E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Gruneliusschule ist überfüllt: Die Stadt lässt ihre Schüler im Stich

Von Die Gruneliusschule soll abgerissen und neugebaut werden. Das steht seit Jahren fest. Doch das Vorhaben kommt nicht voran. Dabei wäre mehr Platz dringend nötig.
Eigentlich hätte die Gruneliusschule schon vor Jahren umgebaut werden sollen. Daraus wurde bis heute nichts, bedauert auch Schulleiterin Annette Christoph. Die Kinder im Rollstuhl müssen so beispielsweise in den Musikraum im vierten Stock getragen werden. Foto: Michael Faust Eigentlich hätte die Gruneliusschule schon vor Jahren umgebaut werden sollen. Daraus wurde bis heute nichts, bedauert auch Schulleiterin Annette Christoph. Die Kinder im Rollstuhl müssen so beispielsweise in den Musikraum im vierten Stock getragen werden.

Geduld ist nicht unbedingt die Stärke von Annette Christoph. Das gibt die Leiterin der Gruneliusschule ohne Umschweife zu. Doch in Geduld muss sie sich seit Monaten üben. Seit September des vergangenen Jahres ist die sogenannte Planungsphase 0 für die Grundschule in Oberrad, die abgerissen und neugebaut werden soll, beendet. Ein Architektenentwurf sowie ein pädagogisches Konzept für die Schule wurden entwickelt. Doch seither warten Annette Christoph, die Lehrer, Schüler und Eltern auf Nachrichten aus dem Amt für Bau und Immobilien, wie es nun weitergeht.

Dazu kann das für das Amt für Bau und Immobilien zuständige Baudezernat aber noch keine Auskünfte geben. „Die Planungsphase 0 ist formal noch nicht abgeschlossen. Der Abschlussbericht der beauftragten Architekten liegt noch nicht vor“, heißt es von einer Sprecherin von Baudezernent Jan Schneider (CDU) nur kurz und knapp. Deshalb habe das Amt auch noch keinen Auftrag zur Umsetzung der Pläne bekommen.

Weiter warten

Für Annette Christoph und die Schulgemeinde heißt das: Warten. Was alle sehr bedauern. „Wir haben Angst, dass wir wieder vergessen werden“, sagt Rebekka Englert vom Elternbeirat der Gruneliusschule. „Schon vor acht Jahren hätte die Schule umgebaut werden sollen, passiert ist allerdings bis heute nichts.“ Und das, obwohl immer mehr Neubauten in dem Stadtteil entstehen, immer mehr Kinder die Grundschule besuchen sollen. Doch diese platzt mittlerweile aus allen Nähten. „Es gibt keinen Platz mehr“, so Englert. Fachräume wurden schon zu Klassenräumen umfunktioniert. Die Lehrerumkleide in der Turnhalle musste für eine barrierefreie Toilette für die drei Schüler in Rollstühlen weichen. „Die Gruneliusschule arbeitet seit Jahren inklusiv, ist dafür aber gar nicht ausgestattet.“

Aufzug? Fehlanzeige. „Die Kinder im Rollstuhl müssen in den Musikraum im vierten Stock getragen werden“, sagt Englert. Der Neubau hingegen, der soll barrierefrei werden. Dem sehnen sich alle entgegen.

Neue Hülle, neuer Inhalt

„Der Entwurf ist toll geworden“, sagt Annette Christoph. Der Verwaltungstrakt wird sich im obersten Stockwerk befinden, im Erdgeschoss soll eine Mensa Einzug erhalten. Zudem wird es dort eine große Fläche für gemeinschaftliche Aktivitäten geben wie Schulfeste oder auch Schulversammlungen.

Weiter ist geplant, dass jeder Jahrgang einen eigenen Gebäudeteil bekommt mit „Teamräumen“ und Toiletten. „Die Klassenräume sollen um einen großen Flur angesiedelt werden“, sagt Christoph. Im Flur sollen die Bücher und sonstige Lernmaterialien zu finden sein. Die Arbeitsplätze aber sind in den Klassenräumen. „Dort können sie sich zurückziehen und in Ruhe arbeiten“, so Christoph. „Wir verstehen Schule als Lebensraum, als Wohlfühlort. Die Kinder verbringen hier sieben, acht Stunden.“

Die Schule bekommt aber nicht nur eine Hülle, sondern auch einen neuen Inhalt. Während der Planungsphase konnten sich Schulleitung und Lehrer auch Gedanken darüber machen, wie sie in Zukunft lehren wollen und wie die Kindern lernen sollen. „Wir wollen nicht in Klassen, sondern in Jahrgängen denken“, erklärt die Schulleiterin.

Immer zwei Klassen eines Jahrganges sollen zusammenarbeiten – sie sollen sich den Klassenlehrer und die Lernmaterialien teilen. „Das hat den Vorteil, dass die Lehrer nicht jedes Unterrichtsfach vorbereiten müssen“, sagt Christoph. „Sie arbeiten in Teams, können sich absprechen.“

Alle auf einem Flur

Mit der Umsetzung des Konzepts wollte die Schule aber nicht auf das neue Gebäude warten.

Schon seit Beginn dieses Schuljahres arbeitet man im ersten Jahrgang klassenübergreifend. Die Klassen eines Jahrgangs sind auf einem Flur angesiedelt. „Jetzt haben wir noch Zeit, uns auszuprobieren. Und bisher kann ich sagen, dass das Konzept gut ankommt“, sagt Christoph. Und hilfreich sei die Zeit zum Ausprobieren auch. So hätten zunächst die Klassenlehrer die Räume gewechselt. Schnell habe sich aber herausgestellt, dass es sinnvoller ist, wenn die Schüler die Räume wechseln. Allerdings könne das neue Konzept nur noch für den nächsten ersten Jahrgang angewandt werden.

„Dann haben wir keinen Platz mehr“, sagt Christoph. Deshalb hofft sie, dass bis dahin die Schule an einen anderen Standort ausgelagert wird, um das neue Gebäude zu bauen. „Ich würde mir wünschen, dass der Abriss und Neubau 2019 beginnt, zufrieden wäre ich mit 2020“, sagt Annette Christoph.

Wenn es noch länger dauert, dann werde sie doch noch ungeduldig. „Wir haben alle so viel Energie in die Planung unserer neuen Schule gesteckt, das muss endlich belohnt werden.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen