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Die Rückkehr ins gelobte Land

Ärger im Sachsenhäuser Landwehrweg: Zu den Protagonisten zählen eine Kinderärztin, der Träger zweier Krabbelstuben sowie deren aufgebrachte Eltern und Erzieher. Das Objekt der Begierde: ein Gartengrundstück, dessen Benutzung die Kinderärztin den Krabbelstuben-Kids zeitweilig verwehrte.
Aktiv an der frischen Luft: Bei gutem Wetter toben sich Merle (ganz rechts) und die anderen „Buntbären“-Kids regelmäßig im Freien aus. Bilder > Aktiv an der frischen Luft: Bei gutem Wetter toben sich Merle (ganz rechts) und die anderen „Buntbären“-Kids regelmäßig im Freien aus.
Sachsenhausen. 

Es war einmal vor langer Zeit ein weitläufiges Gartengrundstück im Sachsenhäuser Landwehrweg 112. Seit 1994 tobten hier die Kinder der beiden Krabbelstuben „Buntbären“ und „Miniflitzer“ - bei gutem Wetter reisten die Erzieher mit ihren Schutzbefohlenen zwei Mal in der Woche aus ihren Einrichtungen in der Brücken- sowie der Mühlbruchstraße an, damit sich die Kleinen im Grünen austoben konnten.

Doch dieser schöne Brauch nahm nach den Sommerferien ein jähes Ende. Wie Christian Strickstrock, Bereichsleiter der Gesellschaft für Jugendarbeit und Bildungsplanung, dem Träger der beiden Krabbelstuben, berichtet, standen die Erzieher am 24. Juli plötzlich vor verschlossenen Türen. Denn der weitläufige Garten befindet sich hinter der Praxis von Kinderärztin Dr. Barbara Schmitt.

Frau Doktor schweigt

Wer in den Garten will, der muss das Grundstück der Ärztin durchqueren. Schmitt, so vermuten die Erzieher, störte sich daran, dass die Kinder mehrmals wöchentlich über ihr Grundstück laufen, um in ihr kleines Spiel-Paradies zu gelangen. Kurzerhand und ohne Vorwarnung habe die Kinderärztin den Zugang versperrt, um Ruhe vor dem Lärm der spielenden Kinder zu haben, mutmaßen die Erzieher weiter. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht sagen. Denn Dr. Barbara Schmitt schweigt eisern und lässt trotz mehrfacher Nachfrage durch ihre Sprechstundenhilfe ausrichten, sie werde sich nicht zum Sachverhalt äußern.

Absperrungen beseitigt

Am Mittwoch um 10 Uhr suchten Erzieher, Kinder und Eltern der beiden Krabbelstuben schließlich erneut die Kinderarztpraxis auf, um vor deren Eingang öffentlichkeitswirksam gegen die Verbannung aus dem gepachteten Krabbelstuben-Garten zu demonstrieren. Doch die Demo fiel aus, da die Metallplatten, mit den das Gartentor verriegelt war, plötzlich fehlten. Es folgte die sinnbildliche Rückkehr ins gelobte Land.

Herrscht nun also wieder Frieden im Sachsenhäuser Landwehrweg? Wenn, dann wohl ein höchst fragiler. „Ich war geschockt. Gerade eine Kinderärztin sollte mehr Verständnis haben“, sagt „Buntbären“-Mama Irene Villatoro, die ihren zweieinhalbjährigen Sohn Lucas im Arm hält, während die anderen Kinder ganz ohne Geschrei durch den soeben zurückeroberten Garten streunen. Und „Buntbären“-Betreuerin Sabine Schlepper befindet, dass „dies nicht die Lösung sein“ könne, so lange sich die schweigsame Ärztin weigere, mit den Erziehern zu sprechen. Man wisse zudem nicht, ob die Kinder nicht demnächst erneut vor verschlossenen Türen stünden.

Christian Strickstrock verweist indes auf einen gültigen Pachtvertrag und die vermeintliche Aussichtslosigkeit, ein ähnlich gut geeignetes Grundstück in der Nähe zu finden, auf dem die Kinder nach Herzenslust toben können. Zudem habe der Träger vor vier Jahren 30 000 Euro in die Aufwertung des Gartens gesteckt. Mit Nestschaukel und Wasseranschluss ließe sich schlecht umziehen. Dass es manchmal etwas lauter zugehe, lasse sich nicht verhindern. Doch wie soll sich eine Lösung finden lassen?

Einzig der Eigentümer der beiden Grundstücke, der in Berlin lebende Dr. Rainer Hellriegel, könnte die angespannte Situation entschärfen. Doch: „Ich weiß von gar nichts, außer, dass ein Zuweg blockiert ist“, sagte dieser noch am Vortag und empfahl den Krabbelstuben-Nutzern doch einen anderen Zuweg zu nutzen. Diesen gibt es tatsächlich. Doch liegt dieser auf dem Gelände der Gärtnerei Görlich. Zudem ist der Privatweg nicht begehbar, da dieser durch ein Gemüsebeet verdeckt ist.

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