische, die die IG Nidda hier eingesetzt hat. Bilder > Diese Meerforelle, die Wieland Grimm im vergangen Jahr aus der Nidda zog, hat eine eingekerbte Fettflosse – und ist somit einer jener Fische, die die IG Nidda hier eingesetzt hat.
Nieder-Erlenbach. 

Bewehrt mit Gummistiefeln, Handschuhen und grauen Müllsäcken stapfen Miguel Cerny, Steffen Rewitzer und Norbert Emde den Erlenbach entlang. Zahlreiche Flaschen, zerrissene Plastiksäcke und -tüten, einen Farbeimerdeckel und vieles mehr fischen sie aus dem Bach, der sich idyllisch zwischen Bäumen rund vier Kilometer weit durch den Stadtteil windet.

Nur ein kurzes Stück, zwischen der Brücke am Riedsteg und der nächsten Brücke bachabwärts, an der Straße Zum Schäferkoppel, klammern die Angler aus: Betreten verboten heißt es dort das ganze Jahr über. Denn vor allem dort liegen die Laichgründe der Bach- und Meerforellen, die die Interessengemeinschaft (IG) Nidda gemeinsam mit den Anglern hier seit sechs Jahren ansiedelt. In drei Wochen ist es wieder soweit: Dann setzen IG Nidda und Angelverein hier wieder 2000 einjährige Bachforellen aus.

Möglich ist das, weil der Erlenbach heute viel sauberer ist als noch vor 20, 30 Jahren, sagt Norbert Emde, der stellvertretende Vorsitzende der Angler. „Gestunken hat das hier, so dass man sich Creme unter die Nasenlöcher reiben musste, damit einem nicht schlecht wurde.“ Vor allem sei das der Kläranlage in Ober-Erlenbach zu verdanken gewesen, die heute fast alle Schadstoffe aus dem Wasser filtere, sagt Miguel Czerny, der Vorsitzende der Angler. Aber auch der Angler-Verein hat großen Anteil daran, räumten seine Mitglieder doch nach und nach Tonnen von Unrat aus dem Bachbett.

Von der Nidda aus haben Döbel, Elritzen und andere Fische wieder den Erlenbach besiedelt. Nicht von selbst hingegen kamen die Forellen zurück. Die ersten dieser mit dem Lachs verwandten Raubfische setzte der Angler-Verein 2007 ein, sagt Emde. Im gleichen Jahr erstellte das Meerforellenprojekt eine Machbarkeitsstudie und fand heraus, dass die Forellen im Erlenbach wieder heimisch werden können.

Dieselbe Fischart

Dabei sind Bach- und Meerforellen eigentlich derselbe Fisch, erklärt Emde. „Mit drei Jahren beginnen die Bachforellen, flussabwärts ins Meer zu schwimmen. Dann sind sie etwa 25 Zentimeter groß. Zum Laichen kehren viele wieder zurück.“ Dann haben sie sich verändert – und sind zu Meerforellen geworden. Bis zu 1,2 Meter können die Fische lang werden, sagt Emde.

Jetzt ist Schonzeit

Probleme hatten die Angler im vergangenen Jahr – wie von uns berichtet – mit Reitern, die ausgerechnet dort, wo die Forellen laichen, den Bach hinauf ritten. „Mit ihrem Gewicht machen die Pferde viel kaputt. Aber das Problem hat sich gelegt“, sagt Miguel Cerny. Nun queren sie nur noch den Bach, was weniger schlimm sei. Auch Hunde könnten ein Problem sein. „Wenn ein Hund am Bachufer spielt, ist das in Ordnung. Aber auch sie sollten nicht den Bach im Wasser hinauf- und hinunterlaufen.“ Vor allem nicht im Winter, wenn die Fische Ruhe halten. Denn die Forellen laichen im Herbst, von Anfang Oktober bis Ende März ist Schonzeit.

Von 5000 einjährigen Forellen setzt die IG Nidda 3000 in der Usa ein, die restlichen 2000 im Erlenbach, sagt Norbert Emde. Das Projekt zeigt bereits erste Erfolge, wie Jörg Schneider vom Meerforellenprojekt erklärt. „Im vergangenen Jahr wurden in der Nidda einige Rückkehrer gefangen. Man erkennt sie an den eingeschnittenen Fettflossen, denn wir haben die Fische beim Aussetzen markiert.“ Neben der Usa sei der Erlenbach am besten für die Wiederansiedlung der Fische geeignet. „In Frankfurt ginge das höchstens noch im Urselbach, doch dort ist die Mündung in die Nidda zu sehr verbaut.“

Damit die Fische über Rhein und Main zurück in die Nidda schwimmen können, müssen im Frühjahr und Herbst die Niddawehre nacheinander abgesenkt werden. „Das klappt sehr gut. Die Frankfurter Stadtentwässerung hat darin bereits Routine“, sagt Gottfried Lehr, der Initiator des Meerforellenprojekts. Zurzeit ist das Eschersheimer Wehr abgesenkt.

Stimmen muss aber auch die Wasserqualität, und so beteiligen sich neben den Nieder-Erlenbacher Anglern rund 20 weitere Vereine entlang der Nidda an der jährlichen Reinigungsaktion der IG Nidda. „Wir finden zwar nicht mehr so viel Müll wie früher. Trotzdem muss man den Bach regelmäßig reinigen, damit der Dreck nicht überhand nimmt“, sagt Miguel Cerny.

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