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Die Sehnsucht nach der Stille

Autos, Flugzeuge, Presslufthämmer, Elektrosensen, Laubbläser - wir Großstädter sind von Krachmachern umzingelt. Lärm macht krank, das wissen die Mediziner längst. Mit der „Woche der Stille“ wollen der Evangelische Regionalverband und das städtische Amt für Gesundheit für ein wenig Ruhe im hektischen Alltag sorgen.
Eine Oase der Ruhe: Der Innenhof zwischen Liebfrauenkirche und Kloster. Bilder > Eine Oase der Ruhe: Der Innenhof zwischen Liebfrauenkirche und Kloster.
Frankfurt. 

Punkt 14 Uhr schweben etwa 200 bunte Luftballons mit der Aufschrift „Psst“ oder „Stille“ lautlos gen Himmel und verschwinden hinter dem Turm der Liebfrauenkirche schnell in der Ferne. Die Ballon-Aktion ist der Auftakt der „2. Woche der Stille - Frankfurt beruhigt“. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr haben die Veranstalter auch diesmal wieder ein attraktives Programm zusammengestellt (siehe Info). Die „Woche der Stille“ dauert bis einschließlich Montag, 16. September.

 

Hunderte von Lichtern

 

Karolin (21) und Steffen (23) haben keine Augen für die Luftballons, die über ihren Köpfen rasch an Höhe gewinnen. Eng umschlungen sitzen die beiden Studenten auf einer Bank im Innenhof zwischen Liebfrauenkirche und Kapuzinerkloster und genießen diese Oase der Ruhe nur wenige Meter von der hektischen Zeil entfernt. Vor der imposanten Madonnenstatue an der Kirchenmauer brennen Hunderte von Teelichtern, die Tag für Tag von Gläubigen hier entzündet werden.

Sie sind selten in Frankfurt, die Orte der Stille, aber es gibt sie. Auf solche schallgedämpften Kleinode inmitten großstädtischen Dauerlärms hinzuweisen ist eines der Anliegen der „Woche der Stille“. Ein solcher Ort der Ruhe und Entspannung ist auch der Botanische Garten im Westend mit seinen wunderschönen Seerosen und der Vielfalt an Heilkräutern. Hier, gleich neben dem Palmengarten, gibt’s am Samstag, 14. September, um 11 Uhr eine Führung.

Stille ist Erholung, ist Balsam für Herz und Seele. Doch Stille ist nicht unbedingt lautlos. So kann man auch beim Chorgesang in einem Gotteshaus zur Ruhe kommen, den inneren Motor um ein paar Gänge zurückschalten. Beispielsweise morgen Abend um 19 Uhr in der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg. Dort können die Besucher einen der seltenen Auftritte der Chorschola des Chorstifts Kiedrich außerhalb Kiedrichs erleben. Die jahrhundertealten gregorianischen Gesänge lassen uns innehalten. Es ist, als ob die Zeit zurückgedreht wird.

 

Lärm macht krank

 

Auf Dauer sind die Hektik des Alltags in der Großstadt, aber auch die ständige Geräuschkulisse anstrengend für den Körper und können ihn krank machen. Häufige Folgen sind zum Beispiel Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Menschen in den Metropolen sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Sie sind die Zielgruppe der „Woche der Stille“.

Bei lärmgeplagten Großstädtern kommt es nicht selten vor, dass sie im Urlaub in einem einsamen Bergdorf mitten in der Nacht plötzlich aus dem Schlaf schrecken, weil sie absolute Stille nicht mehr gewöhnt sind. Projektleiter Matthias Roos vom Amt für Gesundheit der Stadt Frankfurt spricht in diesem Zusammenhang von der „Lärmvermüllung unseres städtischen Umfeldes“. Dieser soll mit der „Woche der Stille“ aktiv etwas entgegengesetzt werden - zum Beispiel mit einer „Ruhe-Oase“ in der B-Ebene der Hauptwache, die in einem Ladenlokal eingerichtet wurde und an fünf Tagen von 11 bis 14 Uhr geöffnet ist. Durch die Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Regionalverband solle, so Roos, auch die spirituelle Seite angesprochen werden. Das Umweltamt der Stadt beteiligt sich ebenfalls und begibt sich gemeinsam im Austausch mit Besucherinnen und Besuchern auf „die Suche nach dem Klang der Stadt“.

Eine Oase der Ruhe: Der Innenhof zwischen Liebfrauenkirche und Kloster.
INFO

Die „2. Woche der Stille - Frankfurt beruhigt“ wurde gestern eröffnet und dauert bis einschließlich Montag, 16. September. Gemeinsame Veranstalter sind das Frankfurter Amt für Gesundheit und der

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